Zitat von Brightness2: kann es sein, dass du seit einigen Jahren ein Leben lebst, dass nicht deins ist? Du beschreibst sehr ausführlich ein für euch tolles Yuppie-Leben, Reisen, Freunde, gemeinsame Jobaktivitäten, eigentlich perfekt abgestimmtes, unkonventionelles, aufregendes Leben. Für euch beide toll.
Fast als Randnotiz zum Schluss berichtest du von Themen, die die Beziehung schon lange belastet haben müssen. Bereits vor der Hochzeit deine sexuelle Unlust. Seine Trauer darüber. Deine sich entwickelnde Angst vor Menschen. Von gemeinsamer Aufarbeitung der Themen, langen Gesprächen, um Lösung ringende Therapien lese ich nichts. Vielleicht fehlt der Part nur. Aufgefallen ist es mir. Auf mich wirkt es, als sei die Erwartung deines Partners an die Hochzeit eine völlig andere gewesen als deine. Was habt ihr im Vorfeld vereinbart? Er hat wohl geglaubt, sein geliebtes, aufregendes Leben mit der super Frau an seiner Seite fortsetzen zu können, du hast mit dem Nestbau angefangen und dich mit Hund selbst angekettet, so dass alles, was vorher zu zweit möglich war, plötzlich nicht mehr ging. Von 100 auf null. Wenn das im Vorfeld nicht kommuniziert war zwischen euch, auch wie ihr beide als Paar damit umgeht, dann stelle ich mir das tatsächlich sehr schwer vor.
Entschuldigung, aber wir hatten kein Yuppie Leben, wir sind sehr alternativ und achtsam unterwegs gewesen und schwimmen auch nicht im Geld, das möchte ich kurz klarstellen. Und ja, ich hätte mich schon viel eher um meine Probleme, die sexuelle Unlust und diverse Dinge, u.a. meine Eltern betreffend, die mich schon mein Leben lang begleiten, kümmern sollen, dieses Versäumnisses bin ich mir durchaus bewusst. Ich musste wohl nun gefühlt alles verlieren, so dass mir keine andere Möglichkeit mehr bleibt, als mich in professionelle Hände zu begeben. Es fühlte sich eben alles trotzdem noch leicht und zu wuppen an, während ich ihn an meiner Seite wusste und mich noch geliebt fühlte.
Ich war schon immer "ruhiger" als er, von Beziehungsanfang an - er hat nicht die Katze im Sack gekauft, das hat er auch selbst so gesagt. Aber er habe - ungefähres Zitat - "Nun gemerkt, dass ihm Dinge wie auch WEITE Reisen, Festivals, usw. doch wichtiger sind als er dachte und er wohl die Jahre nicht genug in sich reingehorcht hätte, weil er dachte, dass unsere Liebe wichtiger ist oder reicht. Er hat sich geirrt." Als ob ich der totale Stubenhocker gewesen wäre oder nun werden wollte, dem war nicht so.
Dass ich quasi seit Hund gar nicht mehr rauskam, hat mich doch selbst auch total belastet, aber das ist halt ein Prozess und ich war, bzw. bin ja mitten drin, dass zu ändern (2 Nachbarn, die den Hund auch mal nehmen würden, das alleine bleiben zuhause weiter trainieren, usw. Dass das nicht von heute auf morgen mit einem Lebewesen, welches leider große Probleme damit hat, sich auch nur im Ansatz zu entspannen, möglich ist, ist doch klar, aber die Geduld dafür hat er wohl nicht gehabt, geschweige denn mit dran gearbeitet oder vielleicht EINMAL den Hund zu sich genommen, damit ich wenigstens mal an irgendwem Tresen sitzen kann mit ner Freundin. Er war ja kaum da seit Juni, die wenige Zweisamkeit hier bei mir zuhause verlief ungefähr so, wie er sich im Ferienhaus-Urlaub verhalten hat. Kochen, essen, irgendwas glotzen, einpennen bevor ich überhaupt ein wirkliches Gespräch beginnen konnte. Und ich habe ihm eben nie gesagt oder befohlen, doch bitte mal kürzer zu treten, weil ich ihm seine Freiheit und das, was ihm ja so Spaß macht, nicht auch noch nehmen wollte - es reicht ja, wenn einer zuhause hockt, so dachte ich mir das. War ein Fehler, ich weiß.