Juli
Gast
Ich habe jetzt schon viel in diesem Forum gelesen und möchte mich hier schon mal für die vielen Anregungen bedanken, wie man mit einer solchen Situation klarkommen kann.
Ich versteh die Welt grad nicht mehr...alles schien gut, ich hatte das Gefühl, wir wären endlich angekommen, aber offensichtlich hatte nur ich dieses Gefühl...
Hier meine Geschichte:
Ich kenne meinen Mann jetzt seit 10 Jahren.
Vor 8 Jahren wurden wir ein Paar, nachdem er 2 Jahre alles gegeben hatte. Ich war zu der Zeit noch in einer Beziehung, war aber bereits im Aufbruch in ein neues Leben (Ausbildung, Umzug, neue Leute, neue Stadt...). Seine lieben Mails, SMS und kleinen Geschenke haben mich sehr beeindruckt und mir das Gefühl gegeben, etwas ganz besonderes zu sein.
Nach einem halben Jahr bat er mich dann, mit ihm zusammen zu ziehen. Ich freute mich zwar, war aber doch etwas überrumpelt, ich wohnte ja gerade mal 6 Monate in meiner ersten eigenen Wohnung.
Aber egal! Ich war sooooo verliebt und so glücklich, mit diesem Mann konnte ich mir alles vorstellen.
Also, Wohnung gesucht, eine superschöne gefunden, Umzug!
Die ersten Streitereien ließen nicht lange auf sich warten...Ich war ihm zu nörgelig, er mir zu wenig zu Hause.
Ok hab ich gedacht, das muss sich ja erstmal einspielen!
Dann schien auch alles gut, er sprach von Heirat und wie unsere Kinder wohl mal aussehen würden....perfekt!
Und zack, nach 2 Jahren, wir kamen gerade vom Einkaufen heim, sagte er "Ich will und ich kann das so nicht mehr, ich will mich trennen!"
Ich stand da wie vom Donner gerührt! Keine weiteren Erklärungen, die nächsten Tage war er verschwunden.
Als er wiederkam lief alles sehr geschäftsmäßig ab. Ich funktionierte wie ein Roboter, war immernoch total unter Schock.
Eine Woche später stellte sich dann heraus: er hat 'ne Neue!
Nächster Tiefschlag, ich war vollkommen fertig.
Mit viel Geduld und Liebe meiner Familie hab ich es geschafft, mir wieder ein eigenes Leben aufzubauen, mir wieder eine eigene Wohnung zu suchen (hatte wieder bei meinen Eltern gewohnt) und das Leben schien wieder freundlicher zu werden.
1,5 Jahre war ich nun von ihm getrennt, kein Kontakt, nur ab und an mal eine Erzählung über ihn von gemeinsamen Freunden.
Karneval sahen wir uns dann wieder.
Es war wie im Film...die Menge teilt sich im Festzelt, er an der Theke, ich auf der Tanzfläche, Blickkontakt und es war passiert, wir landeten schlussendlich bei ihm zu Hause.
Danach wieder Wolke 7...er wäre so froh, mich wiederzuhaben, er wollte alles besser machen. Es gab wieder kleine Geschenke, Liebeserklärungen und ich fühlte mich hervorragend!
Ein Jahr später kauften wir ein Haus, bauten es um und waren quasi total im Projektstress.
Wir konnten super zusammen arbeiten, sind beide handwerklich begabt und hatten viele helfende Hände.
Als das Haus fertig war, kam der Alltag. Es ging wieder von vorne los...er war dauernd weg, für mich war keine Zeit. Wenn ich diese Zeit einforderte, gab es Knatsch, ich würde ihm seine Hobbies nicht gönnen, ihm immer alles madig machen.
Es gab keine kleinen Geschenke mehr, er hat mir nicht mehr zugehört. Er hat erzählt, von der Arbeit, vom Verein (er ist sehr engagiert), aber kommentieren durfte ich das nicht.
Hab ich es doch getan, hat er einfach nicht mehr viel erzählt oder meine Kommentare nicht beachtet.
Es gab nur selten Streit, er sagte immer, es wäre alles in Ordnung.
Vor 4 Monaten haben wir dann standesamtlich geheiratet, er sagte, ich wäre der wichtigste Mensch in seinem Leben und was besseres könnte ihm gar nicht passieren.
Keine 2 Wochen später fing es an, dass er von Parties nicht mehr nach Hause kam, erst morgens sturzbetrunken wieder auftauchte.
Er ging morgens um 6 aus dem Haus ins Büro, kam abends erst spät nach Hause und sagte dann immer, er hätte noch Vereinstermine. Wir wohnten zwar im selben Haus, sahen uns aber nicht.
Plötzlich rief die Bank an, mein Mann wolle alle Sparverträge auflösen, das wäre aber für die Finanzierung eher ungeschickt. Ich war verblüfft, sprach ihn drauf an.
Geschichte: er hätte ein paar Tausend Euro beim Online-Pkr verzockt, das hätte er wieder geradebiegen wollen, ohne dass ich es merke.
Diese Geschichte stellte sich als glatte Lüge heraus. Er hatte Schulden aus der Zeit mit seiner Ex, aber ich war ja selber Schuld, dass er mir solche Geschichten erzählen musste (seine Worte), weil ich von seiner Ex nichts hören wollte.
Ich Trottel bin dann mit zur Bank, hab einen neuen Kreditvertrag mit unterschrieben, hab gedacht, da müssen wir jetzt durch, aber das schaffen wir schon.
2 Wochen später: aus! Ich will und ich kann das so nicht mehr! Den Satz kannte ich ja schon....
Er könne das alles nicht mehr ertragen, das wär ihm alles zu eng und zuviel, er wäre nicht beziehungsfähig.
Das fällt ihm nach weiteren 4 Jahren mit mir ein!
Gleichzeitig weint er dauernd, er könnte selbst nicht verstehen, warum er mir schon wieder so weh tun müsste. Und immer wieder: aber ich kann grad nicht anders.
Aktuell wohne ich bei einer Freundin, er versucht alles abzuwickeln. Ist dabei sehr zuvorkommend, bietet mir alles an, will mich unterstützen. Er erzählt mir abends am Telefon, was er alles im Haushalt gemacht hat und dass er sich auch sehr um die Fische kümmert. Er hat sogar angeboten, ich könne weiter meine Wäsche zu ihm bringen, er würde sie dann mitmachen.
Er sagt, er möchte, dass ich möglichst unbeschadet aus der Sache herauskomme, finanziell gesehen. Das Haus gehört ja zur Hälfte auch mir. Und immer wieder die Aussage, dass ihm das alles so unglaublich leid tut, dass er mir nicht weh tun wollte, er aber einfach grad nicht anders könnte.
Was ist los mit diesem Kerl?!?
Ich begreife das einfach nicht.....

