Zitat von ElGatoRojo: Tja, das "Aufarbeiten". So richtig habe ich nie begriffen, was eigentlich so ganz konkret mit dieser Worthülse gemeint ist. Erinnert mich eher an irgendwas mit Recycling. Can you help me?
Aufarbeiten ist auch ein wirklich schwieriger Begriff, weil eben Füllwort. Persönlich würde ich das zunächst als Prozess verstehen, daher Stadien ausmachen.
Das erste Stadium ist, anzuerkennen, daß durch den anderen eine große Verletzung entstanden ist. Wut, Trauer, Hilflosigkeit, Ohnmacht sind Begleiter dieser Situation. Versucht man diese Gefühle zu umgehen, dann bleibt die Kränkung und wird sich später in Aggression gegen sich selbst und andere äußern. Ohne Anerkennen, daß das Bein gebrochen ist, kann ich es weder schienen noch irgendwie sonst behandeln.
Ist die Verletzung mit ihren Begleitern wahr genommen, ist es dann an der Zeit den Sprung auch wieder zurück aus der Opferposition zu schaffen. Ansonsten drohen Verbitterungsstörungen etc.
Opfer zu sein, hat ja zunächst auch Vorteile, aber den massiv großen Nachteil der Ohnmacht. Um also die Verletzung wieder zu integrieren, braucht es jetzt den Schritt sich selbst auch wieder selbstbestimmend wahrzunehmen. Reden wir über Affären, dann passiert da viel über die Beziehungsforensik. also wie ist letztlich zum Fremdgehen gekommen. War die Beziehung tatsächlich so toll für beide oder gab es Probleme des Paars, die eventuell im Fremdgehen ihre Eskalation gefunden haben. Gab es Probleme des Partners, die dieser versucht hat, über das Fremdgehen zu lösen. Dabei wäre dann auf die beiden Anteile der Beziehungsführenden zu schauen.
Wenn beide Verantwortung für die so schief gelaufene Dynamik übernehmen, bekommen beide auch Handlungsfähigkeit und damit Selbstwirksamkeit zurück. Es ist auch der Schritt bei dem es wieder zu Mitgefühl, Verständnis und Perspektivwechsel kommen sollte. Und das sind die Tools, die es braucht, um den anderen wieder "zu sehen".
Erst wenn das wieder halbwegs der Fall ist, können beide zusammen auch eine gesunde, neue Zukunftsvision aufbauen, ihre Partnerschaft neu konstruktiv verhandeln und gemeinsam neue Ziele erarbeiten.
Überspringt man einen dieser Schritte, lässt zB das Ausmaß der erfahrenen Kränkung nicht zu (keine Heilung) oder mag überhaupt nicht an eigene Anteile ran, bleibt die Zukunftsvision in den Kinderschuhen stecken, weil beide nicht über die erfahrene Verletzung hinweg kommen.
Daher: Anerkennen der Kränkung - Erleben der Trauer - Forensik des Geschehenen - Selbstwirksamkeit durch Verantwortungsübernahme - gemeinsame Entwicklung des Neuen.