Korval
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Heute wende ich mich mal an euch und hoffe, ich bekomme hier vielleicht ein wenig Feedback, Gedankenanstöße oder auch einfach einen Austausch. Der Text könnte etwas lang werden, ich versuche ihn aber so gut es geht zu kürzen.
Ich habe im Oktober 2024 über eine Datingplattform eine Frau kennengelernt. Wir hatten etwa anderthalb Wochen sehr intensiv geschrieben und uns dann getroffen. Ich glaube nicht an Liebe auf den ersten Blick, aber ich gebe zu, ich war sofort ziemlich angetan von ihr und sie von mir. Unsere erste Begegnung lief wirklich fantastisch, wir haben uns prima verstanden und wussten, wir wollen uns definitiv wiedersehen. Das passierte dann wenige Tage später und dann quasi immer wenn wir uns etwas Freizeit einräumen konnten und nichts anderes anstand. Wir redeten über alles, unsere Höhen und Tiefen, Stärken und Schwächen- und wir merkten, wir kommunizieren auf einer wunderbaren Wellenlänge. Auch alles andere passte in diesem Moment (auch diverse Vorstellungen von Intimität) und so beschlossen wir es im November als feste Beziehung zu kommunizieren. Auch in ihre Familie und ihren Bekanntenkreis wurde ich gut eingebunden und aufgenommen, ihr Kind mochte mich. Kurzum: Ich fühlte mich angekommen und quasi in dieser Verbindung „zu Hause“.
Schon sehr früh hat sie mir gesagt das bei ihr eine Bindungsunfähigkeit diagnostiziert worden ist, dazu kam Borderline (sie hat kein selbstverletzendes Verhalten, begibt sich aber gern mal in Situationen die durchaus gefährlich werden können), Depression und später noch ein Burnout. Sie hat ein Kind im höheren Teenager-Alter das ebenfalls starke psychische Probleme hat, mit Dro. herumexperimentiert und auch schon einige Suizidversuche hinter sich hat. Da ich schon die eine oder andere Erfahrung mit psychisch erkrankten Menschen gesammelt habe wusste ich in etwa worauf ich mich einlasse und habe auch auf ihre Frage ob ich mir sicher bin das ich mit alldem klar komme gesagt das mich das nicht abschreckt. Das einzige wo ich vollkommen unerfahren war war die Diagnose der Beziehungsunfähigkeit. Hierfür habe ich mir Fachlektüre besorgt und gelesen, mit einem mit mir befreundeten Psychologen gesprochen und auch sonst versucht mich dahingehend schlau und fit zu machen. Dabei habe ich festgestellt das ich mit diesem „Komm her- geh weg-Spiel“ keine sonderlichen Probleme habe, ich habe es einfach als ihr Wesen akzeptiert und wusste, in dieser Zeit ist dann Ich-Zeit angesagt.
Immer wieder brach sie mir gefühlsmäßig weg (bedeutet, sie sagte mir das sie sich innerlich leer fühle und nichts mehr für mich empfinde), aber mit Zuspruch, Geduld und liebevollen Gesten habe ich das immer wieder gedreht bekommen. Tatsächlich erzählte sie mir das ihre Beziehungen eine Art „Haltbarkeit“ und „Ablaufdatum“ haben. Ihre Liebe halte 3-6 Monate und wäre dann quasi über Nacht weg, würde auch nicht wiederkommen. Sie litt sehr darunter, vor allem weil sie sagte das sie gehofft habe dieses Gefühlschaos endlich mit mir nicht zu verspüren da ich genau so sei wie sie sich einen Mann gewünscht habe und sie nicht verstehe wieso das trotz das ich nahezu alle Kritikpunkte erfülle wieder so läuft. Ich habe sie dann beruhigt, habe gesagt das ich nicht glaube das ihre Leere etwas mit uns zu tun hat, sondern sie durch ihre ganzen Probleme einfach derzeit im Nebel lebt und es dadurch schwierig ist mich und auch die Beziehung zu spüren. Einige Male schien ich sie damit wieder „eingefangen“ zu bekommen, doch ich merkte das es immer schwieriger wurde. Sie beklagte das sie sich unheimlich schlecht fühlt weil sie mir nicht die Liebe geben kann die ich ihrer Meinung nach verdiene und ich ihr davon aber so viel gebe was ihr auch gefällt und guttut, aber ihr gleichzeitig ein schlechtes Gewissen macht. Ich habe ihr erwidert das ich nicht finde das sie mir zu wenig gibt da unsere Kommunikation doch wunderbar ist (die brach wohl sonst wenn die Liebe weg war ihrerseits auch weg, das war also tatsächlich neu das sie diese aufrecht erhielt) und ich durchaus weiß das sie zu Liebe fähig ist (gerade zu Anfang unserer Beziehung hatte sie mich damit regelrecht überhäuft- es gab in meinem Leben noch keine Frau die mich derart angehimmelt hat wie sie!).
Seit Mitte bis Ende Januar gab es dann immer mehr Gefühlsprobleme ihrerseits, sie steigerte sich ziemlich hinein während ich versuchte ihr Ruhe und Kraft zu geben. Unsere Treffen wurden weniger da sie sich dazu nicht in der Lage sah, das letzte fand dann Mitte Februar statt und war ihrerseits von starker Abweisung und Missmut geprägt. Als ich fuhr sagte sie das sie das Treffen nicht schön fand weil sie es „durchtrieben“ habe, aber sie trotzdem froh war das ich da war da sie sonst gar nicht aus dem Bett gekommen sei und ich sie trotzdem ein wenig in die Aktivität gebracht habe. Sie sprach die folgenden Woche immer mehr von Seelenschmerz und das sie sich nicht gut fühlt, das sie nicht weiß was sie uns betreffend tun soll. Mehrmals hatte sie schon den Gedanken geäußert das es besser wäre wenn wir es beenden, nicht nur wegen sich selbst, sondern auch wegen mir. Ich habe ihr immer gesagt das ich in unserer Beziehung nicht leide und wahrscheinlich hat sie das auch eine Weile davon abgehalten sich zu trennen. Dennoch habe ich irgendwann gemerkt, ich muss ihr wahrscheinlich einen letzten Liebesbeweis geben- und sie gehen lassen. Ich habe dann versucht das Trennungsgespräch einzuleiten (über schriftlichen Kontakt, treffen wollte sie sich nicht, telefonieren auch nicht), doch ich konnte es letztendlich nicht, ich war nicht stark genug. Auch hatte ich den Eindruck das sie plötzlich keine Trennung mehr wollte was mich ein wenig hoffen ließ. Dann aber, einen Tag später (genau gesagt Anfang diese Woche) hat sie es plötzlich von sich aus wieder angesprochen und diesmal auch als offiziell beendet deklariert.
Trotz der Tatsache das ich es habe kommen sehen, dass ich eigentlich wusste das sie es früher oder später tun wird sofern sich an ihren Lebensumständen nichts ändert war es wie ein Schlag ins Gesicht. Ich bin wie betäubt und leide, denn ich habe nicht nur die Frau die ich liebe, sondern auch „mein zu Hause“ verloren. Ich versuche mich abzulenken so gut es geht, Freunde treffen ist aber derzeit nicht möglich weil ich meinen Schmerz erst einmal mit mir selbst und allein ausmachen will. Auch kann ich die Trennung vor ihnen noch gar nicht kommunizieren, einfach weil es noch zu wehtut.
Ich bemühe mich rational und reflektiert an die ganze Sache heranzugehen, mir zu sagen das es sich abgezeichnet hat und damit wohl unausweichlich war. Dennoch habe ich in mir das Gefühl das unsere gemeinsame Reise noch nicht zu Ende ist, das da noch irgendetwas kommt. Und auch wenn ich mich nicht an diesem Gefühl festhalten will, irgendwie hilft es mir gerade ein wenig.
Ich weiß das auch sie sich sehr viele Gedanken macht (sie schrieb mir, sie grübelt oft nach ob sie das richtige getan hat damit) und es sie wohl sehr schmerzt, aber ich glaube, es ist nicht der gleiche den ich gerade fühle. Sie hatte es quasi in der Hand, sie hat das Band durchtrennt und damit hat sie mich quasi von sich weggestoßen. Ich glaube, das ist immer die „bessere“ Position in so einer Situation.
Mir gehen tausend Fragen durch den Kopf. Wird sie irgendwann erkennen was sie mit mir verloren hat, so wie ich erkenne was ich verloren habe? Wird sie sich besinnen und noch einmal auf mich zukommen mit dem Wunsch eines neuen Versuchs (ich bin ehrlich, ich weiß gar nicht ob ich sofort Ja sagen würde, denn ich wüsste ja gar nicht was sich geändert haben sollte und warum sie glaubt das das Gefühl in ihr jetzt Bestand hat)? Wie komme ich mit dem Gedanken klar das möglicherweise bald schon ein neuer Mann in ihre Nähe kommt mit dem sie sich auf ein Abenteuer mit offenem Ende einlässt (ihren Erzählungen nach ist sie jemand der sich da eher rasch versucht wieder gewisse Dinge zu holen weswegen ich glaube, sie ist da eher wieder „versorgt“ als ich, einfach weil ich eine ganz andere Herangehensweise habe)? Wie soll ich mich ihr gegenüber verhalten? Den Kontakt ganz abbrechen möchte ich eigentlich nicht, denn ich schätze sie nicht nur als Frau, sondern vor allem als Mensch.
Ich danke jedem der bis hierher gelesen hat und entschuldige mich für die Länge des Textes.