Unheilig
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nun gut, Du bist noch nicht reif für eine Entscheidung. das musst Du auch nicht, Du gibst Dir Dein eigenes Tempo vor. Jedoch achte darauf, Dir "nichts zu verbauen" durch Deine Unentschlossenheit. Will heißen, agiere in zwei Richtungen solange Du nicht sicher bist, was Du willst.
Sicher Dich materiell ab für den Fall der Trennung. Das kann so oder so nicht schaden.
Für den Fall, dass Du bereit bist, die "Herausforderung" des Neuanfanges anzunehmen, sei Dir bewusst, dass da noch ganz viel Arbeit auf Dich und auch auf ihn zukommt.
Ich weiß wovon ich spreche.
Und es erstaunt mich auch, wie viel Parallelen es zwischen Deinem Mann und meinem Exemplar zu geben scheint. Meiner war auch emotional total unterkühlt, als letztes Kind "besser gestellter Eltern" lernte er zu funktionieren. Nur wer berechnend funktionierte kam zu etwas, das wurde ihm als Kind beigebracht, weil seine Eltern leider die Kinder gegeneinander ausspielten. Wenn einer nicht so funktionierte wie es sein Vater wollte, dann bekam er auch nichts und es wurde dem Kind gegeben welches den väterlichen Wunsch erfüllte.
Ich habe lange gebraucht bis ich erkannte, dass dies meinen Mann mehr prägte als ich ursprünglich angenommen hatte. Allerdings darf diese Prägung nicht als Dauerausrede für alles herhalten.
Was nun Eure Ehe betrifft, da können sich alle hier nicht wirklich eine Beurteilung erlauben. Hier kommst nur Du zu Wort und die Worte Deines Mannes, welche Du uns "wiedergibst" haben da ja schon zwei Filtergänge durchlaufen. Du hörst es so wie Du es hören willst und du gibst es auch so wieder, wie wir es lesen sollen.
Sicher ist es durchaus nicht in Ordnung wie er sich verhält, gar keine Frage. Aber genauso sicher hast Du auch Deine Fehler begangen. Du musst diese auch hier nicht ausbreiten, nur solltest Du schon auch in Dir selber mal Ursachenforschung betreiben um die Gründe für das Handeln Deines Mannes herauszufinden.
Möglicherweise bedarf es hierzu der professionellen Hilfe eines Therapeuten. Erst wenn Du diese Gründe erkannt hast, kannst Du nämlich an einem Neubeginn arbeiten. Und das betrifft jeden partnerschaftlichen Neubeginn unabhängig davon ob Dein Mann da noch eine Rolle spielt oder nicht.
Es steht mir auch nicht zu, Dir nun weiter konkret zu raten, was Du tun sollst. Das musst Du schon selber wissen. Ich und alle anderen hier können Dir ja nur die eigenen Erfahrungen näher bringen und dadurch Denkanstöße geben.
Ich verstehe nun nicht mehr, warum Du mit Deinem Mann noch solche unergiebigen Kreisgespräche führst. Schaffe Tatsachen, bring klipp und klar Deine Vorstellungen auf den Tisch und zeige ihm, dass Du fähig bist, Dich "der Herausforderung" zu stellen und nicht zur Freundin zu flüchten.
Das ist bei jemanden, der im Gespräch alles mit Logik weg argumentiert nicht einfach. Das erging mir genauso. Ich habe dann aufgehört zu reden, das brachte doch gar nichts. Statt dessen habe ich ihm Briefe geschrieben, die ich zunächst nur für mich schrieb um meine Gedanken zu sortieren. Dann habe ich diese Briefe mehrmals durchgelesen und nacheditiert. Das was nur Vorwurf und Beschuldigung war raus genommen, nur konstruktive Kritik stehen gelassen. Versucht so genau als möglich meine Empfindungen dabei zu schildern. Dann habe ich ihm dies per E-Mail geschickt.
Klingt nüchtern, aber so konnte er mich weder im Vorbringen meiner Gedankengänge unterbrechen, noch hat es gleich seine Blockade hervorgerufen, was bei den Gesprächen im Vorfeld immer so war. Auch er war (ist) schließlich Geschäftsmann und diese schriftliche Erörterung kam ihm mehr entgegen als ein destruktives oder ein Kreisgespräch.
Es hat mehrere Tage gedauert, bis ich eine Antwortmail von ihm erhielt. Er hat sich dabei wirklich Mühe gegeben und versucht auf all meine Punkte einzugehen und seine Sicht der Dinge (eben auch ohne dass ich ihn dabei unterbrechen konnte) zu schildern. Durch diesen ruhigen und gefassten schriftlichen Umgang mit der Sache fand dann bei ihm der "emotionale Durchbruch" statt.
Er war da auf einmal ganz anders. Er war mir gegenüber auf einmal ganz stark verunsichert, zitterte jedesmal wenn wir uns am Esstisch gegenüber saßen, konnte meinem Blick nicht lange Stand halten (auch wir lebten innerhalb unseres Hauses getrennt die erste Zeit) und übernahm auf einmal Dinge, die ihm früher vollkommen wurscht waren.
Erst dann habe ich mich wieder auf das Gespräch mit ihm eingelassen und erst ab diesem Zeitpunkt konnten wir wirklich gut und zielführend miteinander reden. Er musste sich erst mit sich persönlich auf seiner emotionalen Ebene auseinandersetzen (dies erfolgte durch die Beantwortung meiner Mail) bevor er mir Zutritt dahin gewährte.
Das war verdammt schwer für uns beide. Er musste lernen sich zu öffnen und sich selbst zu erkennen und ich musste lernen zu verzeihen und auch mir meiner eigenen Schuld bewusst zu werden.
Zusammenbleiben und neu zu starten nach einem derartigen Beziehungscrash erfordert einiges an persönlicher Reife auf beiden Seiten und damit viel Arbeit auch an einem selbst. Das sollte Euch beiden bewusst sein, wenn Eure Entscheidung nicht die Trennung sein sollte.
Wenn ihr aber beide (oder auch nur einer von Euch) nicht bereit seid zu dieser Arbeit am Selbst und zum aufrichtigen Hinterfragen der gemeinsamen Werte, dann wird eine Trennung wohl wesentlich gesünder sein.
Aus meiner Sicht jedenfalls führt Euch Eure Art des Gesprächs und der Aufarbeitung derzeit nicht weiter. Er bleibt einfach auf seinem Platz sitzen und wartet bis Du Dich emotional aufgerieben hast um dann materiell argumentativ wieder für ihn erreichbar zu sein.
Eine dritte Alternative könnte allerdings auch sein, ihr lasst einfach alles wie es ist und lebt weiter nebeneinander her. Wenn es Euch zufrieden stellt, dann mag das auch durchaus eine gangbare Lösung sein, nur solltest Du Dir dann vielleicht auch den ein oder anderen Mäuserich zu Deiner Entspannung gönnen