Liebe @Lima_
Als ich vor einigen Wochen deine Eingangsfrage las:
Zitat von Lima_: Gibt es jemanden der eine Affäre verziehen hat und es bis heute nicht bereut hat?
…wollte ich spontan antworten und hielt dann doch inne.
Denn, meine Erfahrung, die ich vor knapp 10
Jahren machen musste, würde ja keine pauschale Antwort sein:
1. war meine Ausgangssituation komplett anders:
- lange Ehe, der es an Nähe fehlte,
- AF war eine alte Freundin,
- mein EM hatte die kurze Affäre etliche Monate bevor ich es erfuhr, beendet.
2. war auch meine und die Haltung meines Mannes sehr anders:
- ich wusste lange nicht, ob ich verzeihen möchte,
- mein Mann bat inständig um Verzeihung und bemühte sich sehr, mein Vertrauen zurück zu erlangen.
Hätte er damals um eine Auszeit zum Nachdenken gebeten, wäre es von meiner Seite aus zu Ende gewesen. Das hätte ich mir niemals angetan.
Stattdessen benötigte ich Zeit für mich. Das musste er ertragen.
Denn Verzeihen ist schwer und verlangte mir einiges ab.
Ohne das aktive Dazutun meines Mannes wäre es niemals gelungen.
“Verzeihen“ bedeutet, dass dies Affäre zukünftig bei anderen Diskussionen unerwähnt bleibt bzw. nicht ständig mitschwingt.
Konnte und wollte ich das?
Alleine diese Rolle als Anklägerin gefiel mir schon nicht! So wollte ich mich nie sehen.
Zudem war mein Vertrauen weg.
Damit ich das wieder schaffen konnte, benötigte ich absolute Ehrlichkeit!
Nenn du es Transparenz. Für mich geht das eine nicht ohne das andere.
Transparenz war damals zur fragilen Vertrauensbildung, das nur sehr langsam und mühselig wieder wachsen konnte, absolut notwendig.
Weitere heimliche Treffen hätten das Ende bedeutet! Übrigens zählen dazu auch harmlose Treffen, die verheimlicht werden.
Eine Affäre zu führen mit Lügen und Betrügen, ist schändlich. Wenn dann, danach, noch nicht einmal der Mut zur Konfrontation besteht, wäre mein Urteil entsprechend gewesen.
Ja klar, war es auch für meinen Mann damals nicht einfach und sicherlich sehr umangenehm, sich dem zu stellen. Wer schämt sich schon gerne.
Aber, das ist der Preis!
Der Weg war hart und steinig.
Wenn wir dies nicht beide gewollt hätten, wäre es niemals gelungen.
Und das ist es!
Unsere Ehe hat heute eine ganz andere Tiefe, als all die Jahre zuvor.
Sehr gerne möchte ich zu einigen deiner Kommentare Stellung beziehen.
Zitat von Lima_: Er ist ehrlich zu mir nur nicht sehr transparent. Ich muss ihn nach seiner Ehrlichkeit fragen was, da ich ihn danach fragen muss ist es keine Transparenz mehr im eigentlichen Sinne.
Wenn er tatsächlich „ehrlich“ wäre, wäre Transparenz selbstverständlich.
Wenn du erst fragen musst, um die erforderlichen Informationen zu bekommen, von denen er ganz genau weiß, dass du dies wissen möchtest, ist dies doch nicht ehrlich.
Zitat von Lima_: Denn Transparenz geht über die Ehrlichkeit hinaus, wenn jemand transparent ist muss man nicht nach seiner Ehrlichkeit fragen, das käme von ihm aus.
Ich würde ihn nicht als Lügner bezeichnen, aber er leugnet solange bis Er bereit ist alles auf den Tisch zu legen. Zumindest kann ich dann darauf vertrauen dass das was er dann sagt wahr ist.
Und genau diese Tatsache, stimmt mich bedenklich.
Du musst ihn erst konfrontieren, damit er die Wahrheit zugibt?
Versteht dein Partner tatsächlich, dass er dein geschenktes Vertrauen zerstört hatte?
Es geht nicht darum, ob er ein Lügner ist.
Es geht darum, dass er sich um dein erneutes Vertrauen bemüht.
Denn, damit du dies wieder empfinden kannst, braucht es einiges.
Verheimlichen von Treffen….sind dabei mehr als schädlich!
Zitat von Lima_: Ich denke die meisten Paare haben Nähe ohne dermaßen viel Transparenz.
Nö, Nähe beinhaltet Vertrauen.
Ist das Vertrauen zerstört, gehört Transparenz dazu, um es wieder hinzukriegen.
Ich verstehe, dass du ihn als deinen Lieblingsmenschen siehst und du somit gerne dein zukünftiges Leben mit ihm teilen möchtest.
Bitte bedenke, dass dies nur klappen kann, wenn er es genauso sehnlichst möchte.
Ich würde befürchten, dass du durch dein Bekenntnis zur Ehe ein viel zu großes Zugeständnis erteilst.
Du bist wertvoll! Der Person, der du deine Lebenszeit widmen wirst, sollte dies als wertvolles Geschenk wahrnehmen.
Ist das bei ihm so?
Wie sieht er dich?
Nun, er hatte ja schon Probleme dir seine Liebe zu sagen.
Was heißt denn, dass du geliebt wirst, wenn er das nicht selbst sagen kann?
Brennt er für euch?
Zitat von Heffalump: Und heiraten - ist ne feine Sache, wenn beide dafür brennen - kann es nicht nur ne schöne Feier werden, sondern auch ein schönes gemeinsames Leben, aber so wirkt er auf mich nicht.
Er brennt nicht, er glüht nicht, er glimmt noch nicht mal.
@Heffalump
Sehe ich genauso!
@Lima_
Wie steht er denn jetzt zu seiner AF?
Hatte er ihr ganz klar und zweifelsfrei seine Entscheidung mitgeteilt?
Zitat von Lima_: Die Frau hat einen völligen Realitätsverlust. Er sagt ihr wohl inzwischen nicht mehr das er sich für mich entschieden hat weil diese Frau das nicht "akzeptiert"
Warum nicht?
Leidet sie tatsächlich unter „Realitätsverlust“, wenn er ihr nicht ganz deutlich mitteilt, dass die Affäre unwiderruflich beendet ist und er sich sehr klar für euch entschieden hat?
Ja klar gibt sie in dem Fall, wenn solche Statements fehlen, nicht so schnell auf. Sie hatte sich vorher sehr um ihn bemüht. Woher soll sie denn wissen, dass sie jetzt keine Chance mehr hat?
Es ist seine Aufgabe, dies zu stoppen - nicht deine!
Wenn er tatsächlich zu 100% bei dir ist, wird sie es vielleicht nicht verstehen, aber letztendlich akzeptieren müssen.
Warum glaubst du, dass dir ein Treffen zu dritt Sicherheit geben könnte?
Sollte dein Partner nicht genau das ganz alleine schaffen bzw. sich sehr darum bemühen?
Weißt du, so lange diese Affäre nicht tatsächlich komplett beendet ist - mit klarem Commitment seinerseits und dein Partner sich nicht vollends um dein erneutes Vertrauen bemüht, kannst du nicht über ein Verzeihen nachdenken und schon gar nicht einen Neubeginn in Angriff nehmen.
Denn dazu gehören zwei, die sich beide gleichermaßen darum bemühen.
Zudem verkennst du dich.
Seine Affäre hat auch dich verändert.
Ob du ihm wirklich verzeihen kannst, wirst du erst mit der Zeit wissen.
Ob es dann noch für eine gemeinsame Zukunft reichen wird, steht jetzt noch in den Sternen.