whynot60
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Zitat von paulaner:Und genau hier hinkt deine ganze Argumentation.
Dass Menschen sehr unterschiedliche Gefühlstiefen haben, dem widerspreche ich nicht. Das ist auf jeden Fall so.
Aber das gilt ja nicht nur für diejenigen, die diese "Gefühlstiefen" ausleben, sondern doch auch genauso für diejenigen, die dann unter diesem "Ausleben" leiden. Auch diese Gefühle können sehr tief sein.
Ich weiß zwar nicht, wo Du da etwas hinken siehst, aber offenbar hast Du da etwas vermischt.
Bei diesen Gefühlstiefen habe ich nicht davon geredet, dass zwei zusammen sind und der Gefühlstiefe lebt seine Gefühle dann aus und der Gefühlsschwache oder -arme leidet dann darunter. (Und was ist übrigens mit dem Leid, das ein Gefühlstiefer erwirtschaftet, ist er mit jemand Gefühlsarmem zusammen? Der prallt doch fortwährend ab, rudert nur in kühlen Gewässern herum und verkümmert am Ende selber - also auch nicht gerade etwas Erfreuliches.)
Worum es hier ging, war etwas viel Anfänglicheres. Also wenn ein Gefühlstiefer und ein Gefühlsarmer aufeinandertreffen und beide reden dann von Liebe, empfinden aber etwas gänzlich Unterschiedliches. Bei dem einen mag "Liebe" ein völliges Ergriffensein bedeuten, ein regelrechtes Versinken, während bei dem anderen hinter dessen "Liebe" etwas steckt wie (pragmatische) Sympathie, Gernhaben, interessierte Zuneigung oder auch nur, eben einen Partner haben zu wollen, dem man nicht gleich das Köpfchen abschraubt.
Das müsste dann ja auch als Betrug verstanden werden. Also wenn der eine in Liebe aufgeht, während der andere damit ein flaches Gefühlchen meint. Wird es aber nicht, zu Recht nicht, weil sich alle diese Gefühle eben nicht ermessen lassen und Liebe eben nicht gleich Liebe ist. Nur die Konsequenzen daraus sind eben völlig andere.
Und wenn jemand, um zurückzukommen, zwar von Liebe redet oder geredet hat, dann aber bereits vielleicht wegen eines einzigen Seitensprungs auf Nimmerwiedersehen abtaucht, dann glaube ich ihm seine Liebe nicht. Nicht in dem Sinne, wie ich sie eben verstehe und empfinde.
Ich weiß nicht mehr, wie oft ich im Lauf meines Lebens von "großer Liebe", "ewiger Liebe" zu hören bekommen habe. Vielleicht zehnmal, rechnet man auch die ersten jugendlichen Ausraster mit ein. Jedenfalls ist mir dann irgendwann einmal aufgeleuchtet, wie kurz solche Ewigkeiten sein können und wie viele es davon gibt. Eine erstaunliche Erkenntnis, mit der ich in meinem offenbar gar zu physikalischen Weltverständnis gar nicht gerechnet hätte und die mir dann die diesbezüglichen schmeichelanfälligen Lauscher irgendwann zugeklappt hat.
In diesem Sinne sollte man sich eben von vornherein in Gefühlsdingen von Versprechungen, Abmachungen, Vereinbarungen nicht zu viel erwarten. Heiße (oder zumindest lauwarme) Luft aus verträumten, erhitztem, vielleicht auch nur begehrlichem Gemüt, aber eben nichts, auf dem sich eine steinfeste Lebensburg bauen ließe.
