Zitat von stjärna: Jetzt in dieser Situation ausgerechnet damit anzufangen, ein Muster aufzulösen, kann für ihn auch ein falsches Signal sein.
Es ist genau der richtige Zeitpunkt in meinen Augen. SIE ist der Auslöser (gehen wir mal ganz pragmatisch da ran) und er der Leidtragende (im wahrsten Sinne).
Sie hat ihm behutsam mitgeteilt, dass sie für Gespräche bereit ist und ihm somit die Initiative überlassen. Zudem weiss er, dass es ihr sehr leid tut.
Mehr muss er nicht wissen. Sie kann ihm natürlich nun nachlaufen und versuchen ihre "Schuld" und ihr schlechtes Gewissen zu bereinigen - aber genau das wird ankommen: Dass SIE sich dadurch besser fühlen will und es nicht um ihn und seine Verletzungen geht. Man darf den Kontext zur vergangenen Konflikten hier nicht ausser Acht lassen. Menschen lernen aus Erfahrungen und Muster prägen Erfahrungen, wie auch Erfahrungen Muster prägen. Das was hier passiert ist, ist nicht ein "du hast die Zahnpasta mal wieder nicht zugedreht" - Konflikt. Hier geht es um den Super-GAU und somit sind viele Dinge ausser Kraft gesetzt - auch Konfliktmuster.
Zitat von stjärna:"Wieso kümmert sie sich jetzt nicht mehr um mich wie sonst?" Welche Schlüsse soll er denn daraus ziehen, wenn sie jetzt plötzlich gar nichts mehr tut, ihn nicht mehr aufrichten will?
Siehe meine vorherige Ausführung. Du siehst es als Aufrichten, ich sehe es als Befriedung des schlechten Gewissens. Er wird sich der Tatsache bewusst sein, dass sie sich schämt (weil es ihr leid tut) nicht nur eine Affäre gehabt zu haben - es war in der gemeinsamen Wohnung, im gemeinsamen Bett und er hat sie erwischt! Ich wiederhole: Für einen Mann und sein Ego/Selbstwert der absolute Super-GAU. Es ist nicht so schmerzhaft, täglich 5 mal mit Pumps und Anlauf einen Tritt in die Eier zu bekommen, wie das, was ER nun verarbeiten muss. Und hier sind wir auch schon bei einem der Knackpunkte: ER entscheidet, ob er verarbeitet/vergibt/verdrängt/ignoriert - und das auch in jeder beliebigen Konstellation der Worte.
Zitat von stjärna:Ich finde, es ist der verkehrte Zeitpunkt, an den Mustern zu arbeiten. Jetzt gibt es ein viel wichtigeres Thema.
Ja, wie ich schon schrieb: für ihn wird es so aussehen, als ob das Wichtigste nun ist, dass SIE ihr schlechtes Gewissen bereinigt. Was meinst du, wie er das aufnehmen wird? Bisher ist sie in seinen Augen eine "verlogene Schla. ". Dann wird sie auch noch eine "egoistische verlogene Schla. ".
Zitat von stjärna:Und ich fände es von daher gut, wenn die TE so handelt, wie es bisher ihrem Wesen entsprach.
Ich glaube nicht, dass es ihrem Wesen entsprach die Kontrolle über die Partnerschaft bewusst zu halten. Ich sehe das etwas tiefer.
Gehen wir mal leicht psychologisch an die Sache. Menschen wollen Kontrolle - das ist ein Urinstinkt. Was kontrollierbar ist, ist beherrschbar. Menschen mit geringem Selbstwert wollen kontrollieren, weil sie sich ihrer Selbst unsicher sind. Die Frage ist also: Woher kommt da bei Planta? Ich kann mir nicht vorstellen (auch nach dem, was sie schrieb anfangs), dass sie wirklich so ist.
Sie versucht in meinen Augen mit überhöhter Arroganz und Selbstbewusstsein zu suggerieren, ist aber weit davon entfernt. Woher kennen wir dieses Muster? Genau: Narzissmus. Damit man mich nicht falsch versteht: Ich halte die TE nicht für eine Narzisstin. Aber sie hat narzisstische Züge (wie sie im Übrigen fast jeder Mensch hat - der eine mehr, der andere weniger). Wir Menschen haben eine Grundpersönlichkeit - davon gibt's übrigens nicht sehr viele. Diese wird aber durch Erfahrungen, Sozialisierung, Modifikation usw. ergänzt und geprägt.
Ok, nicht zu weit ausholen!
Für mich ist der Punkt: Sie hält unbewusst (darum unterstelle ich ihr keine böse Absicht) Menschen in ihrem Umfeld klein, damit sie sich besser fühlt - das ist eine Vermutung, die ich bewusst nicht nur auf ihren Partner beziehe und auch darauf wetten würde.
Solche Menschen neigen auch (u.a. Erfahrungen hier aus dem Forum) dazu, sich Wert und Ergänzung bei anderen Menschen "abholen" zu wollen. Sowas nennt der gemeine Psychologe dann Kompensation.
Ich lehne mich soweit aus dem Fenster und sage: Das Ganze, was jetzt passiert ist, war vorprogrammiert. Es ist an ihr, aufzuarbeiten, warum sie nicht wirklich an sich glaubt und sich Aufwertung "besorgen" muss. Die Gründe können mannigfaltig sein.
Ich frage mich grade nur: geht es nun darum die jetzigen Schäden in Grenzen zu halten (Symptombekämpfung) oder grundlegend an die Gründe zu gehen.
Zitat von Sabine 49:Sie kann nicht gleichzeitig dieses tiefe Trauma bei ihm auslösen und diese Lebenskrise herbeiführen und dann wieder "heraushelfen" wollen nach dem bisherigen Schema.
Genau das ist der Punkt - der Auslöser kann nicht die Lösung sein! Danke dafür.