@ysabell
Ich finde das schwer zu beantworten ohne zuviel zu erzählen, das ihm privat ist. Versuche mal halbwegs neutral zu ergänzen, zum besseren Verständnis.
Familie ist ein sehr, sehr schweres Thema beim ihm. Er kam als Kind mit den Eltern aus dem Ausland.
Verlor in der Zeit unserer Anbandelung den Elternteil, dem er sich verbunden fühlte. Hatte eine sehr schwere Beziehung zu dem anderen (war immer schuld, konnte nie gut genug sein, wurde immer winzig klein gemacht), wozu ich immer versuchte und ich denke, es gelang mir auch, der Gegenpol zu sein mit Bestärkung, an ihn glauben, Mut machen usw. Er glaubt dennoch wenig an sich selbst.
Vor etwa einem Jahr löste er sich endgültig von dieser für ihn zweifelsfrei schädlichen Beziehung.
Meine Familie ist einigermaßen groß, verschiedene Generationen, man sieht sich so alle paar Monate. Klar gibts da auch Probleme, aber er hat sich immer sehr wohl und angenommen gefühlt, gerne mit uns die Feiertage verbracht und sich auch eigenständig eingebracht und Kontakte gehalten. Gehörte ganz dazu, als vollwertiges Mitgleid akzeptiert und geliebt.
(Nebenthema: auch
einer der Gründe warum es mir schwer fiel in diese Richtung einen Schlussstrich zu ziehen: ich fand es so grausam ihm das wegzunehmen. Familie ist so wichtig!)
Mh. Was genau ist die Rolle als "Mann"? Ich habe ihn auch gebraucht. Als wir uns kennenlernten, war meine familiäre Situation auch sehr schwierig grade. Ohne ihn wäre mir das Studium nicht möglich gewesen, ich hätte einiges Potential nie nutzen können. Wir haben uns beide gegenseitig gestärkt und durchgekämpft zum Teil.
Insgesamt habe ich mich oft als beschützend wahrgenommen, das aber eher auf eine fürsorgliche, fast mütterliche Art und Weise. Und wie ich schon an anderer Stelle schrieb: ich kümmer mich echt gern um ihn/uns/den Haushalt. Nicht weil ich grundsätzlich so bin (ich steh auch nich so auf Putzen und Co), sondern weil das Zusammenspiel aus: ich koche
wirklich gerne, bereite Dinge vor, plane, organisiere, ordne, bin gut darin - ich sag mal pauschal, Managerin aus Passion - und seiner echten Würdigung, er gibt sogar an mit meinen Resultaten vor seinen Jungs, für mich sehr befriedigend ist.
Fühlte sich aber eher an wie klassische Rollenverteilung. Ich hab auch immer stolz berichtet, wenn er abends nach Hause kam (etwas später als ich), was ich in der Zwischenzeit so fabriziert hab. Der Tag als ich die Vorhänge gewaschen hab, oh man
Ich schweife ab.
Gleichzeitig war ich aber auch sehr bestimmend bis herrisch. Ich hab die meisten Dinge entschieden, von wo der Käse liegt bis wohin der Urlaub geht (was nicht heißt, dass die Stimmung ungemütlich war). Natürlich wurden wichtige Entscheidungen diskutiert. Aber ich hatte das Gefühl, dass er auch sehr darauf vertraut hat, dass mein Urteil, meine Meinung ist richtig ist. Und ich kann auch ganz gut argumentieren, überleg mir ja auch schon, was grade sinnvoll ist und gut und warum. Und: am Ende waren wir auch doch meist einer Meinung, wie etwas grade am Besten ist.
Schon wieder etwas weg vom Kern.
Rolle als Mann. Das finde ich schwierig. Ich war schon die wie man gemeinhin sagt "dominantere" in der Beziehung, die Durchsetzungsstarke, die Bestimmende. Aus meiner persönlichen Sicht hat er aber die Rolle als Partner (in dem Falle Mann), sehr gut erfüllt. Hat mit Verantwortung übernommen, Dinge geregelt, die ich schwer kann (ich telefoniere z.B. echt ungern mit Fremden), seine eigenen unabhängigen Projekte verfolgt, sich um Themen wie Finanzen und Technik gekümmert.
Was er wenig gezeigt hat ist Initiative in unseren gemeinsamen Projekten, sich zwar schon konkret um xyz gekümmert wenn ich ihn gebeten habe, aber untypisch unselbstständig und: geringe Priorität. Gab immer mal so Schübe, war dann aber auch schnell wieder vorbei.
Oder war die Frage ganz anders gemeint?