LightandShade
Gast
Von meiner Jugendliebe wurde ich nach 16 Jahren Beziehung verlassen. Und komischerweise - der Liebeskummer war nach einem Monat weg...
Dann traf ich IHN; er hat mich behandelt, wie eine Königin, wir konnten lachen, weinen, reden, streiten - es passte einfach. Ich habe ihn zappeln lassen, er hat geworben und ich habe ihm die Entscheidung für mich überlassen, weil: er ist 6 Jahre jünger, hat sein Leben vor sich, war beruflich voller Träume und noch lange nicht am Ziel. Mein Leben lief in geordneten Bahnen. Was ich erreichen wollte, hatte ich erreicht, wenn auch aus gesundheitichen Gründen mein Kinderwunsch unerfüllt bleiben sollte und meine Erkrankung keine Lapalie ist. Sie ist auch dafür verantwortlich, dass mein Selbstwertgefühl nicht sehr groß war und ist. All das sagte ich ihm - und er hat sich für mich entschieden; "Ich habe die Kraft für uns beide. Du bist mein Glück, mein Hafen, auf Dich warte ich schon so lange." ... Das war einmal ;-(
Nach gut einem Jahr Beziehung ist er bei mir eingezogen und da fing es an; er erdrückte mich beinahe mit seiner Liebe, er fuhr mir hinterher, spionierte mir nach, öffnete meine Post, schnüffelte in meinem Handy. Ich redete mir den Mund fusselig - aber es war nichts zu machen. Ich wurde ungeplant schwanger (aus ärztlicher Sicht ein Wunder...). Ich stellte Bedingungen, wenn ich unser Baby bekommen soll. Er willigte ein. Unser Sohn wurde geboren und ich durfte ab dem Zeitpunkt nur noch Mutter sein. Wenn es mir aufgrund meiner Krankheit schlecht ging - war er beim Fußball, mit Kumpels unterwegs oder bei Mutti, die 300 km weg wohnte. Meine Kraft reichte irgendwann nicht mehr für den Kampf gegen die Krankheit, die Sorge um unseren Sohn und die Erfüllung seiner Wünsche und Bedienung seiner Bedürfnisse. Ich blieb völlig auf der Strecke. Ich redete mit ihm, er verharmloste; sollte mich nicht so anstellen, etc. Ich fing an, mich gegen meine Liebe zu ihm zu wehren und fing an "gemein" zu ihm zu werden, wie er es zu mir war. Ich drehte einfach den Spieß rum. Irgendwann war an dem Punkt, dass ich nur eine Lösung sah: Unter einem Dach gehts nicht und bat ihn, auszuziehen, damit wir beide Luft holen können, ich müsse nachdenken, Kraft tanken.
Muss dazu sagen, dass ich auch niemanden sonst habe, dem ich was anvertrauen kann; bin hier ebenso "fremd" wie er. Also konnte mir auch keiner sagen, dass ich geduldiger sein muss, weil ein Baby immer eine Zerreißprobe in einer Partnerschaft ist. Er nahm es wörtlich; zog zurück zu Mutter; vor 1,5 Jahren. Ich habe ihn gehen lassen, mit der Hoffnung, dass er vielleicht doch noch irgendwann weiß, was er will: Familie oder ein Leben ohne jegliche Verpflichtungen. Wenn er seinen Sohn sehen wollte, habe ich für ihn gewaschen, gekocht, hab ihn bei uns übernachten lassen, habe ihn quasi wie einen guten Freund behandelt und immer mal durchblicken lassen, wie es in meinem Herzen aussieht. Immer wieder gab es Momente, in denen auch er mir zeigte, dass ich nicht vergebens hoffe.
Irgendwann hielt ich diesen Schwebezustand nicht mehr aus, mein ganzes Leben geriet aus den Fugen, die Sehnsucht nach ihm war riesengroß; dieses Jahr im Februar. Ich schrieb ihm einen Brief und seine Antwort brachte mich vollends durcheinander: Sein Herz liebt mich wie am ersten Tag. Es ist sein Kopf. Ich hätte alles richtig gemacht, er sei das Problem; seine Ängste, etc. Ich sagte ihm darauf nur, dass ich nicht fühlen könnte, dass er mich liebt. Ich fühle eher, dass er sich diesen angenehmen Weg zu seinem Sohn nicht verbauen will und sich deshalb das Türchen zu mir offen hält und ich habe keine Kraft mehr, so weiterzumachen. Ich brauche sie für mich und den Kleinen. Da kam nur, er habe nie gesagt, dass ich nicht hoffen bräuchte. Aber ob es Sinn mit uns macht, wisse er eben nicht. Außerdem habe er sich hier nie wohl gefühlt und wenn, dann müsste ich zu ihm kommen.
Ich habe natürlich in den vergangenen 1,5 Jahren für meinen Kleinen und mich ein Leben aufbauen müssen. Umzug, mein Kleiner, Job, meine Krankheit, Therapien, Arztbesuche ... Und immer wieder um ihn gekämpft; um ihn, unsere gemeinsamen Ziele, die Familie, die wir sein wollten.
Ich suche wieder die Schuld bei mir, weil ich letztlich die "Trennung" provoziert habe. Ich hatte Gründe dafür und er Gründe, warum er so weit weggegangen ist. Ich würde in seiner Heimat nicht glücklich werden, weil dort eben keinen Job habe, keine Bekannten, die ich jetzt durch Job und CO. gefunden habe, meine eigene Familie wäre dann sehr weit weg.
Also hat doch alles keinen Sinn und ich muss versuchen, mich gefühlsmäßig ganz zu lösen, oder?
Ist es nicht so, dass manchmal Liebe von beiden Seiten allein nicht ausreicht, um eine Krise zu überstehen?

