Zitat von Multiversum: Ich weiß, was Du meinst. Aber eigentlich ist eine WG gar nicht so schlecht in einer Zeit, wo sich vermehrt Leute nicht (mehr) festlegen oder fest binden wollen. Die Folge ist.: Man ist über kurz oder lang allein, falls nicht doch noch irgendwo Mr. Right hinterm Busch hervorspringt. In der WG kann man sich gegenseitig unterstützen, was zusammen unternehmen, gemeinsam essen. Das ist gar nicht so verkehrt.
Für eine Beziehung wäre mir das nichts, aber ich denke, eh man in Einsamkeit versinkt, ist es schon in Ordnung. Die Mieten in Berlin werden künftig noch schlimmer. Als nächstes muss man wohl mit zig Menschen in einen Stall ziehen. Sollte man dann den richtigen finden, kann man sich ja dann immer noch eine gemeinsame Wohnung suchen.
Zitat von Multiversum: Du liest Dich an manchen Stellen emotional kühl und irgendwie verhärtet, als hättest Du Dich hinter einer hohen Mauer zurückgezogen, an der andere Menschen (emotional) abprallen.
Ja, kühl gewiss. Aber ehrlich gesagt, wenn ich das so lese, erinnert es doch sehr an mich. Und diese Phasen habe ich auch. Das ist nicht Verhärtung, sondern eher eine depressive Ausdrucksweise.
Zitat von Berlinerin91: Ich habe deinen Thread überflogen und kann mich zum großen Teil mit deinen Äußerungen identifizieren. Ich wünsche mir auch einen Partner und am liebsten irgendwann ein Kind - in manchen Kiezen Berlins (auch in meinem) ist man mit dieser Kleinfamilienkonstellation permanent konfrontiert; ich kann nicht leugnen, dass mich das manchmal ziemlich nervt. Berlin ist aber auch eine Stadt, in der viele Menschen leben, die hier nicht dauerhaft bleiben wollen und deswegen so einen hedonistischen Partylifestyle mit möglichst wenig Verbindlichkeit pflegen. Ehrlich gesagt f*cken mich diese offenen Beziehungen auch ein bisschen ab, vor allem, wenn Leute explizit nach einer neuen Person, zB auf Plattformen, suchen. Das hat meiner Ansicht nach überhaupt nichts mit Reflexion, sondern Ego zu tun. Aber das ist ein anderes Thema.
Ja, dieser neumodische Lifestyle ist auch nichts für mich. Und dieses ganze "Optionen ausschöpfen müssen" und möglichst begehrt sein, was einem von überall eingeredet wird, richtet viel Schaden an. Das macht selbst mir Druck und ich bin eigentlich nicht so leicht beeinflussbar, denke ich. Ich bin ehrlich gesagt froh, dann Menschen in meinem Alter zu lesen, die da bodenständiger sein möchten. Über das Konzept der offenen Beziehung habe ich auch schon nachgedacht früher. Wenn man aber jemanden sehr gern hat, will man nicht teilen. Das geht gar nicht. Von daher sehe ich diese Menschen als bindungsgestört bis krank an, die das offen leben können. Sollen sie es machen, aber für mich wäre es nichts. Ich möchte Sicherheit und Vertrauen und mich auf einen anderen Menschen einlassen und verlassen können.
Dieses Partner nicht finden können, kommt mir auch bekannt vor. Was mich bei euch beiden (also TE und Berlinerin), dass ihr im Gegensatz zu mir haufenweise soziale Kontakte habt. Wobei die TE ja sogar F+ führt. Also an Attraktivität liegt es vermutlich nicht. Vielleicht ist es doch der Anspruch. Wenn cassandraa Wissenschaftlerin ist, kann das durchaus sein, dass es am Anspruch beim Austausch/Konversationen liegt. Das ist für viele schnell ermüdend und anstrengend, wenn man keinen Bezug zu sowas hat. Gerade wenn es dabei noch um Politik geht. Manche fühlen sich da eventuell gar nicht gewachsen, weil sie nicht so informiert sind. Wer weiß.