Zitat von luisa33: ir ist dadurch noch mehr bewusst geworden, dass er der nach Autonomie strebende Typ ist, und ich der nach Bindung strebende. Und dass ich gerade auf meiner Seite viele Baustellen diesbezüglich habe. (Verlustangst, schnell in Abhängigkeit, Projektion des Selbstwerts usw.)
Es gibt die klassiche Verbindung von aktivem und passivem Bindungsvermeider. Der aktive hat die Oberhand, ist autark und selbsständig und sabotiert nach der Anfangsphase Beziehungen, wenn sie ihm zu eng werden. Dazu gibt es viele Mechanismen:
- Körperlich anwesend, geistig aber woanders unterwegs
- Bestrebungen, sein Ding zu machen ohne Einbeziehung der Partners, also Freihiets- und Unabhängigkeitsdrang.
- Verschweigen, Verdrehen von Aussagen und die Flucht in verschwurbelte Antworten wie "das habe ich so nie gemeint, gesagt. Das hast Du falsch verstanden" etc. Ergo, Du wirst als die Dumme hngestellt.
- Auf Dir wichtige Fragen kriegst Du unverbindliche oder vermeidende Antworten.
- Abtauchen und zeitweises Verschwinden ohne Erklärungen
- "Klenihalten" des Partners der ihm als bindungswollender Typ unterlegen ist bis zur Demontage des Selbstbewusstseins
- Verleugnen der Beziehung gegenüber Freunden und im öffentlichen Raum. Er tritt als "Solist" auf.
- im Extremfall Hinwendung zu einem neuen Partner oder Fremdgehen
Das passende Gegenstück ist der passive, also erduldende, wartende und leidende Partner, der immer unter Versagens- und Verlustängsten leidet, aber eigentlich selbst Bindungen vermeidet, denn wieso wendet man sich sonst so einem Partner zu und hält daran fest?
Ein gestörtes Bindungsverhalten haben beide, sie leben es nur unterschiedlich aus. Die beiden kommen gerne zusammen, weil sie zunächst wie der Topf und sein Deckelchen wirken, bis die vermeidenden Verhaltensweisen einsetzen und die Verunsicherung beginnt.
Du kannst nie den Partner ändern, nur Dich selbst, aber der Weg ist lang, denn Bindungsängstge sind tief verankert und gehen nicht leicht weg.
Auf jeden Fall ist es das Beste was Du tun kannst, Dich mit Dir zu befassen, denn oftmals wiederholen sich solche Beziehungen mit einem Machtgefälle.
Eine Psychologin die mehrere Bücher zum Thema geschrieben hat, ist die erwähnte Stefanie Stahl. Ich habe seinerzeit das Buch "Jein. Bindungängste erkennen und bewältigen" gelesen und ich erkannte eins zu eins meine Beziehung wieder.
Es hat mir insofern geholfen zu erkennen, dass ich mit im Boot bin.
Ich kann heute eine Beziehung halten, aber bleibe auch gerne oft selbstständig und bin gerne allein unterwegs. Bindungsängste bleiben, aber man kann, wenn man über sich Bescheid weiß und auch erkennt, woher sie kommen, besser mit ihnen umgehen.
Meist liegt der Ursprung in der Kindheit. Der Verlust von wichtige Benzugspersonen, Trennungen der Eltern, wechselnde Bezugspersonen, Abgeschobenwerden z.B. zu Großeltern oder womöglich in Pflegefamilien oder Internate etc. hinterlassen bei Kindern oft tiefe Spuren. Auch Schimpfen, Kaltstellen von Kindern und ständiges Maßregeln (sei so und tue dies, dann wirst Du geliebt - vielleicht) wirken sich später negativ aus.
Da schon das Kind nicht erfährt, dass es in Ordnung ist, sondern vermittelt wird, dass es anders, besser sein müsste, ist das Selbstwertgefühl unterentwickelt und auch das zeigt sich im Erwachsenenleben z.B. durch zu hohe Anpassung an einen Partner, durch Kleinbeigeben, Konfliktvermeidung und Aufgabe der Selbstständigkeit.
Die Folge sind Verlust- und Versagensängste (ich bin womöglich nicht gut genug!) sind die Folge und die werden dann ins Erwachsenenleben mitgeschleppt, wo sie sich in problematischen Beziehungen zeigen.