Zitat von nebenbei:Narzisst sein heißt in erster Linie Angst vor Beziehung zu haben
Das sehe ich anders. Aber ich finde auch nicht, dass man gewisse "Störungen" klar vom Individuum abgrenzen und pauschalisieren kann. Sicherlich kann Angst vor Nähe/Bindung ein Element in einem Narzissten sein, aber genauso gut kann es das auch nicht - das hängt immer vom Individuum selbst ab. Genauso können auch Nicht-Narzissten Angst vor Nähe und Bindung haben. Jeder Mensch, jeder einzelne, erfüllt irgendwelche Facetten irgendeiner "Störung" und die Komorbidität ist verdammt hoch. Das liegt einfach daran, dass man Mensch ist und Mensch an sich ist immer alles - die Frage ist nur, in welcher Ausprägung.
Zitat von nebenbei:Wer mit einem Narzissten zusammen ist, hat immer selbst narzisstische Anteile
Natürlich erfüllt Mary selber narzisstische Anteile. Genau wie jeder von uns. Der Mensch ist ein Egoist und ein Selbstdarsteller, der nach Bedürfnisbefriedigung lechzt und nur davon angetrieben wird - das lässt sich nunmal nicht leugnen. Die Frage ist demnach die selbe wie oben: In welcher Ausprägung? Und allein dies ist relevant, wenn man wissen will, wie man einen gesunden, nicht selbstschädigenden Umgang mit sich selbst finden kann.
Zitat von MaryZoe:ich habe allerdings teilweise ein bisschen Angst wegen der Öffentlichkeit dieses Forums und ich schon viele Details über mich preisgebe. Vielleicht können wir private Nachrichten schreiben? Was hältst du davon?
Das kann ich wohl tun...
Zitat von MaryZoe:Das ist alles vielleicht fremdbestimmt von Normen. Und ich habe für mich schon erkannt, dass Normen mich manchmal runterziehen…und dass ich oft einer Art Fremdbestimmung auseinandergesetzt bin.
Damit angefangen, dass meine Eltern...
Damit fängt es immer an. Mit den Eltern und dem Umgang der Eltern mit den Kindern. Was, was frühkindlich geprägt wurde, ist am schwersten wieder loszuwerden und so mancher versucht es sein Leben lang, aber kommt nie im grünen Bereich an. Das ist übrigens so ein Punkt, da könnte ich jetzt einhaken und die Frage in den Raum stellen, ob man bei derart vielen Fehlern, die man als Elternteil machen kann und den vergleichsweise verdammt wenigen Wegen, wie man es richtig macht, überhaupt in unserer Kultur die Verantwortung übernehmen kann, ein Leben in die Welt zu setzen, aber das wäre nun arg weit weg vom Thema...
Zitat von MaryZoe:Ich bin geblieben, weil ich Angst hatte, dass es mir danach noch schlechter geht. Der Mann zwang mich zur völligen Aufgabe meiner Selbst und einer Symbiose mit ihm.
Nicht gut, was er da gemacht hat. Aber zum Glück ist der Kerl Vergangenheit. Das, was ich aus dem Satz noch als Schlagwort empfinde ist "Symbiose", denn dies ist im allgemeinen genau der Wunsch des Verliebten und beschränkt sich nicht auf Narzissten. Symbiose, Verschmelzung - und das sollte auch dein Schlagwort sein, wenn du dich und deine Wünsche in Bezug auf Partnerschaft selbst reflektierst.
-> Symbiose ist nämlich in keinem Fall möglich. So sehr man einander auch liebt, man bleibt zwei voneinander getrennte Einheiten. Und das sollte man immer bewusst vor Augen behalten, besonders, wenn ich mir dann noch folgendes:
Zitat von MaryZoe:da ich einen Freund hatte, der mich meiner ganzen Existenz beraubt hat
...durchlese. Du scheinst nämlich diesem Symbiosedings auch ganz schön hinterherzuhängen, sonst würdest du doch solcherlei Dinge nie mit dir machen lassen! Selbstaufgabe darf niemals Teil einer Beziehung sein. Da gibt es keine Rechtfertigung für.
Zitat von MaryZoe:Er macht übrigens auch Musik. Wir haben uns im selben Business kennengelernt und sprechen daher eine Musikersprache
Schau mal, das ist ne verdammt große Gemeinsamkeit! Ihr habt da etwas, was nicht leicht zu finden ist. Gib dieser Gemeinsamkeit einen wohlverdienten Wert!
Zitat von MaryZoe:Gerade hat er mich angerufen und ich habe locker ein Gespräch führen können. Ich sagte ihm, dass er sich im Laufe des Tages melden kann, wenn ihm danach ist. Meinst Du das ist gut?
Klar ist das gut. Nur bedenke, dass er sein Monster hat, das ihn dann wieder in ein kleines Zerwürfnis schleudert "Ich hab die Option, mich zu melden... ich sollte es lassen, bevor ich noch irgendwas riskiere". Aber das hat er, so wie es aussieht, sowieso immer, daher gibts keinen goldenen Weg, den man beschreiten könnte - man muss sich da irgendwie gegenseitig einpendeln.
Zitat von MaryZoe:Soll ich ihm wirklich schreiben, um ihm einen „Vertrauensvorschuss“ zu geben?
Nein, du sollst ihm schreiben, weil dir danach ist, dich ihm mitzuteilen - nicht mit dem Hintergedanken, dass etwas äquivalent großes zurück kommt, sondern wegen ihm als Person. Das meine ich mit Lockerheit. Du schreibst ihm, weil er dein Gefährte ist und weil du es magst, mit ihm zu teilen. Deine Verliebtheit jedoch fordert mehr raus, als sie reinsteckt und lauert jetzt schon bei der Frage darauf "Ich schreibe ihm nur, damit ich was zurückkriege". Daran kannst du gut erkennen, worum es dir wirklich geht - um ihn als Person, oder um ihn als dein Bedürfnisbefriediger. Und das mein ich nicht böse. Es sollte eher Anlass sein, mal dieses ewige Bedürfnis zur Seite zu schieben und zu schauen, was du an ihm schätzt und toll findest, was ihn einzigartig macht - und zwar ihn als Person und nicht als Projektionsfläche deiner Verliebtheit - denn das ist wieder dieses Abhängigkeitsding sonst.
Zitat von MaryZoe:Das ist so komisch irgendwie….denn meine Erfahrung mit anderen Männern hat nun eben immer gezeigt, wenn man sich rar macht, haben sie mehr Interesse.
Das setzt voraus, dass du einen aktiven Jäger vor dir hast, der seinen Kick allein daraus zieht, dass der Hirsch, den er schießen will, nicht wie geplant auf der Bildfläche erscheint - denn das Anpirschen, das Warten, der Nervenkitzel, das ist was die Jagd ausmacht und den Hirsch überhaupt so interessant macht. Er scheint mir alles andere als das zu sein. Er sucht seinen stabilen, ehrlichen und sicheren Seelenverwandten, keine Trophäe und keinen Nervenkitzel - er geht diesem Nervenkitzel ja sogar aktiv aus dem Weg und fühlt sich unwohl und geht drei Schritte zurück, wenn du dieses "Ich bin jetzt eingeschnappt und mach mich rar" Spielchen spielst. Der sucht was festes, kein Jagdabenteuer.
Zitat von MaryZoe:Mag sich doof anhören….aber ich möchte ja keinem nachrennen….und ich habe Angst, dass er es so deuten könnte.
Nee. Nachrennen ist etwas anderes als sich auf den anderen verlassen können, ihn als Sicherheit zu wissen. Er braucht Stabilität, die dem Sturm trotzt - er braucht jemanden, der freiwillig neben ihm im Wind sitzt. Er braucht ne Konstante. Wenn du immer signalisierst, dass er um dich kämpfen muss und du ständig auf der Kippe bist, dann ist er überfordert und gibt gleich ganz auf, da er mit seinem bisschen Kraft nicht kämpfen kann. Er versucht dich zu halten, aber er ist viel zu schwach für dieses Balz-Machtspielchen. Daher wird wohl jedes Schnippischsein zu Resignation führen, aber nicht zum Kämpfen.
Zitat von MaryZoe:Dass es besser wäre, wenn ich mich gar nicht melde, damit er sieht, was er an mir hat.
Er wäre sich sicherer, was er an dir hat, wenn du stabil bist. Aber wenn du ständig hin und herhüpfst zwischen da sein und sich rar machen... das schlaucht ihn komplett, da er dann nie weiss, wie er dich einschätzen soll. Das signalisiert einfach das komplette Gegenteil von Stabilität.
Zitat von MaryZoe:Ich habe massenhaft Bedürfnisse die ich gegen ihn schleudere. Denke das merkt er auch, vielleicht deshalb dann auch der ständige Rückzug….?!
Ja, das könnte ne Komponente sein. Denk grade an den schönen Spruch "Der Hund blieb mir im Sturme treu, der Mensch nichtmal im Wind"...
Zitat von MaryZoe:Für mich gibt es anscheinend ENTWEDER Beziehung ODER Freundschaft.
Das solltest du mal reformieren ^^ Beides zur selben Zeit ist das stabilste Fundament, das eine zwischenmenschliche Beziehung eigentlich haben kann. Du musst ihn als Menschen lieben - nicht nur als Mann.
Zitat von MaryZoe:Für IHN ist es so, wie für Dich. Er hat übrigens am Samstag auch Deine Worte benutzt: „ich rede jetzt zu Dir als Freund, damit wir auf Augenhöhe miteinander sprechen können!“ Die Augenhöhe….interessantes Schlüsselwort….das hast Du ja auch gesagt.
Ja, denk mal darüber nach, was eine intensive Freundschaft zusammenhält und was eine Beziehung, die auf reiner Hormonduselei steht, zusammenhält. Dann wird der Wert einer Freundschaft sehr schnell deutlich.
Zitat von MaryZoe: Es erschreckt mich gerade ein bisschen, dass Du ihn viel besser einschätzen kanns
^^ Ich kenne seinen Zustand einfach sehr genau, weil ich da selber drinstecke.
Zitat von MaryZoe:Aber was kann ich denn tun? Ich habe das Rezept nun noch nicht gefunden.
Was du tun kannst: Sieh ihn als Menschen. Mache ihn nicht für die Erfüllung deiner Bedürfnisse verantwortlich. Behalte die Macht über dein Glück selbst und mache ihn nicht dafür verantwortlich. Arbeite an dir selbst um einen gesunden Umgang mit dir zu finden, damit du ihm auf einer neutraleren Basis (neutral = nicht symbiotisch) begegnen kannst. Und vor allem - lass dich von deinem Gefühl nicht so unter Druck setzen, auch wenn es das vehement von dir verlangt - es ist nur Hormonduselei und es gibt in Wahrheit überhaupt keinen Zeitdruck. Dann entspannt sich die Lage drastisch.
Zitat von MaryZoe:Er sagte zwar, ich solle schreiben….. aber es fühlt sich etwas komisch an.
Wenn er das sagt - nimm es an. Schreib ihm. Je mehr du das tust, desto mehr nimmst du ihm die Angst. Versuche mit ihm einen Kompromiss auszuarbeiten. Sag ihm, dass du dir wünscht, dass er einfach "Pong" schreibt, damit du merkst, dass er dein Schreiben zur Kenntnis genommen hat. Er muss ja keinen Roman darauf zurückschreiben, wenns ihm zuviel ist oder er nichts äquivalentes zu sagen hat - aber das zur Kenntnis nehmen ist dir wichtig und das geht gut mit einem vereinbarten Wort. Wenn ihr irgendwann eine gemeinsame Sprache gefunden habt und er dich als sicher empfindet, dann wird es sicherlich auch mehr als ein Pong. Aber Geduld ^^
Zitat von MaryZoe:Ich drücke Dich ganz ganz feste. Von Herzen! Was machst Du heute schönes?
Danke, der Drücker geht zurück ^^ Heute hab ich nichts großartig vor. Wäsche machen, Bude aufräumen... irgendwie sowas. Mal sehen, was der Tag so bringt.