Zitat von Kasy1979: Es ist so schmerzhaft, weil ich mich frage, wer ist dieser Mann? Wie konnte ich mich so in ihm täuschen? Wie kann er sich selbst so belügen? Wie passt dieser empfindsame weiche emotionale aufrichtig liebende Mann zu dem, der eine starre Maske trägt, eine Fassade aufrecht erhält, in eine Ehe zurückgeht, die lange keine mehr ist, weil er seine Familie vermisst? Wie kann eine Familie echt sein, wenn die tragende Säule, die Ehe nicht mehr besteht? Wie kann er sein Wohlbefinden seinen Kindern „opfern“ (bitte richtig verstehen), die beiden Kids statt sich in die Verantwortung für sein Leben nehmen?
Wer dieser Mann ist?
Einer, der gut darin ist, in Träumen zu leben, der aber nicht in der Lage ist, seinen Träumen von einem "besseren" Leben zu folgen.
Er hat zwei Seiten in sich. Die eine ist die Seite, die Liebe spüren will, die Wärme und Geborgenheit, Verständnis und Akzeptanz sucht und auch bei Dir fand. Die andere ist die kalte und abweisende Seite, die sich hinter einer Mauer versteckt und keinen ran lässt.
Du hast in der Affäre die erste Seite kennengelernt, denn einen Alltag hattet ihr nie zusammen. Aber Du hättest diese andere Seite selbstverständlich in einer Alltagsbeziehung erfahren. In Affären zeigt jeder Mensch nur seine Schokoladenseite. Diese andere Seite hat Dir Angst gemacht und sie hätte sich in einer Beziehung mit ihm womöglich noch verstärkt.
Ferner steht es Dir nicht zu, über seine Ehe und sein Familienleben zu urteilen. Das ist allein sein Terrain und Du kennst nur das, was er Dir erzählt hat, ohne jemals einen Blick dort hinein zu werfen.Er hat sich entschieden und offenbar war die Beziehung zu seiner Frau nicht völlig tot, denn sie wollen zumindest ausloten, ob hier wieder statt einem Nebeneinander ein Miteinander möglich ist. Auch dass er seine Frau als eine Megäre hinstellt, finde ich ihr gegenüber abwertend und unfair. Er nimmt die Benefits des Familien- und Ehelebens mit, profitiert auch davon, aber stellt sie Dir gegenüber als rasende Furie dar. Das ist unschön und unsolidarisch und kein feiner Zug, aber das ist Dir nicht aufgefallen, weil Du davon ja profitiert hast..
Dass Du das nicht so eingeordnet hast, liegt in der Natur der Sache. Denn je übler seine Ehe und das Verhalten seiner Frau ist, desto mehr steigt das Konto auf Deiner Seite. Jede Affärenfrau hört meist sehr begehrlich Worte über sein schreckliches Leben daheim, denn das erhöht ihren Wert. Aber ist es auch die Wahrheit? Und wie ist ein Mann einzuordnen, der schlecht über seine Frau spricht? Wahrscheinlich redet er jetzt schlecht über Dich. Aber das hast Du damals in Deiner Traumwelt nicht erkannt.
Die Ehe und Familie hat Priorität für ihn und ich finde es auch nicht richtig, ihm zu unterstellen, dass er auf sein Wohlbefinden den Kindern zuliebe verzichtet. Denn Du kannst nicht für ihn beurteilen, dass eine echte Beziehung mit Dir ihm letztendlich mehr Wohlbefinden gebracht hätte.
Er ist jedenfalls nicht in der Lage, Eurer Liebe zu folgen, denn das Altgewohnte ist ihm wichtiger. Und damit fühlt er sich vermutlich besser als wenn er sein System Dir zuliebe sprengen würde. Er opfert das, was er leichter opfern kann und das ist eine Zukunft mit Dir.
Du warst für ihn bei aller gefühlten Verbindung doch immer nur die Geliebte, die hoffte, viel zu viel und zu lange Zeit gab (aber auch nahm). Du bliebst das emotionale Leichtgewicht, das ihm eine gute Zeit bescherte, aber das Leichtgewicht war nicht schwer genug ihm zu folgen.
Du hältst Dich viel in Gefühlen auf, auch in Träumen und in Illusionen. Ich denke, Du hast ihn nie als Ganzes gesehen und kennengelernt und du stellst Deine Gefühle in den Vordergrund und übersiehst dabei die Realität. Nämlich dass er gut darin ist, warmherzige Worte zu finden und anzunehmen, aber letztendlich nichts davon in die Tat umsetzt, sondern in Deinen Augen kapituliert und das Wohlbefinden, das Du für ihn als solches beurteilst, seinem Vatersein unterordnet. Maßt Du Dir da nicht ein wenig zu viel an zu beurteilen, was für ihn Wohbefinden ist? Du hättest, wäre er zu Dir gegangen, seine Ängste wegen Kindesentziehung, Unterhaltszahlungen, Racheakte seiner Ehemegäre und den ganzen Trennungsstress hautnah mitbekommen. Ich glaube nicht, dass Dir das nicht irgendwann auf die Nerven gegangen wäre, einen unentschlossenen Mann an Deiner Seite zu haben, der mit mindestens einem Bein noch in seinem Ehe- und Familienleben festhängt..
Ich will Dir Deine tiefen Gefühle für ihn nicht absprechen, aber im Grund genommen hattet ihr nie eine tragfähige Beziehung, denn ihr musstet weder den grauen Alltag noch gemeinsame Sorgen bewältigen. Jeder von Euch lebte in der Affäre sein Leben, seinen Alltag weiter. Natürlich erzählt man sich auch Kümmernisse, aber jeder bleibt doch in seinem Leben und trägt die Konsequenzen allein.
Du durchlebst jetzt das, was das Schicksal sehr vieler Affärenfrauen ist. Sie empfinden und empfanden tiele Liebe und ordneten sich als eine bessere Partnerin für ihn ein und fühlen sich dann weg geworfen und entsorgt und verraten. Das ist da normale Empfinden und durch das wirst Du jetzt lange Zeit gehen müssen, denn Du warst es ihm und das ist die Realität, nicht wert, sein Leben umzukrempeln.
Es wird jetzt einige Zeit ins Land gehen, die nicht schön sein wird. Die tiefe Verletzung (die Du Dir als Geliebte aber auch selbst zugefügt hast), die vielen Tränen und die große Trauer werden irgendwann einer großen Wut Platz machen, die gegen Dich selbst und gegen ihn, den miesen Verräter, dieses elende Schwein gerichtet sein wiird. Das fühlt sich dann auch nicht besser an aber ist manchmal der erste Schritt sich selbst nüchterner zu betrachten und sich selbst auf den Prüfstand zu stellen. Für mich liest sich DeinText doch ein wenig zu viel nach Hedwig-Courts-Mahler und nicht als der Text einer Frau die in der Realität zu Hause ist. Aber das ist nur meine Einschätzung, Du wirst das selbstverständlich anders sehen.
Irgendwann kommt dann die Akzeptanz, die oft genug auch mit Verbitterung einher geht. Und erst dann, wenn Dein Blick auf Dich und ihn nicht mehr von Emotionen verstellt ist, wirst Du in der Lage sein, ihn , aber auch Dich selbst nüchterner zu betrachten und vielleicht auch erkennen, dass die Schuld an Deinem Schmerz nicht allein an ihm liegt. Jede Beziehung ist einer Dynamik unterworfen und bei einem nüchternen Blick auf die Beziehungsdynamiken kann man auch erkennen, dass die Anteile am Bruch meist gleich verteilt sind. Auch Du hast nicht fehlerlos gehandelt und nicht nur er ist der Schuldige. Aber dafür ist es noch zu früh.
Die *beep* Realität ist auch Deine Mutter, die bedrohliche Krankheit, die allen Angst macht. Kümmere Dich bei allem Kummer um sie, stehe ihr ei, denn was Du ihr Gutes tust, kommt zurück. Was Du ihm Gutes tatst, wurde nicht adäquat honoriert.
Aus solchen Begebenheiten kann man dennoch viel lernen, vor allem über sich selbst. Aber dass das jetzt kein Trost für Dich ist, weiß ich auch.
Kopf hoch und sich selbst ein wenig an die Hand nehmen, ist jetzt angesagt. Du bist 45 und keine 15 mehr und wirst darüber hinweg kommen.Das Leben ist jetzt mehr schwarz als weiß, aber versuche Dir kleine Lichtblicke zu verschaffen und vergrabe Dich nicht zu sehr in den Schmerz denn das honoriert auch niemand.
Er fühlt sich wie ich ihn einschätze jetzt doch recht wohl, weil er sich endlich mal entschieden hat.
Und mache bloß nicht den Fehler weiterhin mit ihm auf freundschaftlicher Basis zu verkehren. Das erschwert nur den Abnabelungsprozess und führt wieder nur zu schlechten Gefühlen. Dass da jetzt eine große Lücke in Deinem Leben ist, ist klar. Ich dachte seinerzeit auch, ich habe jetzt meinen einzigen richtigen Freund und nicht nur den Geliebten verloren, aber das Leben geht weiter und die Lücke war letztendlich gar nicht so groß wie ich mir momentan einbildete.
Das Gute daran ist, dass Du hoffentlich lernern wirst, dass Du selbst der Mittelpunkt Deines Lebens bist, was Du in den letzten Jahren offenbar vergessen hast, und nicht er.