Zitat von Rätin: Ich sehe aber auch Dein Schlupfloch: Und das heißt, alles auf Neu, das kann klappen, weil er ja schon morgen ganz anders handeln könnte und zum treuen Ehemann mutieren.
Es geht mir nicht um ein Schlupfloch. Und ich sage auch nicht reset und morgen ist er ein treuer Ehemann.
Was ich sagen will ist: Hey er ist in der Vergangenheit immer noch einer der Mist gebaut hat. Vielleicht will er besser leben. Vielleicht legt er manches Verhalten nicht ab. Vielleicht komplett. Sicher aber nicht von heute auf morgen. Wenn dann ist es ein langer kontinuierlicher Prozess der von seinem inneren kommen muss. Aber die Tatsache dass Menschen sich verändern können oder falsche Verhaltensmuster auflösen oder verbessern können zu negieren entspricht nicht meiner Weltanschauung und widerspricht jedem Ansatz von Psychotherapie oder Verhaltenstherapie.
Zitat von Rätin: Ich frage jetzt mal einen gesunden Menschen, nämlich Dich: Wie lange hättest Du diese Situation an seiner Stelle ausgehalten? Ab wann hättest Du solche Gewissensbisse bekommen, dass Du selbst aktiv geworden wärest und die Situation verändert hättest? Wie lange hättest Du in den Spiegel gucken können?
Nun ja, da fragst du aber auch eine mit strengen Vorstellungen von Wert und Moral an sich selbst. Mit hohen Maßstäben. Die setzt ja jeder unterschiedlich hoch an.
Ich bin eine Person die nicht gut lügen kann. Erstens kann ich es nicht weil man es merkt wenn man mich kennt und zweitens würde ich an schlechtem Gewissen eingehen. Das liegt in meinem Wesen begründet.
Aber ich bin hier auch nicht der Maßstab der Welt. "nur" meiner persönlichen Welt.
Was ich sagen will: nicht jeder muss es so sehen wie ich. Vielleicht gibt es Menschen die sind viel lockerer oder viel strenger.
Ich hätte es ehrlich gesagt nicht gekonnt. Mich hätte es gequält.
(aber das ist ja wie gesagt sehr subjektiv. Ich könnte auch sagen: ich könnte nicht so arbeiten wie er denn dann hätte ich nach 7 Tagen nen Burnout- ist kein Vergleich nur ein Beispiel)
Und es sagt auch keiner dass ihn das vielleicht nicht gequält hat oder er kein schlechtes Gewissen hatte.
Denn er sagt ja: Er ist so froh damit aufzuhören und er hat sich total verrannt und verstrickt und hat weder ein noch ausgesehen und es ist immer schlimmer geworden.
Ich will ihn nicht verteidigen-echt nicht- Dafür gibt es keine Verteidigung.
Aber einfach davon auszugehen er hatte keins ist unsere Annahme. Die auch schlüssig ist denn -sonst hätte er es ja nicht weiterlaufen lassen-.
Aber nehmen wir es wie es ist: Eine einseitige Betrachtung. Leicht vorverurteilend. Das ist aus unserer Position klar leicht. Denn auf seiner Seite war der Fehler.
FAkt ist aber auch: Nur er kennt die genauen Beweggründe für diesen Fehler. OB es nun fehlendes schlechtes Gewissen und kein Leidensdruck war oder nicht.
Ich hoffe du kannst die Logik nachvollziehen nicht dass das als "Verteidigung" falsch verstanden wird.
Zitat von Rätin: Das Gewissen, das Dich wahrscheinlich so etwa ab der 2. Nacht im fremden Bett regelrecht gequält hätte, das fehlt ihm.
Und Gewissen kann man auch nicht über Nacht mal so eben lernen.
Wie gesagt. Das ist unsere durchaus schlüssige Annahme.
Menschen sind (leider) auch Gewohnheitstiere. Man lügt einmal. Hat ein schlechtes Gewissen. Dann lügt man wieder. Immernoch schlechtes Gewissen. Beim dritten mal wird es vielleicht schon weniger. Und irgendwann ist es ganz weg.
Wenn keine negativen Konsequenzen folgen ist das dann Konditionierung.
Das ist furchtbar, ja. Aber so funktioniert Gewöhnung.
Und umso mehr Menschen an falsches Verhalten gewöhnt sind, umso schwerer ist es für sie zu erkennen dass es falsch ist und da rauszukommen. Das bekommt man über Nacht nicht raus, nein. Das Gehirn lernt wenn man damit durchkommt dieses falsche Verhalten zb als Lösung für Konflikte. Es ist dann "falschprogrammiert".
Das ist natürlich keine Rechtfertigung-eh klar. Denn das Verhalten ist ja trotzdem falsch.
Und jemand wie ich würde sich hinstellen und sagen: Leckomio das ist ja sowas von falsch wie kannst du das nicht erkennen und machen?
Alles was ich sage ist: Der Mensch ist komplex. Wir haben eine Annahme auf Grund unserer eigenen Einstellung und werte und weil du und ich nie so handeln würden.
Und diese Werte finde ich richtig.
Zitat von Rätin: Und deshalb glaube ich nicht an Deine Möglichkeit des Resets, die Du Dir schaffst, indem Du sie zumindest in den Raum stellst.
So einen von dir beschriebenen Reset stelle ich nicht in den Raum.
Zitat von Rätin: Du sagst damit, es könnte alles gut werden, und ich hätte mich ja dann auch nicht geirrt, wenn er nun alle meine Schutzvorrichtungen (die Bedingungen) akzeptiert und Gewissen lernt.
Auf keinen Fall. Also erst mal: Ich hätte mich ja trotzdem geirrt. Denn der Betrug lässt sich ja nicht wegdiskutieren. Ich habe mich so oder so in jedem Fall im letzten Jahr geirrt. Ich hätte mich trotzdem in gewissen Annahmen und Teilen von ihm geirrt.
Das stelle ich nicht in Frage. Aber das kann jedem passieren. Das ist menschlich. Und das kann man auch nicht ungeschehen machen.
Und ob er überhaupt was nachhaltig ändert steht ja auch in Frage. Ich sagte er könnte. Nicht er wird.
Und alles gut wird es deswegen ja auch automatisch nicht. Aber es wäre doch trotzdem gut ganz unabhängig von mir wenn er beschließt sich zu verändern und zu verbessern weil er es so will. und sein falsches verhalten zum richtigen verändert. Diese Möglichkeit ist ja theoretisch da und sollte von meiner Zukunft mit ihm getrennt betrachtet werden.
Verstehst du was ich meine?
Zitat von Rätin: Du und Dein Irrtum wären rehabilitiert. Wirklich verlockend. Aber meiner Meinung nach eben auch ein sehr gefährliches Schlupfloch. So richtig verinnerlicht hast Du den Irrtum noch nicht.. aber Du bist auf dem Weg und heute auch ein sehr gutes Stück voran gekommen. Es tut auch echt verdammt weh, sowas.
Keine Rehabilitation. Kein Schlupfloch.