Auch heute ein update (für die, die es interessiert.) Diesen Thread will ich am Leben lassen als Beispiel, was so passieren kann. Das, was mit uns passiert, ist auf keinen Fall allgemeingültig und für jeden eins zu eins verständlich, aber diese Forum hat mich in meiner Differenzierung echt weiter gebracht, so dass ich Euch daran teilhaben lasse.
Gestern war der Jahrestag der Offenbarung. Im Vorfeld hatte ich viele Dämonen im Kopf. Insofern, wie Slevin.. ein bisschen. Außerdem hatte meine Frau nach vielem Hin und her sich auf dieselbe Mediationsveranstaltung angemeldet, wie damals, die sie zu Zweit verlebte.
Ihre Begründungen für die Teilnahme:
a) Auseinandersetzung mit der Vergangenheit
b) Dieser Ort war in den Vorjahren immer ihr Ort, es es jetzt auch wieder ihr Ort?
c) Der eigentliche Grund, Einstimmung auf die dunkle Jahreszeit, Kraft schöpfen.
Das erste, was sie berichtete, dass als sie in das Tal mit der Bahn einfuhr: Nein, mein Ort, R war letztes Jahr mit. Dieses Jahr bist Du (Lars) im Herzen dabei,
Dann viel Auseinandersetzen mit sich, mit der Beziehung zu R und zu mir.
Ein Tag- genug Emotionen, jetzt will ich mal nur für mich sein.
Gestern dann die Heimkehr. Eingeleitet mit den Worten: Ich freu mich mit allen Sinnen auf Dich.
Und das hatte man auch gemerkt. Selten haben sich zwei 50-jährige so innig auf dem Bahnhof begrüßt.
Alle Familienmitglieder (einschließlich Kater) waren wieder froh, dass wir wieder komplett waren. Und dann noch ein sehr ernstes Gespräch. Das Kapitel R ist für sie nicht abgeschlossen. Ja, sie fühlt sich nicht mehr zu ihm hingezogen, kann sich keine Beziehung mehr vorstellen. Aber- da ist noch ein bisschen weiße Karte für mich- sie waren nicht ausschließlich in der Kiste, sondern hatte auch sehr anregende, nette freundschaftliche Zeiten. Und sie würde gern herausfinden, ob es möglich ist, darauf eine Freundschaft aufzubauen.
Klingt erst mal superschräg., ich weiß- ich hatte in meine April/Mai Artikeln ja stets betont, wie cool und easy sich das alles anfühlt, bis es dann zum break kam.
Heute stellt sich das ein bisschen anders dar. Ja ich war sehr verunsichert, kombiniert mit meine Dämonen. Auf der anderen Seite: rein als Partner, bin ich jetzt in der komfortablen Lage, die "bessere" Partie darzustellen. R ist kein Konkurrent. Und ich habe es geschafft, mit meiner Frau zusammen, etwas Neues aus der Asche zu schaffen. Ich bin nun nicht mehr die Idiot, der alle Launen erträgt, sondern der dezidiert, Stunden über dieses Thema nachgedacht hat und auch eine Meinung dazu hat. Und ich sehe eine Frau, die völlig anders als vor einem Jahr ist- selbstbewusst, stark und voller Vertrauen zu sich mir und offen. Wir beide haben neue Level der Differenzierung (nach Schnarch- ich finde den Mann großartig)erreicht, Mutig.
Sie hat genau erkannt, warum sie ihn als Seelenverwandten gesehen hat- der Mann ist eben ein Chamäleon, kann quasi mit jedem einen Bezug herstellen- auch mit mir- siehe meine Beschreibung der Begegnung vom Januar. Die Antwort auf meine Frage, warum sie ausgerechnet mit ihm eine Freundschaft möchte, lautet: Weil sie glaubt, dass sie sich beide gegenseitig das Leben bereichern können. Es gilt nun herauszufinden, ob dem so ist.
Eine erneute Begegnung war nach der Kontaktsperre stets eine mögliche Option. Ich hatte gehofft, dass es sich erledigt, aber ok, unter den heutigen neuen Bedingungen- und ich hatte echt keine Plan, wo wir heute stehen würden gegenüber dem zweiten Neustart- könnte ich eine Aussprache akzeptieren. Es stehen dann letztenendes drei verschiedene Folgen im Raum:
a) Er will nicht oder sie will nicht weiter, weil er ihr nichts bieten kann
b) Es tauchen erneut Gefühle auf
c) Eine wunderbare Freundschaft entsteht, R wird bei uns sein aber mit dem angemessenen Abstand.
Wie es mir geht, müssen wir einfach mal schauen- das ist ja der zweite Schritt, Ich denke mal Stand jetzt so:
c) wäre so der Wunsch meiner Frau. Ich bin da so ein bisschen hin und her gerissen, aber solange ich informiert bin, kann ich es wahrscheinlich mittragen- mal gucken. Ich denke, dass ich sehr genau spüre, ob und was abgeht. Und unter welchen Randbedingungen so ein Konstrukt funktionieren kann.
a) Die letztenendes einfachste Lösung. Aber ob sie die beste ist? Würde ich nicht so sehen.
b) ist der kniffeligste Fall. Im Großen und ganzen ist meine Frau sehr differenziert- sprich, dieses Risiko ist sowieso schon klein. Aber wenn es so sein sollte, wird sie höchstwahrscheinlich dann selber auf Abstand gehen, weil sie die Partnerschaft auf Augenhöhe, und die tiefe Innigkeit der Liebe mit mir nicht gefährden will.
Wir haben noch zwei weitere Baustellen, die wir so bearbeiten wollen, damit unsere Beziehung und Liebe ohne Geschwüre weiter wachsen kann. Da sind zum einen Dinge und Verhalten aus der Fremdbeziehung, die ich noch nicht verstehe oder auf einen Level gebracht habe, den ich offen stehen lassen kann. Und in mir ist auch noch eine Sehnsucht, die ich über Jahrzehnte, verschwieg, weil ich ja in einer Partnerschaft war und solche Sehnsüchte unangemessen erschienen. Meine "Bedingung" für meinen Segen zum Erforschen der Freundschaftsmöglichkeiten, ist, dass wir die anderen Punkte genauso offen und intensiv bearbeiten, wie diesen. Ach ja und natürlich darf keinerlei Heimlichkeit herrschen- sprich R Frau muss- sofern es kein anderes Arrangement gibt- ebenso Bescheid wissen. Und auch R muss endlich sich komplett öffnen, um zu schauen, dasss es möglich ist- oder eben nicht. wenn er zum Beispiel doch nur ein Betthaserl gesucht hatte.
Kleinere Baustellen sind mMn abgeklärt. Meine Entscheidung, jetzt mit dem Motorradfahren anzufangen, macht ihr Angst. Ich kann aber diese Angst bei ihr lassen und werde es dennoch tun. Und sie wird nicht die Scheidung deshalb einreichen.
Ach ja und heute bekomme ich noch ein Gedicht mit den Worten: Folgende Strophe habe ich gestern gefühlt: Manchmal treffe ich diesen Gott in diesem Menschen, und meine Seele ist daheim.
Kitschig? Vielleicht, aber sehr sehr ernst gemeint.