Kai_1981
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In dem Therapiegespräch wurde ja nochmal die finale Trennung bekannt gegeben. Das Gespräch wechselte dann von einer Paartherapie in eine Trennungsberatung. Ich war zu diesem Zeitpunkt innerlich etwas vorbereitet und eigentlich gefasst.
Meine NF hatte ja zunächst die Idee, zu ihren Eltern zu ziehen, und zwar mit Kind. Das hätte vorausgesetzt, dass ich der Sitzverlegung mit meiner Tochter zustimme. Ich hatte geschrieben, dass mir alle 2 Wochen ein Wochenende deutlich zu wenig ist. Sie hatte noch angeboten, dass ihre Eltern mir immer einen Tag in der Woche das Kind bringen könnte. Sie würde es sogar abends nach der Arbeit bei mir abholen und wieder mitnehmen. Ich habe hin- und herüberlegt, ob das ein gangbarer Weg ist und ob ich mich auf Aussagen zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt verlassen kann.
Gestern brachte die Therapeutin die Idee auf den Tisch, dass ich ausziehen und mir in der Nähe eine Wohnung suchen könne. Das sei auch zum Wohle der Tochter, weil sie in ihrer gewohnten Umgebung bleibt und weiter hier die Schule besuchen kann. Das bedeutet dann auch, dass meine Tochter bei meiner Frau leben wird, auch wenn ich in der Nähe bin.
Letzte Nacht hatte die Tochter bei mir geschlafen. Ich bekam stundenlang kein Auge zu. Ich habe die Vertrautheit so genossen, das schöne Gefühl, wenn sie plötzlich im Halbschlaf einen Arm um mich legt. Wieder einmal war ich den Tränen nahe. Ich dachte an die Worte der Therapeutin und stellte mir hier die Frage, warum eigentlich ich die Person sein soll, die das Haus verlässt. Sehen wir es doch mal realistisch: Ich habe meine Frau verloren, ich verliere das Haus und dadurch, dass meine Tochter bei meiner Frau wohnen wird, in gewisser Weise auch meine Tochter. Ich soll mir hier eine Wohnung in der Nähe suchen, soll weiterhin Betreuung leisten, damit sie in ihrer Komfortzone leben kann. Und dann wird der Moment kommen, wo ich in der Wohnung sitze und erfahre, dass plötzlich ein neuer Typ in unser Haus eingezogen ist. Das Haus, wo ich selbst so viel daran gemacht habe. Der Typ wird den Dachboden nutzen, den ich gemeinsam an etlichen Wochenenden ausgebaut habe. Er wird das neue Bad nutzen und sich auch noch in unser gemeinsames Ehebett legen, meine Tochter im Nebenzimmer. Wenn dann mal wieder Corona kommt, werden alle im Garten sitzen und spielen können; ich dagegen werde in meiner Wohnung sitzen und die Wand anstarren.
Morgen habe ich einen Beratungstermin beim RA, wie ich hier weiter vorgehen soll. Wer unsere Beziehung vor 2 Jahren gesehen hätte, hätte niemals gedacht, an was für einem Punkt wir mittlerweile angekommen sind.