Vya
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ich habe jetzt eine Woche still mitgelesen, und das was ich hier lese, berührt mich, hilft mir, macht mich aber auch traurig.
Ich würde euch gerne meine Geschichte erzählen, mit euch drüber reden, was da los war und wie man am besten mit sowas umgeht.
Ich komme gerade frisch getrennt aus einer Affäre mit einem verheirateten Mann. Nach fast 2 Jahren, hab ich am 18.01. Schluss gemacht und ich hoffe inständig, dass ich es durchhalte, mich nicht melde oder sonst einen Blödsinn anstelle (also z.B. ihn bitten es doch weiter gehen zu lassen o.ä.), bei dem ich nur endgültig meine Würde in die Tonne treten kann.
Als es losging, berichtete er mir, er führe eine offene Ehe. Ich hatte bis dato, und auch die ersten Monate in der Beziehung, keinen blassen Schimmer, was auf mich zukommt. Ich hatte keine Erfahrung mit sowas, und sowieso wenig Erfahrungen mit Männern. Ich, seit einigen Monaten auf der Suche nach mir und dem was ich vom Leben will, gut für mich ist (nach einer emotional schwierigen Zeit für mich, schwierige Trennung nach sehr langer Beziehung, etc.), fühlte mich verstanden, angenommen, wahrgenommen und geborgen. Er ist 14 Jahre älter als ich und mich beeindruckte seine Lebenserfahrung, seine Männlichkeit, die er ausstrahlt, seine Art mit mir umzugeben und seine lockere Art. Er sprach meinen Intellekt an, meinen Humor und begehrte mich. So fing es an mit uns beiden, alles war für mich anders als bisher. Niemals wäre ich vorher bspw. beim ersten Treffen mit einem Typen ins Bett gegangen, geschweige denn ihn zu mir nach Hause einzuladen. Doch, wie gesagt, hier war nun alles anders und es fühlte sich richtig an. Von Anfang an war da so eine unglaubliche Energie zwischen uns beiden. So kam es, dass wir uns beide verliebten. Das führte natürlich schon nach einiger Zeit zu den ersten Schwierigkeiten. In dieser Zeit kam ich auch dahinter, dass eben nicht "alles abgestimmt ist zu Hause", sondern dass mein AM fremdgeht. Er war hier bei mir als er aufflog. Es gab einen Anruf nach Hause, ich hab es mit bekommen. Lauschen ist ätzend, aber ich konnte nicht anders. Ich hätte damals bereits gehen sollen, bzw. ihn rausschmeißen sollen. Das habe ich aber nicht geschafft, im Gegenteil, ich habe mir brav erklären lassen, was ihn dazu bewegt "in andere Leben einzutauchen" und wie die Ehe anscheinend funktioniert. Die EF ist wiederum 8 Jahre älter als er und es scheint ihr wichtiger zu sein sich um ihr Haus und ihren Garten als um ihren Gatten zu kümmern. Nun ja, ich hatte immer Zweifel und trotzdem hab ich das so hingenommen, den Kampf mit meinem schlechten Gewissen irgendwo mit mir alleine ausgemacht. Das wurde auch irgendwann besser, denn ich war eigentlich immer der Meinung, sie weiß was er tut, aber solange er immer wieder nach Hause kommt, ist alles gut und ihre Welt kann erhalten bleiben. Ich denke sie kennt ihren Mann. Die Frau ist ja nicht doof. Was ich nie wollte, auch nie verlangt hätte, ist, dass er sich trennt mit allem drum und dran. Was ich mir gewünscht hätte, ist, unsere kleine Fernbeziehung (152 km Distanz) einfach zu leben. Ich selbst wollte keine Anstrengungen von ihm erleben, dass er die Stadt wechselt und auch ich wollte meine nicht verlassen. Ich hab doch hier mein ganzes Umfeld, unter anderem mein Ex, der mir nach wie vor äußerst wichtig ist, meine Vertrauensperson, meine Familie sozusagen. Er, der AM, hatte immer wieder Pläne geschmiedet sich eine extra Wohnung zu suchen, da es anscheinend zu Hause nicht möglich sei in Ruhe zu arbeiten oder sich zurückzuziehen. Manchmal hat er mir erklärt, er trennt sich und hat mir immer wieder Hoffnungen gemacht. So hatte ich den Wunsch und träumte davon, wir könnten uns auf einem Niveau begegnen, das einen gewissen Beziehungsalltag ermöglicht mit gemeinsamem Einschlafen und Aufwachen. Mir hat es immer zu schaffen gemacht, dass wir uns nur etwa alle 14 Tage sehen konnten, manchmal waren wir in fremden Städten oder ich bin mitgereist wenn er geschäftlich unterwegs war. Er hat dann schließlich auch eine Wohnung angemietet, sie dann aber wieder gekündigt und ist nie dort hingezogen. Die Gründe, weshalb er das Ganze abblies, erschienen mir fadenscheinig und nebulös. Das war Ende letzten Jahres und mir hat das eine weitere tiefe Verletzung zugefügt. Von seiner EF hat er sich natürlich auch nicht getrennt.
Ansonsten, in den Zeiten, in denen wir uns nicht sehen konnten, wäre es ihm am liebsten gewesen den Kontakt zu mir weitestgehend einzustellen. Das ging für mich aber überhaupt nicht. Und darüber gab es auch immer wieder Konflikte, immer wieder hab ich gezweifelt und gehadert, gelitten hab ich sowieso. Was ist das für eine Beziehung in der man alles heimlich machen muss, man seinen Freund nicht einfach so anrufen kann, weil es einem danach ist ihn zu hören. Für "normale" Paare eine Selbstverständlichkeit. Ich kenne seinen Lebensraum nicht, seine Freunde nicht. Nur seinen Koffer und Kulturbeutel. Während er eigentlich alles von mir kennt, meine Wohnung, meine Freunde hat er auch gesehen. Familie gibts bei mir keine mehr. Er steuerte die Beziehung und auch darüber gab es immer wieder Unstimmigkeiten. Ich hab ihn oft genug als egoistisch und ignorant erlebt, wobei er das natürlich ganz anders sieht. Trotzdem habe ich immer versucht damit klarzukommen, dass er eher der unabhängige Mensch zu sein schien, der seine Freiheiten braucht. Also hab ich weiter gehofft, gezweifelt, gehadert, gelitten. Seine Unverbindlichkeit war immer wieder Stress für mich.
Aber wenn wir zusammen waren, war alles anders. Dann war da einfach nur alles wunderschön und voller Liebe. Wenn wir uns unter besseren Umständen begegnet wären, wäre er der richtige Mensch für mich. Alles passt, Humor, Interessen, S.x, usw. Jedenfalls wollte ich das so sehen.
Immer wieder fing er an am Rädchen zu drehen, er schafft das nicht mehr, usw. Um so intensiver war es dann jeweils hinterher. Immer wieder habe auch ich kundgetan, womit ich nicht klar komme. Trotzdem kam ich nicht los von ihm. Auch er leidet, kommt mit "seinen beiden Rollen" nicht mehr klar und hätte den Kontakt zu mir am liebsten noch weiter reduziert um das besser zu handeln.
Nun ist es zu Ende, wir haben beide geweint und es war furchtbar. Streit gab es nicht. Ich hab ihm noch gesagt, dass ich es beenden will bevor es hässlich wird. Das hat diese Liebe nicht verdient. Zudem habe ich ihn gebeten, mir meine Zeit zu geben und angemessen trauern zu können und dass ich dazu Abstand von ihm brauche. Also kein Kontakt. Bis jetzt hab ich durchgehalten und ich weiß, es ist unabdingbar, das auch so weiter zu machen.
Ich frage mich warum ich dumme Nuss sowas über fast 2 Jahre mitgemacht habe? Der Mann hat mich so durcheinander gebracht, dass ich nicht in der Lage war mich zu trennen. Wider besseren Wissens habe ich zugelassen, dass das immer weitergeht. Jetzt fängt dieses komische Kopfkino an. Ich fange an ihm gedanklich Dinge zu unterstellen, für die er mir (offensichtlich) keinen Grund gegeben hat und außerdem, es ist vorbei, ich muss mich damit doch jetzt nicht noch mehr runterziehen. Ich habe ihn immer als wertvollen Menschen betrachtet, der mir auch, im Rahmen seiner Möglichkeiten immer ein wichtiger Freund und Vertrauter war. Das bröckelt gerade und ich erlebe wie meine positive Einstellung ihm gegenüber vergiftet wird durch die Verzweiflung, ja auch die Hilflosigkeit, dass diese Bindung immer unter einem schlechten Stern stand und zum Scheitern verurteilt war. Denn auch wenn er nicht gebunden wäre, es gäbe immer noch Problem mit unserem unterschiedlichen Nähe- und Distanzgefühl. Ich habe die knapp zwei Jahre lang gegen meine inneren Bedürfnisse gehandelt, nur damit er sich von mir nicht eingeengt oder bedrängt fühlt. Ich bin bestimmt kein Klammeraffe, aber ein gewisses Bedürfnis nach Nähe und Kommunikation, auch und gerade dann, wenn man sich länger nicht sehen kann, hab ich halt nun mal. Vieles war auch seltsam, wenn ich ihm sagte, er fehlt mir, dann fühlte er sich von mir unter Druck gesetzt. Das habe ich nie verstanden, ich finde es ziemlich normal, wenn man sich länger nicht gesehen hat, dem anderen zu sagen: ich vermisse dich. Das ist ein Ausdruck für den Wunsch beim anderen zu sein, und dass man sich freut wenn man sich wieder sieht. Dass ich das jemals erklären muss hätte ich niemals gedacht. Er aber fühlte sich davon bedrängt, verknüpft mit "Zwang" sofort zu mir zu fahren (also, dass ich das mit dieser Aussage von ihm verlange, dass er sofort kommen "muss") oder aber direkt alles hinzuschmeißen, also sich (von mir oder der Situation) zu "befreien". Mich hat seine Abwehrhaltung und seine giftige Art in diesen Momenten so geschockt, dass ich mir das im weiteren Verlauf verkniffen habe um nicht wieder erleben zu müssen wie er das ganz große Fass öffnet.
Sehe ich ihn jetzt nur mit anderen Augen, bröckelt die Fassade oder was läuft da? Hab ich mich selbst betrogen und jemanden gesehen, der eigentlich ein anderer war/ist? Das zermürbt. Ich bin mir gerade auch nicht sicher ob ich es wirklich noch will, dass wir, wenn ich bereit dazu bin wieder Kontakt haben werden, als Freunde. Ich hab große Zweifel inzwischen ob er mir nicht doch ganz viel vorgespielt hat. Das schmerzt sehr. War das alles Show? Wie konnte ich mich, obschon ich doch so feine Antennen habe, so täuschen? War vieles echt und manches gelogen? Ich kann es nicht mehr einordnen.
Jetzt stehe ich da, bin völlig am Ende mit meinen Kräften, werde von gegensätzlichen Gefühlen hin- und hergerissen, kämpfe um meine Würde und versuche nicht zu zerbrechen. Denn trotz aller Erkenntnis, er fehlt mir ganz furchtbar. Ich vermisse ihn sehr und am liebsten würde ich mich einfach wieder in seine Arme kuscheln. Ich fühl mich einfach elend.
Ihr habt nun einen ganzen Roman zu lesen bekommen. Entschuldigt bitte. Ich weiß nur nicht wie ich mich hätte kürzer fassen können. Vielen Dank, dass ihr das lest.