Zitat von elim:Es ist genau so ein Druck auf der Brust, den ich im Moment als unaushaltbar empfinde. Es fühlt sich an, als würde mein Herz von einer eisernen Faust umklammert und zusammengedrückt. Ich kann überhaupt nicht frei atmen, ich fühle mich eingeengt und eingesperrt.
Liebe elim,
an das Gefühl, was Du beschreibst kann ich mich noch sehr gut erinnern. Es war ein Felsbrocken, der lange dort verweilte. Wie eine Eisenplatte, die alles herunterdrückt. Man atmet schwerer und hat das Gefühl bei jedem 4. Atemzug so tief zu inhalieren, dass die Luft eigentlich im Fuß gelandet sein müsste. Und jedes tiefe atmen verschafft einem dann nur kurzfristig dieses herbeigesehnte befreiende Gefühl.
Ich weiß noch, dass ich während und bis 5 Monate nach „ihm" unglaubliche Nacken- und Schulterschmerzen hatte.
Ich glaube es war Gastmann (eh. User), der ein Zitat in seinen Beiträgen hatte: „GET THAT MONKEY OFF MY BACK“. Man glaubt manchmal nicht, was einzelne Sätze anderer so bewirken können. Und so war es dann, dass ich den ganzen Ballast auf meinen Schultern trug und sich ein N-Affe (so sah ich das dann bildlich für mich) an meinem Nacken festkrallte. DEN galt es loszuwerden. Wie eine Klette, hing der da fest und sein Gewicht löste Schmerzen aus.
Und weil mein Glauben meine Berge (Affen) versetzt hat, habe ich es ähnlich mit dem Felsbrocken auf dem Herzen versucht. Die Visualisierung meines Herzen, was sich da mühsam eins abpochert und versucht den darauf liegenden Brocken wegzuschlagen. Ja elim, dann tat mir mein Herz so leid, weil es ackert und ackert und ich es links liegen ließ (warten auf den Zustand der Besserung).
Und dann fing ich an den Brocken gedanklich in kleine Einzelteile zu zerlegen. Denn je mehr ich diesen Brocken weg haben wollte, desto schwerer schien er zu werden. Klar, weil auch noch Ungeduld und Wut auf mich und mein Empfinden als zusätzliches Gewicht drauf drückten.
Um an mein Ziel der Zufriedenheit und des wieder Glücklich seins zu gelangen, musste jedes einzelne Steinchen angegangen werden. Was es bei Dir ist, weiß ich nicht. Bei mir waren es die grauen Steine: Erkennen meiner Abhängigkeit, Gefall- und Harmoniesucht, Vaterfigur, tun und viel gefallen lassen, um Liebe zu bekommen, falsche Liebe, Perfektionismus, Bedürfnisse anderer erfüllen – meine nicht beachten, nicht verursachten Krieg in „Liebe“ umwandeln, Angst vor Nähe (weil Angst vor Verletzung – das war richtig schwer dahinter zusteigen und es zuzugeben) u.v.m.
Die Ummantelung des Felsbrockens: Das WARUM
Der Kern: VERSTEHEN
So schwer Selbsterkenntnis ist, so weh das Zugeben meiner Unzulänglichkeiten, meiner Frust-Entstehung, meiner Anteile und Fehler auch oft tat; ich habe VERSTANDEN, was mit mir all die Jahre in meinem Leben passierte und vor allem warum. Ich bin hauptsächlich das Produkt von Erziehung, und vieler Erziehungsmaßnahmen !
Elternhaus, Schule, Ausbildung, Job. An jeder dieser „Stationen“ musste man sich so verhalten, wie es verlangt und vorgegeben wurde. Verhielt man sich nicht, wie es von einem erwartet wurde, bekam man oft den Nachteil, den es brachte zu spüren. Man wurde buchstäblich bei „anderem“ Betragen ins Gericht genommen. Gericht – Verurteilung - Strafe. Wenn die Angst vor Verlust oder Strafe ausfällt, tut man nichts mehr, um zu gefallen oder sich in eine Rolle hineindrängen zu lassen.
Ein ganz schwieriger Lernprozess, wie ich finde, doch der richtige Weg zur spürbaren und ersehnten inneren Freiheit. Und glaube mir, wenn man sich frei fühlt, dann kann ein niemand mehr "gefangen" halten. Man hat zu sehr den Duft der Freiheit (Frieden) geschnuppert, und den möchte man nicht mehr aufgeben.
Und je nach Grat der Verurteilung und der Strafe wurden wir geformt. Der eine musste weniger tun um wieder in Papas, Mamas, Lehrerin´s, oder Ausbilder´s Gunst zu kommen, der andere mehr, der andere gar nichts. Und so zieht sich das wie ein roter Faden durch´s ganze Leben. Bis man an einen Punkt kommt, wo man durch ein „Ereignis“ – bei mir waren es 2 hintereinander – brutal auf ALLES was für einen nicht ersichtlich, dennoch existent war/ist, hingewiesen wird.
Bei mir war es das „warum lasse ich mir bestimmte Dinge antun" – „warum tue ich mir dadurch bestimmte Dinge an" – „warum zieht mich das an, was mir nicht guttut" – „warum ziehe ich das an, was mir nicht guttut" - "warum verharre ich so lange in etwas, was mir nicht guttut"
Zitat von elim:Fast so, als ob der N seine Krankheit auf mich übertragen hat und ich jetzt genau wie er im Eisenofen sitze
Elim, Du wirst nie in diesem Eisenofen sitzen. Weil Du Türen für Dich alleine öffnen kannst. Der Mensch im Eisenofen kann das nicht, denn es müssen immer andere die Türen für ihn öffnen.
Zitat von elim:Es ist ja jetzt noch nicht mal drei Monate her, dass der N mich nach 2 1/2 Jahren Beziehung (inkl. gemeinsamer Wohnung) von heute auf morgen "entsorgt" hat, und ich sollte mir vielleicht Zeit geben, aber ich kann einfach nicht mehr. Ich will meine Unbeschwertheit, meine Lebensfreude zurück. Ich will mich selbst zurück. Ich will nicht mehr so traurig sein. Ich will wieder Zuversicht und Hoffnung spüren.
Mir ging es 2 Monate lang nach der Trennung gut. Toller Geburtstag, super Weihnachten und dann ging´s los. Die volle Wucht. Das ganze hier oft geschilderte „Programm". Am Schlimmsten war dieses permanente Auf und Ab, was Kimberly beschreibt. Nicht nur, dass man es in der Bez. hatte, jetzt war sie schon wieder da, diese beschissene emotionale Achterbahn.
Wenn man aber versteht, dass diese Emotionsausschüttungen das A + O im Verarbeitungsprozess sind, dass sie unbedingt notwendig sind um zu heilen, dann kann man sie ohne Wut akzeptieren und annehmen. Die Seele braucht zwischendurch gute oder "OK" Tage um sich für den weiteren Heilungsprozess zu erholen. Das sind dann die Tage, wo es uns ganz oder einigermaßen gut geht. Ich finde es schön, wie sich unsere Seele um unser Voarnkommen und zukünftiges Seelenheil kümmert. Wir müssen nur mit ihr zusammenarbeiten, elim!
Nach 8 Monaten Trennung passierte etwas. Ich schaute Liebesfilme, ich hörte tolle CD´s, ich ging Klamotten shoppen, ich kochte für mich, ich tat all die Dinge zu denen ich vorher nie Lust und Muße hatte. Was mir auffiel, dass ich immer dachte, irgendwas ist anders. Bis ich darauf kam. Ich mache alles für mich und ich kann es genießen.
Ich habe in meiner Trauerphase nichts, absolut nichts gemacht, was ich nicht wollte. Ich habe mich nicht mit Absicht abgelenkt, ich war nicht auf der Suche nach einem „Nächsten“, war weder in Bars noch Tanzschuppen um Komplimente zu erhaschen, habe mit Wein und Zig. über die Strenge geschlagen, habe mir telefonfreie WE ohne Rechtfertigungen eingeräumt, habe geheult wie und wann ich wollte, mich in Selbstmitleid ertränkt, u.s.w. Hätte ich mich gezwungen etwas zu tun, was ich nicht will, hätte ich den Schmerz nicht heraus- und zugelassen, hätte ich ihn nie akzeptiert und mir nicht die Zeit gegeben, wäre ich heute ein kaltes Mauer umzogenes Wesen, was verdrängt hat, nur um nicht ausgiebig und lange genug heilen zu wollen.
Außerdem begriff ich, und legte ab, dass ich mit ihm nicht im Wettkampf stehe, "wem geht´s schneller wieder besser". Wahrscheinlich ihm, aber um ihn geht´s ja nicht.
Liebe Grüße,
Phoenix