Zitat von Mienchen:Das stelle auch ich mir schwierig vor. Auf der einen Seite willst du ihm signalisieren, das du da bist, auf der anderen Seite zermürbt dich das Gefühl der Hilflosigkeit und das nichts tun können.
Das ist es nicht allein.
Wie es aussieht, kommt K. mit der Situation besser klar als jeder von uns vermutet hat. Zumindest gibt er sich den Anschein, dass es so ist.
Überhaupt kenne ich mich mit dem Krankheitsbild zu wenig aus, um abschätzen zu können, ob es ihm wirklich so gut oder so schlecht geht wie er mir gegenüber tut. Ich weiß also auch nicht, ob er nicht mir gegenüber womöglich auf mitleiderregend macht.
Denn er weiß, dass ich im Notfall ins Auto springe, um ihm beizustehen. Er selbst hat mal gesagt, dass er sich genau deshalb seinerzeit in mich verliebt hatte: weil ich 'ne "Kumpelmaus" bin, also absolut hilfsbereit (Kumpel) und dabei meistens heiter (Grinsemaus).
Er weiß auch, dass ich mich ihm gegenüber verpflichtet und in einer Schuld fühle. Denn als wir noch zusammen waren, hat er mir in einer langen, schweren Phase mal sehr geholfen. Jedoch habe ich mich Jahre später, als es uns beiden wieder gut ging, von ihm getrennt. Nicht umgekehrt.
Er sagt allerdings, dass ich keinen Grund für Schuldgefühle hätte. Jede Hilfe von ihm in meiner schweren Phase hätte ich wiedergutgemacht; da sei absolut nichts offen. Und dass es ihn mal gesundheitlich so erwischt, konnte damals, bei unserer Trennung, ja niemand ahnen.
K. hatte nach mir keine Partnerin mehr und ist als Single angeblich glücklich und zufrieden. Von mir jedoch weiß er, dass ich mit Männern danach jedes Mal Pech hatte und über den letzten immer noch nicht wirklich hinweg bin. O-Ton K.: "Du ziehst dir immer nur Kerle an Land, die nichts taugen. Eigentlich müsstest du es inzwischen schon mehrmals bedauert haben, von mir weg zu sein."
Dieser Satz machte mich stutzig. Den, fand ich, hätte er sich besser sparen sollen. Denn das wirkte auf mich sehr selbstgefällig, und genau das war seinerzeit mein Trennungsgrund gewesen: K.s selbstgefällige Art und die Selbstverständlichkeit, mit der er pfiff und ich sprang.
Immerhin hat K. an dem Wochenende, als ich bei ihm war, gesehen, dass mir die Situation sehr zusetzt und dass meine Belastbarkeit ihre Grenzen hat. Aufgesetztes Drama geht also ebensowenig wie aufgesetzte Fröhlichkeit.
Ach ja: Nur wenige Minuten nachdem ich gestern hier geschrieben hatte, kam von K. doch noch Nachricht. Er geht morgen zu seinem ambulanten Urologen und wird mit dem klären, was wann wie weitergeht, Chemo und so.
Ich habe ihn gefragt, ob er mich auf dem laufenden hält. "Na logo", schrieb er.
Jetzt hoffe ich, dass er gesundet, so gut es geht. Dass sich die Situation so gut wie möglich wieder normalisiert und jeder seins machen kann.
Und dass er mich anhaut, wenn ich ihm
wirklich helfen kann.
Denn dann tue ich das auch. Selbstverständlich. "Na logo."