GarstigeGräte
Mitglied
- Beiträge:
- 1850
- Themen:
- 13
- Danke erhalten:
- 4778
- Mitglied seit:
lange war es ruhig um mich. Mir ging es wieder gut; mehr als 2 Jahre nachdem ich hier völlig zerstört aufgeschlagen bin. Und ich meine, wirklich gut. Und ich dachte, ich hätte dazu gelernt.
Die Story wird vermutlich ziemlich lang, aber ich versuche, sie so kurz wie möglich zu fassen. Der Verlauf ist ohnehin absehbar.
Als ich ihn kennenlernte, gab er sich als ungebunden aus. Dass er mich sympathisch fand, war offensichtlich, also nahm ich allen Mut zusammen und steckte ihm meine Nummer zu, er rief gleich am selben Tag an. Wir telefonierten eine, eineinhalb Wochen nahezu täglich, ohne dass er Anstalten machte, mich zu einem Date einzuladen.
Also wurde ich direkter und erhielt als Antwort, dass er mich ebenfalls sehr mögen würde -mehr als gut wäre.
Bei dieser Formulierung gingen natürlich sofort alle Alarmglocken an.
Ob er etwa doch verheiratet wäre, fragte ich ihn.
-Nein!
Aber anderweitig liiert?
-Es ist kompliziert!
Oh, kompliziert? Alles klar. Nein, danke. Tschüssi dann. Man sieht sich.
Damit war die Geschichte zu Ende. Zunächst.
Wir sahen uns dann 3 Wochen lang nicht, da er im Urlaub war.
Beim nächsten Aufeinandertreffen sagte ich ihm nur, dass ich die Aktion nicht cool fand und mir gerne die Peinlichkeit erspart hätte, einen vergebenen Mann anzubaggern. Er hat sich zerknirscht entschuldigt und damit war das Thema für mich auch abgehakt.
Die nächsten Wochen haben wir uns dann, wie zuvor auch schon, gut verstanden, haben gequatscht und gelacht, wenn wir uns gesehen haben.
Ich war völlig fein damit, dass aus uns nichts wird und als Menschen mochte ich ihn ja trotzdem. Und ich hatte das Gefühl, ihm ging es genau so.
Umso überraschter war ich, als er mir 3 oder 4 Wochen später gestand, sich in mich verliebt und seine Beziehung beendet zu haben.
Ich war anfangs misstrauisch, aber tatsächlich wirkte er die letzten Wochen angespannt, wenn wir uns sahen und man konnte förmlich zusehen, wie seine Laune während unserer Gespräche besser wurde. Er erklärte, dass er bezüglich der Trennung noch einiges zu regeln hätte. Er und seine Partnerin lebten noch zusammen in dem gemeinsamen Haus. die Stimmung war dementsprechend nicht so schön. es klang alles schlüssig, auch wenn er nicht ins Detail ging und ich wollte auch nicht zu neugierig sein.
Wir fingen dann an, uns auch privat zu treffen.
Um ehrlich zu sein, hatte ich immer wieder mal ein Bauchgefühl und war dementsprechend zurückhaltend.
Frisch getrennter Mann, der noch mit seiner Ex zusammen lebt. Red Flag Nummer 1.
Dann seine extreme Anhänglichkeit und die Art und Weise, wie er mich idealisierte. Für meinen Geschmack stimmte er mir ein bisschen zu oft in den Dingen zu, die ich tat oder sagte. Er schenkte mir Blumen und Schmuck und sagte schon sehr früh "Ich liebe dich".
Es war offensichtlich, dass er total im Hormonrausch war, der auch schnell wieder zu Ende sein könnte.
Ich bat ihn, es langsamer angehen zu lassen - und er gab mir Recht. Veränderte sein Verhalten aber nicht. Nun denn, ich war ja auf der Hut. Investierte gefühlsmäßig nicht so viel und nicht so schnell wie er es tat.
Gelegentlich kam tatsächlich der Gedanke bei mir auf, dass er nicht wirklich getrennt ist. Ich konnte das nicht an etwas Bestimmten konkret ausmachen. Es war mehr ein Gefühl. Es gab unscheinbare Dinge, die mich an seinem Verhalten irritiert haben, für die es aber auf Grund der ganzen Situation plausible Erklärungen gab.
Der Gamechanger war dann mein Kurzurlaub. Ich habe spontan für 3 Tage eine schicke Ferienwohnung unweit seiner Arbeitsstelle gebucht.
Er kam direkt nach der Arbeit zu mir und wir haben die Tage zusammen verbracht, abends fuhr er nach Hause.
Wir waren spazieren, er hat mir die Umgebung gezeigt, wir waren essen. Er hat mir sein Haus und den Garten gezeigt. (Nur von außen, aber ich wollte auch gar nicht ins Haus, weil ich mich bei dem Gedanken unwohl gefühlt habe. Immerhin lebte er ja noch mit seiner Ex-Partnerin zusammen in diesem Haus und ich fände es auch daneben, wenn mein Ex-Partner einfach seine Next ins gemeinsame Haus holt.)
Für mich waren damit alle Zweifel, dass er nicht getrennt ist, ausgeräumt. Ich dachte, sooo doof oder dreist kann ja wohl kein Mensch sein, seine Geliebte in aller Öffentlichkeit spazieren zu führen und ihr das Haus zu zeigen, zumal er auf dem Land lebt und die Wahrscheinlichkeit, dass uns jemand sieht, der ihn kennt, schon ziemlich hoch ist.
Zu dem Zeitpunkt habe ich beschlossen, all in zu gehen und das Risiko, dass er die Trennung bereut und zurück geht, einzugehen. Das war es mir wert.
Wieder zuhause haben wir am nächsten Tag noch ganz nomal geschrieben und uns abends eine gute Nacht gewünscht.
Am Morgen danach habe ich zum ersten Mal, seit wir dateten, nichts von ihm gehört. Das kam mir schon komisch vor. Aber ich habe mir 1000 Erklärungen dafür zurecht gelegt. Meine Nachricht blieb unbeantwortet. Da er die Lesebestätigung deaktiviert hat, konnte ich auch nie sehen, ob er meine Nachricht gelesen hat. Ich hörte den ganzen Tag nichts von ihm. Anrufe, drei weitere Nachrichten blieben unbeantwortet. Ich redete mir ein, dass es dafür eine plausible Erklärung gibt, aber ich war krank vor Sorge, dass ihm etwas passiert sein könnte.
Allerdings muss ich zugeben, dass ich in der Hinsicht sehr schnell in Panik gerate (war schon in meiner vorigen Beziehung so) und ich rational weiß, dass ich mich nur in etwas hinein steigere. Also habe ich gewartet.
Er meldete sich gegen halb zwei nachts/morgens mit den Worten: Mach dir keinen Kopf. Erklärung folgt später.
Und ja, hier habe ich sch. reagiert. Ich war mittlerweile so panisch, dass sich in dem Moment meine Sorge in grenzenlose Wut verwandelt hat. Ich bin verrückt vor Angst, weil ich nichts von ihm höre und er vertröstet mich lapidar auf "später"? No way! Meine Antwortnachricht war nicht nett. Ja, gebe ich zu. Er hat mich dann auch direkt blockiert. Meinen Anruf hat er weg gedrückt und dann war ich auch für Telefonanrufe blockiert.
Ich habe bis heute nichts mehr von ihm gehört und ihn auch nicht wieder gesehen.
5 Tage lang schwankte ich zwischen Trauer und Wut. Vor allem Wut. Ich hätte ihn in der Luft zerfetzen können. Am liebsten wäre ich zu seinem Haus gefahren und hätte ihn zur Rede gestellt. Am liebsten hätte ich. aaaargh.
Letzten Sonntag erhielt ich dann eine Nachricht über Facebook.
"Du bist das Allerletzte!" Die Nachricht war dem Namen nach von seiner erwachsenen "Stieftochter". Also der Tochter seiner Partnerin.
Da war mir alles klar. Offenbar war er tatsächlich niemals getrennt und man hat uns im Urlaub zusammen gesehen. Und jetzt erzählt er zuhause vermutlich, ich hätte ihn verführt, ja?
Also antwortete ich auf die Nachricht und wir hatten überraschenderweise eine sehr angenehme und aufschlussreiche Unterhaltung.
Tatsächlich hat er zuhause gar nichts erzählt. Er streitet ab, dass da irgendetwas sei, sie würde sich da irgendetwas einbilden. Man hat uns auch nicht zusammen gesehen, sondern der Partnerin ist aufgefallen, dass er ständig am Handy oder PC saß und tippte und wenn sie näher kam, hat er schnell weg geklickt. Sie hat dann wohl geforscht und meinen Namen in seinen Amazon-Bestellungen entdeckt. (Er hat mir mal ein Geschenk per Amazon an meine Adresse zukommen lassen).
Ich erzählte ihr meine Version und sie schien nicht sonderlich überrascht, äußerte sich auf meine Nachfragen aber eher schwammig. Sie wisse ja wie er sei, der wäre nicht ohne und der wäre früher schon so gewesen, aber jetzt würde er wohl alles aufs Spiel setzen. Ich vermute also, ich war nicht seine erste Affäre
Tja. and here we go again.
Vom Kopf her weiß ich, dass es mir nicht weh tun sollte. Dass ich ihn nicht vermissen sollte. Dass sein Ghosting nichts mit mir und meinem Wert zu tun hat.
Und trotzdem tut es weh. Trotzdem vermisse ich ihn. Trotzdem bin ich mega-wütend und frage mich, was ich an mir habe, dass ich es offenbar nicht wert bin, aufrichtig geliebt zu werden und dass man ehrlich zu mir ist. Warum ich immer nur gut genug dafür bin, meine Energie zu rauben, damit jemand seine eigenen Defizite damit füllen kann?
Und ich bin wütend auf mich selbst, dass ich mich trotz Bauchgefühl darauf eingelassen habe. Dass ich mich hab blenden lassen. Dass ich immer noch zu viele Chancen vergebe, obwohl ich mir denken hätte können, welche Art von Mensch er ist, wenn er auf konkrete Nachfrage verschweigt, dass er vergeben ist und es auch nicht klar stellt, nachdem ich ihm meine Nummer gegeben habe. Dass ich trotz Bauchgefühl und allem, was ich weiß und erlebt habe, immer noch viel zu sehr an das Gute im Menschen glaube. Dass ich jedes Mal denke, nach so vielen Katastrophen ist es ein Ding der Unmöglichkeit, dass das hier wieder eine Katastrophe wird.
Ich bin so müde und erschöpft. Von diesen ganzen @rschlochmenschen. Davon, mich immer wieder neu aufrichten zu müssen. Ich weiß nicht, was ich falsch mache. Es muss doch an mir liegen, dass ich keine "normalen" Menschen kennen lerne. Oder gibt es einfach keine "normalen" Menschen mehr?
Es ist egal, wie vorsichtig ich bin, irgendwie geht es immer blöd aus