Zitat von Medium:Nicht jeder Partner eines Narissten befindet sich in einem Abhängigkeitsverhältnis - dann wären wir ja alle Co.
Damit wollte ich nicht sagen, dass jeder Partner eines Narzissten ein Komplementärnarzisst ist. Auch "normale" Leute fallen manchmal auf Narzissten rein. Aber wenn es einem Menschen schwer fällt, sich vom Narzissten zu lösen und er trotz zahlreicher Demütigungen und Grenzüberschreitungen lange bei ihm bleibt, dann ist er in gewisser Weise von ihm abhängig.
Zitat von Medium:Und genau da fängt für mich die Selbstständigkeit an.
Alles was ich alleine bewältigen kann, nehme ich in Angriff und verschone meine Mitmenschen damit. Deine Bekannte wird ihren Umzug nicht alleine bewältigen, sondern hat sich bestimmt ein Umzugunternehmen zur Rate gezogen und wird den gegen entspechende Bezahlung in Anspruch nehmen.
Nein, sie hat kein Unternehmen damit beauftragt. Laut eigener Aussage kann sie sich das gar nicht leisten. Sie schleppt die ganzen Sachen alleine aus der Wohnung in ihr Auto und fährt dann zur neuen Wohnung.
Zitat von Medium:Was ist denn das für eine chronische Erkrankung?
Sie ist herzkrank und hat zwei Operationen hinter sich, die zweite OP ist noch gar nicht so lange her. Ich würde ihr gerne helfen, aber die Entfernung zwischen uns beträgt mehr als 500 km.
Zitat von Medium:Tolle Frau, in meinen Augen. Nimmt ihre Probleme selbst in die Hand und spielt nicht gleich das hilfsbedürftige Weibchen, schreit nicht sofort nach Hilfe......, wenn es eng wird. Selbstständig u. Selbstbewusst versucht sie die unangenehme Situation aus ihrer Sicht zu regeln. Hut ab, vor dieser Dame, die nicht auf den Ritter in weißer Rüstung baut.
Seit ich den Selbstverteidigungskurs gemacht habe, mach´ ich das auch so. Ich denke, da spielt die Erziehung eine große Rolle. Im Kulturkreis meiner Familie ist es üblich, dass ein Mann für die Sicherheit seiner Partnerin sorgt... soweit es möglich ist. So bin ich aufgewachsen. Früher bin ich automatisch davon ausgegangen, dass die Männer aus meinem Umfeld mir zur Seite stehen, sobald ich von einem Fremden belästigt werde. Und dann war ich völlig geschockt, wenn die Männer mir böse Blicke zuwarfen, mich auslachten und als schwaches Dummchen abstempelten.
Zitat von Medium:Was regelst du denn eigenlich alleine? Aus eigene Kraft heraus, ohne ewig deine Mitmenschen damit zu belasten.
Gutes Stichwort. Hier in Deutschland höre ich immer mal wieder den Satz: "Ich will dich nicht damit belasten", wenn ich spüre, dass es jemandem schlecht geht und er nicht mit mir darüber redet. Ich habe es noch nie als Belastung empfunden, wenn andere Menschen mir ihre Probleme anvertraut und mich um Hilfe gebeten haben. Im Gegenteil, für mich war das eine Art Vertrauensbeweis. Im Kulturkreis meiner Familie ist es das Normalste auf der Welt, Probleme mit Familie, Partner und Freunden zu teilen, sie um Rat zu fragen, ihnen in schwierigen Situationen zu helfen und auch Hilfe von ihnen anzunehmen.
Zitat von Medium:Wenn wichtige Menschen in meinem Umfeld Kritik an mich und meinem Verhalten üben, mach ich mir ernsthaft Gedanken darüber und tausche mich näher mit ihnen darüber aus. Was ich danach annehme, bleibt mit letztendlich selbst überlassen. Unselbstständig bist du bestimmt nicht, aber unter Selbstständigkeit und Selbstverantwortung verstehe ich etwas anderes.
Natürlich habe auch ich mir meine Gedanken darüber gemacht und mache einige Dinge seit ein paar Jahren anders als früher. Z. B. schaue ich selbst danach, wie ich irgendwo hinkomme und verlasse mich nicht mehr darauf, dass andere Leute mich mit dem Auto mitnehmen. Ich buche eine Unterkunft und gehe nicht mehr automatisch davon aus, dass ich jederzeit bei Bekannten übernachten kann. Leider habe ich ein Handicap und kann deshalb nicht mehr Auto fahren. Unter Landsleuten gab es nie Probleme, weil ich immer von anderen mitgenommen wurde und die Menschen auch niemals Probleme mit kleineren Umwegen hatten. Mir ist aber schon längst klar geworden, dass ich solche Dienstleistungen nicht von allen Menschen erwarten darf. Also kümmere ich mich seit einigen Jahren selbst um alles, was mit Fahrerei, Unterkunft, etc. zusammenhängt... ebenso wie ich mich jetzt selbst verteidige, wenn ich angegriffen werde, wobei mir das schon ewig nicht mehr passiert ist.
Ich war jahrelang fast ausschließlich unter Landsleuten unterwegs, die Umgewöhnung ist gar nicht so einfach. Bei uns gilt die Devise: "Was ich nicht alleine schaffe, machen andere für mich. Und wenn andere etwas nicht packen und ich es besser kann, dann übernehme ich das für sie." Diese "Jeder ist für sich selbst verantwortlich"-Einstellung kenn´ ich halt gar nicht aus meinem familiären Umfeld.
Mein Narzisst z. B. hat sich als sehr unselbständiger Mensch entpuppt. Er wohnt ja mit über 30 immer noch bei seinen Eltern und hat noch nie eine warme Mahlzeit zubereitet oder seine Wäsche gewaschen. Er hat vor ein paar Monaten nach einem Platz in einer Frauen-WG gesucht, aber wurde nirgends aufgenommen. Wahrscheinlich wäre er total überfordert, wenn er ganz alleine seinen eigenen Haushalt schmeißen, sich um Rechnungen, Papierkram, etc. kümmern müsste. Leider ist mir das erst spät aufgefallen.
Ich hab´ ihm in der Anfangszeit auf der Suche nach Flug- und Bahnverbindungen, Hotels, usw. für irgendwelche Trips geholfen. Da bin ich Expertin, weil ich schon viele Individualrundreisen gemacht und immer alles selbständig organisiert habe. Er würde dafür weitaus mehr Zeit brauchen. Mir hat das wirklich Spaß gemacht, und ich habe ihm gerne geholfen... immer mal wieder, auch in anderen Angelegenheiten. Doch als ich ihn brauchte und mir seine Unterstützung erhoffte, wurde ich gnadenlos ignoriert und war sehr enttäuscht. Dasselbe hab´ ich auch mit anderen Personen erlebt, für die ich immer da war, wenn sie mich brauchten.
Deshalb bin ich inzwischen vorsichtiger geworden und sage öfters mal "Nein", auch wenn es mir nichts ausmachen würde, gewisse Leute zu unterstützen. Wenn das nicht auf Gegenseitigkeit beruht, bin ich irgendwann nur noch müde und erschöpft. Dann bekomme ich das Gefühl, dass die ganze Arbeit an mir hängen bleibt, während mein Gegenüber sich auf meine Kosten ein bequemes Leben macht.