Erik5
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es wird jetzt ein wenig länger werden, ich muss etwas ausholen.
Ich bin 45 Jahre alt, bin in einem fast überbehütetem Elternhaus aufgewachsen. Wenig liebevoll, sondern sehr leistungsorientiert. Sehr umsorgt, aber nicht "liebevoll" sondern eher wie im Krankenhaus man eben versorgt wird, Essen, Mahlzeiten, sehr gesund, Kontrolle, viel Kontrolle, vorrangig durch meine Mutter. Meine Schwester und ich traf dasselbe Schicksal. Meine Schwester hat die Kurve ein wenig besser bekommen als ich, sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und führt seit fast 20 Jahren eine erfolgreiche Ehe, natürlich mit Auf und Ab wie man es eben immer hat.
Ich nicht. Ich habe in der Universität um die Ecke studiert, bin bei einer Bank gelandet, habe dort mittelmäßige Karriere gemacht, bin weit unter meinen Möglichkeiten geblieben, weil vorrangig meine Mutter uns, meiner Schwester und mir die böse Welt da draußen so furcheinflößend erklärt haben, dass wir beide immer gescheut haben, unser Potentiel weltweit auszuschöpfen. Ich habe meiner Ansicht nach dennoch das Beste draus gemacht, verdiene gut und bin solide aufgestellt.
Mit den Frauen hat es bei mir nie wirklich gut geklappt. Ich habe Bindungsangst. Meine Mutter war ein Kontrollfreak, klammerte. Ich habe jede Frau so erlebt, auch wenn sie nicht so war, daher habe ich vielfach Beziehungen beendet, habe einige auf Distanz gut führen können, sogar 4 Jahre und 3 Jahre, sogar mal mit einer Frau für ein halbes Jahr zusammen gewohnt. Heute frage ich mich, wie ich das geschafft habe.
Ich habe mich immer gut abgelenkt, mit viel viel Sport, habe eine gute Gesundheit, sehe nach allgemeinem Feedback passabel aus, habe lange Zeit Leichtathletik auf Leistungsniveau praktiziert, dann stand ich im Bodybuilding auf der Bühne, immer alles perfekt, so wie daheim gelernt, immer mit Leistung Anerkennung und Liebe verdienen, bis man erschöpft ist. So wie ich es daheim kenne.
Wir sind mit wenig Selbstbewusstsein aufgewachsen. Aus der Spirale zu kommen, hat mich viel Arbeit gekostet.
. . . . . und dann kam mein Zusammenbruch. 2024
Ich habe dann 2024 im Januar den Job gewechselt. In einer neuen Bank. Wir arbeiten in einem großen Hochhaus, mehrere Banken sind hier im open Office tätig, viele Mitarbeiter verschiedener Banken kommen ins Gespräch, man will Synergien nutzen.
Und dann kam "Sie". Eine Frau, optisch sicherlich nicht der Typ Model, aber für mich unfassbar hübsch. Interessanterweise fanden meine Kollegen sie überhaupt nicht attraktiv, beschrieben sie eher als rustikal und sogar etwas verbraucht. Das mag sein, mich hat sie komplett in ihren Bann gezogen. Durch ihre Art, und durch ihre Augen.
Ich befand mich damals in einer schwierigen Situation beruflich, ich sollte verschiedene Abteilungen zusammenlegen, es gab viel Ärger. Die Frau arbeitete für eine andere Bank im Sekretariat, nicht für mich, nicht bei meinem Arbeitgeber, aber sie fing auch im Januar an, so wie ich, das verband uns etwas. Wir trafen uns oft, auch während der Arbeitszeit, sprachen mit einander, erkannten dass wir aus dem gleichen Ort stammen und hatten sogleich ein Thema. Wir tauschten Nummern. Ich konnte damals keine "Haken" sehen, oder ich wollte sie nicht sehen, mir fehlte auch Dating Erfahrung, mir fehlte allgemein ein gesundes Gefühl, nie von daheim aus mitgegeben, dann von daheim aus, mütterlicherseits, war ja einfach "ALLES" gefährlich. .
Ich weiß noch, wie wir ein Seminar hatten am Bodensee, mehrere Banken waren dort, wir auch, ich und sie auch. Wir redeten abends dort nach dem Seminar in der Woche stundenlang, es passierte nichts zwischen uns, aber ich war komplett in sie verliebt. Irgendwie fühlte ich mich verstanden, was ich heute weiß, sie griff nahezu jede Schwachstelle, nahezu jede Angst, die ich habe, auf und füllte gezielt diese Lücke. Wie ein Haus, das kurz vorm Zusammenbruch ist, füllte sie jeden Riss mit Füllmasse, so dass das Haus stabil blieb.
Wir trafen uns dann wieder zuhause angekommen Abends öfter und auch an den Wochenenden bei ihr und mir. Es kam zu den ersten Übernachtungen. Ich muss sagen, der Sex war nicht sonderlich gut, weil ich spürte, "hier stimmt etwas nicht", ich konnte kaum schlafen neben ihr, jedenfalls schlief sie super unruhig, meine Wochenenden bestanden größtenteils nur noch daraus, dass wir bei ihr rumhingen, mein Sport und somit mein Ausgleich blieben auf der Strecke. Nach wenigen Wochen mutierte sie von der liebevollen Frau, mit der ich tolle Unterhaltungen führen konnte, zu einer dauerhaft mies gelaunten frustrierten Frau, die mich am liebsten einfach nur rund um die Uhr kontrollieren wollte.
Sie tauchte plötzlich ständig in meinem Büro auf um zu schauen, ob ich mit anderen Frauen in meiner Abteilung spreche, also lediglich spreche. Trafen wir uns am Wochenende, wurde nach nur wenigen Wochen schöner Zeit ständig diskutiert, jede anfänglich schöne Stimmung wurde durch ein einziges Wort im Nu zerbrochen, sie suchte förmlich Streit und rastete regelmäßig in ungekannten Wutanfällen aus.
Im Büro war sie vor anderen Kollegen ein fleißiger Engel, niemals hätte irgendwer auch nur ansatzweise denken können, wie diese Frau sich privat mir gegenüber verhielt. Es wurde nach besagten wenigen Wochen nahezu alles kritisiert. Selbst das Aufdrehen des Wasserhahnes war nicht wie sie es besser konnte. Sie fand meinen Stil Auto zu fahren schlecht, wollte aber auch nicht selber fahren, beleidigte mich am laufenden Band, bei der kleinsten Gegenwehr beendete sie die Beziehung, löschte meine Nummer.
Ich habe übrigens keinen großen langjährigen Freundeskreis, sondern einen sehr sehr kleinen, ein Freund und meine Schwester, auch meinen Schwager. Gegen all diese Personen war "sie" massiv dagegen und wollte auch hier, dass ich isoliert werde und den Kontakt abbreche oder einschränke. Es waren Konkurrenten in ihren Augen.
Das ganze Jahr 2024 war von dieser Beziehung geprägt, es war eine einzige Katastrophe, mich plagten ungekannte psychosomatische Probleme, von Halsschmerzen, die nicht weggehen wollten, bis Rückschmerzen.
Wir hatten drei Off Phasen von einigen Monaten, in denen ich denke, dass sie anderweitig on Tour war, und irgendwie kamen wir drei Mal wieder zusammen und sie beendete mit einem gewaltigen Wutausbruch, meistens aufgrund von unbegründeter Eifersucht oder weil "ich nicht so sei wie ein Mann ihr gegenüber zu sein habe".
Nach der ersten Off Phase hatte ich Erstickungsanfälle vor Einsamkeit. Heute weiß ich, dass es Bindungsangst und eine Kombination aus Verlustangst waren. Nie hatte ich mich so einsam gefühlt, wie seiner Zeit im März 2024. Ein Arbeitskollege rief den Notarzt im Büro, das war mir sehr unangenehm. "Sie" stand noch im Türrahmen und tat besorgt, fragte was los sein. Im Büro übrigens wusste niemand von "uns".
Im Krankenhaus stellte man mich eine Woche auf den Kopf, bis herauskam, dass es stressbedingte Symptome sein könnten.
Natürlich typisch: Dopamin und Effekt einer Dro., kamen wir kurz darauf wieder zusammen, es fühlte sich allerdings von Beginn an unschön an, angespannt. Sie war grundsätzlich schlecht gelaunt. So wie einst meine Mutter. Wir, meine Schwester und ich, mussten als Kinder immer die Stimmung daheim anheben, bei uns war aufgrund von Spannungen zwischen meinen Eltern, die spürbar waren, aber nie ausgesprochen wurden, immer miese Stimmung im Elternhaus. So wie bei meiner Ex (das berühmte gewohnte Muster). Das ganze ging natürlich nicht gut. Mit einem erneuten gewaltigen Wutanfall beendete sie das ganze wieder, ihre Beschimpfungen mir gegenüber wurden immer übler (weil ich nie Grenzen gesetzt habe, das übrigens auch ein Resultat meiner Kindheit).
Das ganze nahm dann 2024 im Herbst einen dritten aber nur sehr kurzen Anlauf, der erneut in einem Wutanfall ihrerseits beendet wurde.
Ich beschäftigte mich bereits in der vorherigen Off Phase intensiv mit Narzissmus, mit toxischen Beziehungen, mit meinem fehlenden Vertrauen, meinen Ängsten, Problemen, wandte mich auch an zwei Therapeuten. Ich habe viele Dinge privat bezahlt, da ich einfach keinen Termin bekam. Ein Therapeut, der mir über meine Krankenkasse empfohlen wurde, half mir leider garnicht weiter. Er sagte, ich hätte mich mit Literatur schon so auseinandergesetzt, da brauche ich ihn nicht.
Ich kenne die Probleme, vielfach weiß ich heute, dass ich versucht habe, "ihr zu gefallen", "ihr alles recht zu machen", die "Stimmung gut zu heben", so wie ich es daheim immer bei meiner Mutter tat als Kind. Ich habe nicht "sie" vermisst, ich habe vermisst geliebt zu werden, ich habe mich an den anfänglich kurzen Momenten aufgehangen, die so unglaublich schön waren, und wollte einfach diese Momente wieder haben und hätte dafür alles getan aus Verzweiflung.
Ich arbeitete wieder viel, wir begegneten uns zum Glück nur noch selten im Büro, da wir umgezogen waren, jedoch ein oder zwei Mal liefen wir uns noch über den Weg und das leider auch heute noch.
Nun haben wir Januar 2026, zwei Jahre später. Das Jahr 2025 war bei mir geprägt davon, soziale Kontakte zu stabilisieren, was mir auch gut gelang. Ich fand jedoch trotz einiger Bemühen keine Freundin, weil mir die Frauen nicht zusagten, weil ich immernoch in einem Vergleich mit "ihr" fest hing. Mehrere Anläufe, einen Therapeuten zu finden, der gesetzlich bezahlt wurde, schlugen fehl. Daher zahlte ich nochmal privat eine Gesprächstherapie, die mich leider auch nicht erhellte.
Ich befand mich übrigens lange Zeit noch im letzten Jahr innerlich in einem Wettbewerb mit "ihr". Gedanklich stellte ich mir vor, sie dated, hat viele Männer um sich zur Wahl und sicher schnell wieder einen Neuen, oder eine Rebound Beziehung. Ich wollte schneller sein. Und wieder war ich im Trauma meiner Kindheit gefangen, Leistungsdruck: Du bist nur gut, wenn du schneller eine neue Partnerin gefunden hast als sie einen Partner. Dass das zum Scheitern verurteilt ist, weiß mein Kopf, aber mein inneres Kind will einfach diesen Wettbewerb, den keiner eröffnet hat, gewinnen.
Und nun schon wieder ein Rückfall, 2 Jahre später. Heute ist Samstag, ich habe mir angewöhnt, ein oder zwei Mal die Woche mit Freunden etwas zu unternehmen, an den Wochenenden lese ich viel, bin mit mir allein. Heute hatte ich das erste Mal seit Wochen wieder diesen heftigen Erstickungsanfall, natürlich ohne Notarzt, weil ich wusste, dass nichts passiert. Es war einfach eklig, nach einigen Minuten war es vorbei, ich schwankte zwischen "ich kann nicht mehr, ich halte diese innere Leere, diese Einsamkeit nicht aus". Später fühlte ich mich wieder befreit, dachte "Genieß das Leben, es ist schön, du hast einen tollen Job, Freiheiten, bist finanziell abgesichert".
Oft überkommt mich der Drang nach Anerkennung, der Drang "gut gefunden zu werden", weshalb ich noch heute exzessiv Sport treibe, insbesondere Bodybuilding, da man nur hier seine Resultate zeigen kann. Ich schwanke dann zwischen "bloß nicht angeben, immer unterm Radar bleiben, so wie als Kind gelernt", und "schaut her wie toll ich bin, bitte liebt mich, gebt mir Anerkennung". Es ist furchtbar, es ist als stünde man dauerhaft unter Strom und Leistungsdruck, so wie ich als Kind.
Nun suche ich einen Therapeuten oder eine Möglichkeit, mit diesen gewonnenen Erkenntnissen zu arbeiten oder weiterzukommen. Es hilft mir nichts, das alles zu wissen, meine bisherigen Ansätze mit Therapeuten halfen mir leider nicht weiter, bis auf dass sie viel Geld gekostet haben.
Hat jemand Tipps zu meiner Situation, kann etwas ergänzen, mir weiterhelfen, ich wäre euch sehr dankbar.
Und danke fürs Lesen. . .