Liebe TE @allein81und Foris,
ich war vor einiger Zeit hier unter anderem Namen mal etwas aktiver ( okay, über 100 Beiträge bin ich dennoch kaum gekommen) und eher stille Mitleserin.
Ich muss gestehen, dass ich mich häufig sehr unbehaglich fühle in den Affärenthreads. Dieser hier ist leider wieder ein negatives Paradebeispiel.
Ja, man mag der TE vorwerfen, dass sie skrupellos und egoistisch und vollkommen ohne Empathie war, und dass ihr Leid selbst verursacht und damit offenbar weniger wert ist.
Und man mag die EF, die um ihre Beziehung und damit auch für ihr Kind kämpft, für eine verzweifelt frustrierte Frau halten.
Natürlich ist eine Affäre immer ein Auftakt für ein schmerzvolles Drama. In den seltensten Fällen geht es gänzlich ohne Unglück aus.
Aus irgendwelchen Augen fließen immer Tränen.
Und ja: Man kann sein Glück nicht auf dem Unglück anderer aufbauen.
Das funktioniert nie.
Und auch das stimmt: ein Mensch, der seinen Partner belügt und betrügt, wird auch seiner Affäre gegenüber nicht die Ehrlichkeit in Person sein. Wie soll das gehen? Und was oft außer Acht gelassen wird auf Seiten der Geliebten (m, w, d) ist, dass man es, sollte sich dieser Mensch doch für einen entscheiden, mit einem Lügner und Betrüger zu tun hat. Das hat er bei seiner Partnerin bewiesen, also muss man als Nachfolgerin genauso mit diesem Verhalten weiterhin rechnen. So, wie du etwas bekommst, so wirst du es in der Regel auch verlieren.
Ich glaube, ein Grund, weshalb hier betrogene EFs und Teil des Betrugssystems seiende AFs sich oft auf so unschöne, ja wirklich hässliche Art und Weise bekriegen, ist, dass sie völlig aneinander vorbeireden und den Anspruch an eine alleinige Definition von Liebe und eine daraus resultierende Beziehung haben.
Aber alle liegen hier falsch!
Nicht ohne Grund unterschieden die alten Griechen zwischen 4 Formen der Liebe:
Storge, die Zuneigung.
Eros, die leidenschaftliche Liebe.
Philia, die freundschaftliche Liebe und schließlich
Agape, die göttlich- spirituelle Liebe.
Der amerikanische Psychologe Robert Sternberg formulierte 1984 die Dreieckstheorie der Liebe und definierte durch sie 8 Varianten.
Sie setzt sich zusammen aus den 3 Komponenten Intimität/ Vertrautheit, Bindung und Leidenschaft.
Idealerweise setzt sich eine funktionierende Beziehung aus allen Ebenen etwa gleich stark zusammen ( also als gleichschenkliges Dreieck).
Eine lange Ehe verliert natürlich im Laufe der Zeit die (motivationale, also hinstrebende) Ebene der Leidenschaft. Dafür werden die (kognitive) Ebene der Bindung (also z.B. Gemeinsamer Besitz, aber auch Kinder, Freunde, Verwandte) und oft auch die (emotionale) Komponente der Intimität ( auch hier : die gemeinsamen Kinder, die man großzieht, Erinnerungen, Erlebnisse, miteinander reden usw.) gestärkt.
In einer Affäre ist - ganz klar- die Ebene der Leidenschaft besonders stark, eine körperliche Sehnsucht, ein Verschmelzen, und auch hier kann dadurch- durch das Geheimnis, das man miteinander teilt, durch den Zustand der *Partner in Crime* ein Zustand der Vertrautheit entstehen. Dieser, gemischt mit der Leidenschaft, führt oft zu dem Gefühl der in Affären viel beschworenen *Seelenverwandtschaft*.
Es sind also in ihren Bedingungsgefügen unterschiedlich erlebte Varianten der Liebe.
Deshalb fällt es einem Affärenführer oft schwer, sich von einer Geliebten zu trennen, da sie einen Teil der erst dann als vollkommen empfundenen Liebe ( in ihrer Dreieinigkeit) stärkt.
Auf der anderen Seite sind aber die als ebenso wichtig angesehenen Ebenen. Die Bindung. Die Intimität, die erst durch gemeinsam erlebte Zeit entsteht. Und auch die empfindet der Affärenführer als unersetzbar.
Also:
Es gibt in diesen Konstellationen nicht den oder die alleinige Böse.
Es gibt Sehnsüchte, die von Individuen ausgelebt werden wollen.
Bedürfnisse. Und Zweifel, Ängste, Trauer.
Wir sind uns selten ein guter Ratgeber, wenn wir unsere Emotionen hochkochen lassen.
Genauso wenig, wenn wir uns von diesen abspalten und von der rein rationalen Ebene be- oder abwerten.
Dieser Thread zeigt, wie schwer es vielen Menschen fällt, ihre Perspektive zu wechseln oder, wie die Indianer sagen:
Urteile erst über mich, wenn du 3 Meilen in meinen Mokassins gelaufen bist.
Dir, liebe TE, wünsche ich, dass dir diese Lektion, die du dir selbst erteilt hast, eine für dein Leben ist. Nimm sie liebevoll an und erkenne dein Bedürfnis dahinter.
Grüße von Phönixe