@LaLeLu35
Zitat:Denn ob Männlein oder Weiblein.. ganz egal. Fallbeispiel: Verliebt. Verlobt. Verheratet. Meist entwickelt sich Gewalt in Beziehungen ganz schleichend. Klar, kein Gewalttäter wird erst in der Beziehung einer. Es ist seine Persönlichkeitsstruktur (ob nun krankhaft verändert oder nicht) und die war schon vorher so und wird es auch danach sein. Heißt also: Er hat es vorher schon getan und ohne Therapie wird er es danach auch tun und er weiß genau, was er tut. Das Opfer (ich nenne es jetzt hier einfach mal so) merkt meist erst gar nicht, was da überhaupt los ist.. Erst, wenn es schon viel zu tief drin hängt, um sich einfach zu befreien, kommt langsam die Erkenntnis, das etwas nicht stimmt. Die kognitive Dissonanz zwischen dem, was man denkt, wie der Partner ist, was er einem ja auch lange vermittelt hat zu sein und was für Absichten er hat (gute) und dem, was er wriklich ist, tut, ist einfach zu groß, als dass der Verstand es einfach so begreifen kann. Die meisten Opfer zweifeln erstmal an sich selbst. Ihrer Bewertung der Lage, ihren Empfindungen, Ansprüchen. Der Täter destabilisiert das Opfer immer mehr durch gezielte Taktiken. Der Selbstwert nimmt immer mehr ab. Es passiert doch ganz leicht, immer mehr und wenn jemand immer durch lügen hinter guten Absichten sich versteckt, gezielte Manipulaltionen einsetzt etc.
du unterstellst hiermit implizit einfach, dass es einen Konsens über derartige psychologische Mechanismen gäbe. Gibt es aber nicht. Diese Dynamiken, die Du hier beschreibst, sind zur Zeit im Forum und meistens auf Opferseite en vogue, aber eben nicht wissenschaftliche Tatsache und es gibt viele Psychologen, die diese psychologischen Mechanismen anders deuten würden, z.B. durchaus mehr Verantwortung (nicht Schuld) beim Opfer sehen (beziehe mich auf Dein geschildertes Bsp. Ist keine grundsätzliche Meinung von mir persönlich).
Übrigens steckt hier nicht meine persönliche Meinung drin, nur würde so ein Gesetz ja automatisch
diese von Dir beschriebenen psychologischen implizieren und das ist eine verdammt schlechte Basis für ein Gesetz. Viel zu komplex, viel zu unerfassbar. Wer will behaupten oder belegen, dass ein Mensch wirklich keine Verantwortung in derartigen Psychodynamiken trägt und so ohnmächtig ist, wie Du es hier beschreibst?
Es bräuchte für so ein Gesetz also einen Konsens über die psychologischen Mechanismen.
Deine Deutung der Mechanismen interpretiert keine Verantwortung des Opfers hinein.
Wie dem ist, darüber habe ich keine feststehende Meinung, aber ich meine, dass man ein Gesetz eben nicht auf Grundlage solcher einseitiger Deutungen ins Leben rufen darf. Denn es ist durchaus möglich, dass ein Opfer trotz aller Qualen (unbewusst) reinszeniert und sich nichtmal aus seiner Lage befreien würde, wenn schon klar ist, was der Täter wirklich tut. Diese Fälle gibt es ja auch zu Hauf und das kann man ja nicht einfach ignorieren. Es gibt auch Opfer, die gewarnt wurden uvm.
Soll man dann immer automatisch die Verantwortung dafür, dass das Opfer keine Konsequenzen zog, dem Täter zuschieben? Das halte ich für falsch. Denn das schließt jede Eigenverantwortung aus.
Und es gibt zuhauf Menschen, die in eine destruktive Beziehung nach der anderen wandern, sich auch körperlich wieder und wieder schlagen lassen.
Was nun, wenn ein Mensch 1. durch seine schlimme Kindheit, 2. durch seine vorigen 4 Beziehungen schon völlig am Ende ist und dann beim 5. schwer destruktiven Narz zusammen bricht und in die Psychiatrie kommt?
Muss dann Täter Nr. 5 automatisch die Verantwortung dafür übernehmen?
Es ist durchaus möglich, dass obige Reaktionen des Opfers (z.B. kognitive Disonanz), die Du beschreibst, nicht durch die Manipulation des Täters hervor gerufen sind, sondern Folge einer schlimmen Kindheit.
Und so übel es ist, was so ein Täter da tut, es ist dann einfach nicht rechtens, dem Täter unhinterfragt und per Gesetz die Verantwortung für das Verhalten des Opfers zuzuschieben.
Und -ich schrieb es anfangs schon einmal- die Komplexität nähme kein Ende und es könnte enorm viel Unrecht durch so ein Gesetz gestiftet werden, denn nehmen wir mal an, ein psychisch "gesunder" Mensch würde auf obige Situation ganz anders reagieren, als ein Mensch, der schon in der Kindheit gleiches erlebte , wäre z.b entgegen Deiner
Theorie doch durchaus imstande, rechtzeitig die Beziehung zu beenden. Dann müsste man sich fragen, ob die Traumatisierungen eines Menschen, der es eben nicht schafft, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, nicht vielleicht auch Retraumatisierungen sind und im Grunde bsw. seine Eltern angezeigt oder mitangezeigt werden müssten.