Ich habe lange überlegt, ob ich was dazu schreibe. Dein Nach-Affären-Pflänzchen ist noch so jung und zerbrechlich.
Ich habe das in ähnlicher Form durch. Ich erkenne in vielem was Du schreibst meinen Ex und mich wieder. Mein Ex war ähnlich gestrickt. Erst eierte er auf zwei Seiten rum, das wusste ich aber lange nicht. Er wollte mich nie verlassen, er schäme sich, er wisse nicht warum er das getan hätte. Er spielte mit dem Feuer - wissentlich - und war dann überrascht, dass die AF so fordernd war. Sie gab auch hinterher keine Ruhe, stalkte mich. Er schwor Transparenz und Ehrlichkeit. Wie sich dann auch mehrmals herausstellte, gab es Dinge, die er nicht ansprach. Angeblich, weil es ihm nicht (mehr) wichtig war und er mich nicht noch mehr belasten und nach vorne blicken wollte. Daraufhin schmiss ich ihn raus. Er flehte, weinte, bettelte, schien gebrochen wie ein Häufchen Elend und ein Schatten seiner selbst. Ich gab ihm die letzte Chance. Wir gingen zur Paartherapie. Ich „verlangte“ Kommunikation und auch Konflikte. Ich wollte, dass er immer für sich einstand, auch mir gegenüber. Transparenz auch über seine Gefühlslage innerhalb dieser Ehe. Wenn er „auf den Tisch hauen“ würde, könnte ich besser damit umgehen und würde genau dann nicht die Scheidung einreichen, als wenn er schluckt und hintenrum irgendwas mit sich aus macht oder abzieht. Ich halte sowas aus. Das tue ich wirklich. Soweit so gut. Viel Verständnis und noch mehr Versprechungen. So richtig klare Kante zeigte er ihr gegenüber auch nicht. Er meinte, die Zeit wird das schon richten. Sie stalkte mich weiter. Er sah zu. Feige eben!
Na ja, was soll ich sagen. Es hat sehr lange gedauert, er war stets bemüht mit Engagement und Vorsätzen. Keine Szenen, keine Vorschriften. Ich vertraute ihm tatsächlich, dass er das nicht mehr tuen würde. Tat er auch nicht. Aber nach einiger Zeit war alles wie vorher. Er war wie vorher. Bis die nächste Flamme ums Eck kam. Keine Transparenz, gleiche aufgesetzten Launen, dazwischen viel Aggressivität. Nicht gegen mich, aber so oberflächliches Gemotze über alles mögliche. Eine neue Mauer. Diesmal war ich schneller, verlangte Erklärungen. Auch hier wieder Beschwichtigungen, aber sonst keinerlei Gefühlsregung und Transparenz. Irgendwann dann ein Geständnis von neuen Schmetterlingen. Ich warf ihn endgültig raus. Plötzlich litt er wieder unglaublich. Angeblich hat er „nichts gemacht“ und hätte es auch nie. Ich glaube ihm das sogar.
Ich weiß sicher, er hätte mich nie verlassen. Aber zu welchem Preis? Dass ich alle paar Jahre mit einer anderen Frau um neue Schmetterlinge konkurrieren musste. Daneben unsere Alltagsehe, mit immer dem selben Trott, Haus und Kind? Er mochte den Trott und alles andere, aber es reichte ihm wohl eben nicht. Und mir reichte, was ich kriegte, auch nicht. Ich trennte mich freundschaftlich und gab ihm mit auf den Weg, dass er sich eingestehen soll, dass ich nicht (mehr) die Eine für ihn bin. Er wars für mich auch nicht mehr. Es war vorbei. Er strampelte weiter und wollte es nicht wahrhaben. Bis er merkte, dass es mir wirklich ernst war und ich ihm keinen Millimeter offene Tür mehr gab. Dann kamen die nächsten Frauen bis er bei einer hängen blieb, bis heute.
Wie ich mitbekam, Transparenz ähnliches Thema. Die Beziehung beruht auf Forderungen ihrerseits, Beschwichtigungen - auch mit Taten als Ablenkungsmanöver - seinerseits. Sie merkte am Anfang schon, dass da im Hintergrund nicht mit allen reinen Tisch gemacht wurde. Sie erfuhr von seiner Schwester, warum ich mich getrennt hatte. Mittlerweile zoffen sie sich ständig, von ihr ausgehend, und es ist viel Drama dabei. Er beschwichtigt. Beziehung bleibt wie sie ist.
Vieles ist mir erst in den drei Jahren klar geworden, in denen ich mit mir selbst kämpfte. Er ist ein großes Kind, welches gern spielt, Angst hat was zu verpassen und dann heimlich Dinge tut, wenn „Mama“ nicht hinguckt. Klare Bekenntnisse nach allen Seiten geht nicht, weil man ja nie weiß…und Aufmerksamkeit und Bestätigung sind immer willkommen. Er hätte nie deutliche Worte gewählt, dass ich zur Ruhe komme. Denn es war ja auch aufregend. Und wer weiß schon, wofür man sie noch braucht.
Mich hat in all der Zeit irgendwas gestört an diesem Eherettungsversuch. Ich kam mit irgendwas nicht klar. Es war als wäre es nie genug, was er tat und was er sagte. Und das war es auch nicht. Ich fand mich dann selbst schon schrecklich, hatte auch viel Mitleid mit ihm. Und doch war es da.
Es war nicht sie als Person und die Affäre nicht mehr an sich. Ich hatte keine Zweifel im Vergleich mit ihr. Ich hatte keine Bilder im Kopf. Der körperliche Akt oder gar Ekel deshalb war es auch nicht. Es war das WIE. Kopf aus der Schlinge, Scham, Selbstmitleid, Konflikte umgehen, mangelnde Transparenz, Konsequenzen meiden - in alle Richtungen.
Letztendlich hat es aber alles nichts mir persönlich zu tun. Es ist sein Naturell. Und echte Nähe und Intimität hatten wir nie. Dafür gabs zu viel über was er mit mir nicht redete oder mir sogar verschwieg. Und weil er das nicht wollte oder konnte (oder beides) tat ich es auch nicht in der Form, wie man es in einer Beziehung tun sollte.
Heute erlebe ich das ganz anders.