Blanca
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Zitat von Bud:Zitat von Blanca:Je nach Schweregrad kann ich durchaus nachvollziehen (nicht: rechtfertigen!), wenn manch einer da irgendwo austickt und dafür sorgt, daß wieder mal ein "Familiendrama" als Mordmeldung in der Zeitung steht. Ist der Supergau erst mal da, scheint es erst mal keine Lebensperspektive mehr zu geben und lacht einem der betrügende Teil dabei auch noch kackfrech genug ins Gesicht, so wundert mich das jedenfalls nicht, im Gegenteil: erstaunen läßt mich eher, wie sehr er außer Acht läßt, daß auch ein gehetztes Wild irgendwann mal stehenbleibt, sich umdreht und dann die Hörner nicht nur aufrichtet, sondern tatsächlich zustößt damit.
Das was Du da sagst finde ich fast schon wieder gefährlich. Auch wenn Du schreibst, dass es das nicht rechtfertigt, geht dein Nachvollziehen sehr in diese Richtung.
Nachvollziehen können hat nichts mit "rechtfertigen" zu tun.
Es gibt immer einen Grund bzw. Motive dafür, daß jemand so handelt, wie er eben handelt.
Erst mit der Beurteilung dieser Motivation als "positiv" bzw. "gut" wird daraus eine Rechtfertigung.
Weder habe ich Mord als Lösung eines Familiendramas hier gutgeheißen, noch "geht" mein Nachvollziehen "in diese Richtung", also verbitte ich mir auch derartige Unterstellungen. Dies ist ein öffentliches Forum und ich habe hier ganz sicher keinerlei Mordhetze betrieben, Punkt.
Zitat:Ich lasse mich von sowas nicht runter ziehen. Ich bin der Herr (oder die Herrin) über meine Gefühle und niemand kann mich so negativ beeinflussen.
Wenn eine ganze Familie auseinanderbricht, geht es nicht allein um Gefühle, sondern um die komplette bisherige Art, zu leben. Je nach Umständen kann die gesamte Existenz einschließlich ihrer materiellen Grundlagen davon erfaßt werden und das so nachhaltig, daß die Betroffenen für den Rest ihrer Tage keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen.
Und das alles nur, weil man sich vor zwanzig oder dreißig Jahren mal hat einreden lassen, man solle doch bitte "mal ein bißchen mehr Vertrauen haben", "auch mal Frau sein", den eigenen Beruf bzw. die eigene Karriere beiseite schieben (am besten: ganz aufgeben) und "sich auf die Familie konzentrieren", statt so "egoistisch" zu leben wie all die vielen Singles da draußen, die "es" halt nicht anders kennen und daher auch nicht "besser" wissen.
Oder (männliche Variante), weil man sich zur selben Zeit hat einreden lassen, man sei ein Geizkragen, wenn man nicht den Alleinverdiener macht und ein Egoist, wenn man nicht mindestens 3 Kinder und natürlich auch ein angemessen großes Haus für sie wolle und schaffe.
Kurz gesagt: Das alles nur, weil man doch tatsächlich dem einen und einzigen Menschen vertraute, mit dem man einen Lebensbund einging damals und sich für den fallengelassen hat - also genau so, wie er - vielleicht auch das damalige Umfeld - es einem immer wieder eingehämmert hatten. Nur damit man sich heute kackfrech von ihm ins Gesicht grinsen und sich anhören muß, man sei doch selbst schuld, wenn man alles glaube, was einem so erzählt wird und außerdem gebe es für nix im Leben eine Garantie und deshalb habe man auch täglich mit dem Supergau rechnen müssen, der jetzt eben eingetreten ist.
Ich bleibe dabei, daß ich - je nach Schwere des Einzelfalls - durchaus nachvollziehen kann, wenn jemand da nur noch rot sieht und am nächsten Tag was in der Zeitung steht.
Es gibt Dinge, die dürfen einfach nicht passieren. Tun sie es doch, müssen alle Betroffenen mit allem rechnen, nicht nur eine Seite.
Das ist keine "Rechtfertigung", sondern fatale Feststellung einer ganz real existierenden Option, die zwar illegal ist, aber leider zur Lebensrealität gehört, wie man besagten Zeitungsmeldungen unschwer entnehmen kann.