Hallo zusammen,
ich habe nun schon ein paar Tage Kur hinter mir und wollte gerne ein bisschen darüber berichten.
Hier wird ziemlich viel Sport angeboten, was ich auch gerne in Anspruch nehme. Es ist insbesondere toll, dass das "Babyphone" im ganzen Haus super funktioniert, sodass ich auch noch zu späterer Stunde Sportangebote wahrnehmen kann. Bislang habe ich ein paar nette Frauen kennengelernt. Vor der Kur hatte die KK mir mitgeteilt, dass ca. 70 % alleinerziehend in solch einer Einrichtung seien. Da hatte ich wohl das "Glück" und bislang nur die anderen 30% kennengelernt. Das finde ich ehrlich gesagt etwas schade, da ich mich gerne mit "Gleichgesinnten" austauschen möchte. Vielleicht treffe ich ja noch die ein oder andere Person in den nächsten Tagen.
Ich habe zum Glück psychologische Einzelgespräche verordnet bekommen, sodass ich dort zumindest meine Baustellen ein bisschen besprechen kann. Außerdem mache ich hier eine Kunsttherapie, die mich heute sehr emotional mitgenommen hat. Das Thema war Landschaft und man konnte darin seine Gefühle ausdrücken. Als wir am Ende die einzelnen Bilder besprochen hatten, haben mich meine Gefühle total überwältigt. Es ist auf jeden Fall interessant zu hören, was andere und auch die Kunsttherapeutin zu den einzelnen Bildern sagen. Ich hatte eine Wüste mit einer Kluft gemalt, meinen Sohn und mich auf der einen Seite (auf der gleichen Seite ein Kreuz mit Dornenranken wegen unserer Hochzeitslesung, eine blühende Rose und ein Schmetterling. Auf der anderen Seite dann klein im Bild mein NM als schwarzes Strichmännchen und ganz oben am Rand die Mini mini mini Next.
Was an dem Bild auffiel, war, dass ich trotz der Thematik warme Farben für die Landschaft und "meine Seite" gewählt hatte; hingegen waren mein NM und die Mini Next in kalten Farben gezeichnet.
Es war auf jeden Fall interessant zu sehen, wie das Bild auf andere wirkt (ziemlich unsortiert bzw. unangeordnet) und wie man (vielleicht auch unterbewusst) Farben wählt. Das Bild erschien den anderen aber insgesamt als positiv wegen der vielen warmen Farben
Die Vorträge zu verschiedenen Themen (bspw. Stress) sind mir persönlich zu oberflächlich. Mir fehlt es da irgendwie an Tiefgang und die Möglichkeit, sich ordentlich darüber austauschen bzw. diskutieren zu können.
Die Psychologin ist mir von Anfang an sehr sympathisch gewesen. Sie hat mir auch klar gemacht, dass sie keine Prognosen stellen wird (hatte ich aber auch nicht nach gefragt), wenngleich sie sich zwischendurch auch mal einen Kommentar in der Richtung hinreißen ließ.
Das Wesentliche, dass ich bislang mitgenommen habe, ist, dass es wichtig ist, dass ich mich deutlich von meinem NM abgrenze, weil
(i) sonst die Gefahr besteht, dass sich bei mir immer ein bisschen mehr Frust anstaut, sodass eine langfristige negative Stimmung auch in der Elternebene bei mir entstehen kann. Diese Abgrenzung sollte zumindest solange stattfinden, bis ich die Trennung verarbeitet habe;
(ii) mein NM noch immer das Beste aus zwei Welten hat, selbst wenn ich nicht nach seiner Arbeit etc. frage oder er eben die Möglichkeit hat, seine Themen bei mir zu platzieren, auch wenn er sie einfach nur bei mir ablädt und sie meinerseits nicht groß kommentiert werden. Erst dann kann auch er merken, was oder wer für ihn wichtig ist. Dabei hat sie aber nochmal deutlich gesagt, dass seine Baustelle definitiv nicht meine sein darf.
Die für mich wichtigste Frage, die sie mir stellte war: "Wann fand Ihre Trennung statt?". Ich nannte ihr das Datum, wann mein Ex ausgezogen ist. Sie wiederholte exact die gleich Frage nochmal mit dem Hinweis, dass es einen Unterschied zwischen räumlicher und "echter" Trennung gibt.
Zitat von Mulle:Du und er umschifft bislang die Trennung auf der gesamten Ebene.
Liebe Mulle, ich finde es wirklich total interessant, dass du heute genau diese Aussage auch triffst. Ich mache mir darüber seit meinem gestrigen Gespräch intensiv Gedanken drüber. Umso mehr ich darüber nachdenke, umso komischer finde ich es. Bislang hat mein Ex nur einige wenige materielle Dinge mitgenommen. So wie du es auch richtig beschrieben hattest, Mulle, wurden bislang keine finanziellen Themen angegangen, er ist noch immer nicht umgemeldet und ansonsten sind wir noch immer sehr eng miteinander "verflochten".
Anschließend fragte mich die Psychologin mich, ob wir denn mit diesen "Fakten" denn wirklich getrennt seien?
Diesen Ansatz hatte ich bislang noch nicht gesehen und ehrlich gesagt, verwirrt er mich, macht mich unsicher und auch ein bisschen ängstlich. Ängstlich, weil ich befürchte, daraus entsteht bei mir wieder unnötig mehr Hoffnung. Unsicherheit, ob mein diffuses Bauchgefühl, dass zwischen uns noch nicht die "letzte Messe gelesen ist", sich bewahrheiten könnte.
Mein Verstand sagt mir dazu aber auch, dass diese Trennung zwangsweise nötig war - für uns beide - und es gut so ist, wie es ist. Ich brauche diesen Schmerz, um innerlich erwachsen zu werden. Diese Sinnkrise, die wir beide wohl grade jeder auf seine Art und Weise haben, gibt zumindest mir die Möglichkeit, mich kennenzulernen und Dinge zu verarbeiten, die viel zu lange in meinem Unterbewusstsein schlummerten.
Die Psychologin hat mir als "Hausaufgabe" zwei Fragen mitgegeben, die ich auch insbesondere im Hinblick auf unsere bislang nur ein räumliche Trennung mir beantworten soll:
1. Welche Rolle habe ich als Mutter gegenüber meinem Ex im Hinblick auf unser gemeinsames Kind?
2. Welche Rolle habe ich gegenüber meinem Ex als Frau (=Person)?
Dazu habe ich für mich noch keine zufriedenstellenden Antworten gefunden. Insbesondere die zweite Frage hat es im Moment noch in sich. Mir steht da - glaube ich - noch so ein bisschen die Abgrenzung von Mutter und Mensch im Wege. Außerdem bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich die Fragen bislang wirklich verstanden habe...
Zitat von machtlos:Dementsprechend habe ich dann auch nach der Beendigung der letzten Beziehung gelitten
Zitat von machtlos:Aber auch wenn die zweite Ehe mich fast geschafft hätte, so möchte ich sie nicht missen. In dieser Zeit habe ich feststellen können, was für mich in einer Beziehung wirklich wichtig ist.
Lieber machtlos,
vielen Dank dir für deine weiteren Ausführungen, damit ich das, was du mir sagen wolltest, besser verstehen konnte. Zugegebenermaßen hatte ich dich anfangs nicht richtig verstanden, weil ich das, was du erklärt hast, ich für meine "Fall" nicht hören wollte

. Daran merke ich, dass mich es einfach noch sehr trifft, wenn ich etwas zu lesen bekomme, was nicht meinen "Wünschen" entspricht. Das ist wohl auch im Moment noch so, weil ich mich - glaube - abgewertet fühle, wenn es für mich nur als gute "Freundin", aber nicht als Partnerin reicht
Es tut mir leid, zu lesen, dass deine zweite Ehe auch durch eine Affäre beendet wurde. Das stelle ich mir auch sehr hart vor, wenn man durch diese gelernt hat, was einem in einer Parternschaft wirklich wichtig ist.

Aber es ist wiederum schön, dass du auch an die zweite Ehe scheinbar auch in Dankbarkeit zurückblicken kannst.
Zitat von machtlos:Abschließend wünsche ich Dir, dass Du genau das auch heraus findest.

Vielen Dank! Ich hoffe, ich werde es herausfinden

Zitat von Mulle:Er war mit dem Einzug meines Mannes einverstanden, und beide verstanden sich nach wie vor. Kurze Zeit danach lernte er eine andere Frau kennen, die auch dort einzog, und es entstand eine Art WG. Völlig verrückt.
Oh man, ich weiß grade ehrlich nicht, ob ich darüber lachen oder einfach nur den Kopf schütteln soll. Das hört sich eher nach einer Seifenoper an.
Zitat von Mulle: Beim Verlassen des Restaurants kam er plötzlich auf mich zu, nahm mich beiseite und sagte zu mir, dass er mir ansehen könne, wie groß mein Leid sei.

Wahsinn! Das muss dich ja wirklich total überrumpelt haben. Da war er aber ein guter Beobachter. Sowas empfinde ich dann als Lichtblick, wenn Fremde Menschen auf einen zukommen und so einfühlsam und ermutigend sind.
Zitat von Mulle:hatte mich seine Absicht völlig überrascht. War es nicht genau DAS, was er wollte?
Das stelle ich mir ziemlich krass vor. Was mag in deinem Kopf und Herz alles auf einmal abgegangen sein. Das stelle ich mir ziemlich überfordernd vor. Wie hast du denn darauf reagiert? Das muss doch Hölle und irgendwie Himmel (wegen der Resthoffnung) gewesen sein. Insbesondere, wenn es vorher als der Wunsch nach einem neuen Leben gezeigt wurde.
Ich stimme dir da vollumfänglich zu, das alles fließt. Alles kann sich jederzeit ändern, nichts ist in Stein gemeißelt. Daher sollte man nichts als selbstverständlich nehmen und erwarten, dass es wunschgemäß weiterläuft.
Das ist auch für mich der Grund, warum ich sage, dass mein Ex und ich im Moment nicht zusammenpassen, ich aber nicht weiß, was in 2,5 oder 10 Jahren ist. Damit möchte ich nicht zum Ausdruck bringen, dass ich auf ein späteres Comeback spekuliere. Nein, ich habe in den letzten Monate für mich rausgenommen, dass man das Hier und Jetzt genießen muss und damit glücklich sein, denn die Zukunft ist ungewiss und nicht selbstverständlich.
Zitat von Mulle:Das Päckchen unserer Trennung beschäftigt mich heute noch. Nicht umsonst bin ich ab und zu noch als Gast in diesem
Forum.
Zitat von Mulle:ich werde mit Deiner Zustimmung deinen Weg weiter verfolgen. Obwohl ich Dich nicht persönlich kenne, spüre ich, dass auch Du die Kraft hast, das Beste aus der Situation zu machen. Du hast jetzt die Chance, die Dinge für Dich in die Hände zu nehmen.
Ich freue mich sehr darüber, dass du hier im Forum aktiv bist. Ich schätze deine Meinung und deine Erläuterungen sehr, denn sie berühren mich ganz tief. Daher hoffe ich, dass du meinen Weg noch lange weiterverfolgen wirst
Es tut mir sehr gut, dass du und auch andere Forenteilnehmer mir zutraut, dass ich die Stärke habe, diese Krise zu bewältigen und etwas daraus zu machen
