Zitat von Birkai: Selbst wenn ich nichts sage, mache ich was falsch. Es zeigt mMn seine Unsicherheit in Beziehung auf die Kindererziehung.
Ich breche mir hier eine ab, damit es irgendwie funktioniert bis zum Auszug und er steigert sich dann in solche Sachen rein. Er unterstellt mir auch immer wieder, dass ich ihm das nicht zutraue. Das ist aber totaler Blödsinn sonst hätte ich ja nicht von Anfang an das Wechselmodell ins Gespräch gebracht.
Das finde ich gerade echt schwierig im Umgang. Es ist wie laufen auf rohen Eiern und kostet gerade so viel Energie.
Das glaube ich Dir. Das Anmotzen und Vorwüfe gegenüber den Exfrauen scheint wohl zum Standardrepertoire von getrennten Männern zu gehören. Ich staune auch immer wieder, wie es so was gibt und wie sich die Sichtweise auf den anderen verändert.
Ich mutmaße und glaube, dass er ja natürlich weiß, dass er die Familie aufgekündigt hat und für einige Menschen völlig andere Lebenssituationen hergestellt hat. Diejenigen, die der Entwicklung machtlos gegenüber stehen und sie akzeptieren und verarbeiten müssen, müssen dann oft genug noch als eine Art Sündenbock für negative Persönlichkeitsanteile herhalten. Damit setzt der Verlasser dann nochmals eins drauf und geht völlig schonungslos vor.
Seine Intention, ich will es nicht spüren, was manchmal in mir aufkeimt, ich will es beiseite schieben. Alles was man krampfhaft beiseite schiebt, kommt aber wieder hoch. Und da greift die Person zu einem Trick. Der Expartner wird zum Adressaten, was bei ihm nicht gut läuft. Es ist nichts weiter als die gute, alte und bewährte Methode der Schuldumkehr. Auf einmal macht der Expartner alles falsch, obwohl man anfangs ja noch so großmütig tat. Er verhält sich nicht richtig, geht nicht richtig mit den Kindern um (er aber schon) und es wird so allmählich eine Hassfigur aufgebaut, auf die man die Anteile projetziert, die man selbst nicht sehen will.
Dieser Mechanismus hilft ihm ungemein, die Trennung vor sich selbst zu rechtfertigen. Sie war ja schon immer so, sie hat mich ja nie verstanden, sie hat mich nur ausgenützt, ich war ihr egal, also musste ich ja gehen, denn ich habe auch nur ein Leben und das soll gefälligst jetzt angenehm verlaufen, nach allem, was ICH durchgemacht habe. Und das wiederum stärkt die neue Beziehung, denn nichts verbindet zwei Menschen mehr als gemeinsame Feindbilder.
Es ist erbärmlich, aber viele Männer in Trennungssituationen scheinen sich gleich zu verhalten. Sie sehen es als großartige "Leistung" an, sich getrennt zu haben trotz aller Verantwortlichkeiten. Und nein, er hat es sicher nicht leichfertig getan und es sich leicht gemacht. Aber es musste sein, denn er ist auch ein Mann der Tat und der muss für das einstehen, was ihm wirklich am Herzen liegt. Und das sind nicht die Kinder, denn die werden sich schon arrangieren und erst Recht nicht die Exfrau, diese "Hexe", die ihm immer noch nach Kräften das Leben schwer macht.
Völlig verquere Realitätswahrnehmung, aber dagegen gibt es kein Mittel. Es hilft ihm und damit ist es gut und in Ordnung. Das ganze ist dann noch gepaart mit mangelnder Empathie. Das Schöne, Gute ist für die Neue und für die "alte" bleibt der Dreck.
Es hilft nur, das gelassen hinzunehmen und wenn möglich, in sich hinein zu lächeln, wie der kleine Bub sich abstrampelt, dass seine Welt wieder passt.
Und ich glaube auch, je mehr der Verlasser sieht und fühlt, dass der Verlassende wieder zu leben beginnt und das Kleinmütige, Jämmerliche abgelegt hat, desto ärgerlicher und wütender wird, weil es dem Expartner nicht gut gehen soll. Es geht mit einem Macht- und Kontrollverlust einher. Der Verlassene war bisher vielleicht jämmerlich, klagend und hatte sich aufgegeben. So traurig das ist, aber es bedeutet für ihn auch einen Verlust von Macht und Kontrolle. Ein weinerlicher, deprimierter Mensch ist nicht handlungsfähig.
Jetzt beginnt das ehemalige Opfer wieder zu leben, es stellt Forderungen auf, es beweist Mut und Tatkraft und das verunsichert ihn, den Großartigen, der so viel ertragen hat. Was bleibt, ist dann Aggression, denn damit verliert er mehr und mehr die Kontrolle.
So in etwa kann ich mir erklären, warum der Expartner als Feindbild wahrgenommen wird. Er ist nichts weiter als der Adressat für seine Aggressionen, seine innere Wut, seinen Ärger. Denn die positiven Gefühle sind nur für Nextie, denn die hat es verdient, dieser Engel, der ihm endlich wieder zeigt, wie leben geht.
Diese Fröhlichkeit, dieses Glück, nie hätte er gedacht, dass er das nochmals erleben würde. Aber Nextie, der goldene Engel macht es möglich. Ja, er hatte Recht zu gehen, es war die einzig richtige und schon lange überfällige Entscheidung.