Liebe Jordis und alle,
was ich feststelle, ist, dass viele Opfer einer narzisstischen Beziehung sich die gleichen Fragen stellen, wovon eine ist, ob man überhaupt einem Narzissten aufgesessen ist. Allerdings müsste der Umstand, dass immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden, allein schon als Beleg gelten, dass man Opfer eines Missbrauchs wurde.
Zitat:Da prallen zwei ungleiche Bilder aufeinander und wollen einfach nicht deckungsgleich werden
Monate, wirklich Monate vergingen bei mir mit dem Versuch, beide Bilder in ein einheitliches zu bekommen. Noch heute ertappe ich mich manches mal dabei. In dem seinerzeit von Sahara eingestellten Beitrag zur kognitiven Dissonanz wird das so treffend beschrieben, dass es mir seinerzeit die Luft nahm. Jeder Mensch hat gut und schlechte Anteile, dennoch bilden sie ein homogenes Ganzes, beim Narzissten dagegen nicht. Sie zeigen nach außen das Gegenteil dessen, was sie nach innen sind.
Liebe Sahara, ich hoffe, du bist mir nicht böse, wenn ich einen Teil des Textes hier nochmal reinkopiere, allerdings denke ich, dass das nicht der Fall sein wird, da du den text bereits hier reingestellt hattest. Nochmals Dank dafür!
Zitat:Psychopathie und kognitive Dissonanz
Fast jeder, der eine Beziehung mit einem Narzissten/Psychopathen hat, durchläuft eine Phase (und Form)
der Leugnung. Es ist sehr schwer die traurige Realität zu akzeptieren, dass die Person
die behauptete dein bester Freund oder die Liebe deines Lebens zu sein, eigentlich eine hinterhältige
Schlange ist, deren einziger Zweck im Leben ist, die um sie herum zu erniedrigen und zu dominieren.
Statt sich dieser Realität zu stellen gehen einige Opfer ganz auf Leugnung. Sie sind nicht bereit
irgendeinen Teil der Wahrheit zu akzeptieren, die, wenn sie unterdrückt wird, oft in Angst, Projektion
und Albträume hochkommt.
Irgendwann aber, kommt der Beweis einer stark gestörten Persönlichkeit durch,
vor allem wenn der Narzisst nicht mehr in ein bestimmtes Opfer investiert und somit nicht
mehr einen erheblichen Aufwand leistet, um seine Maske auf zu behalten. Dann ist totale Leugnung
nicht mehr möglich. Die Schleusentore der Realität brechen plötzlich auf und eine ganze Menge
an Ungereimtheiten, glatte Lügen, Manipulationen, Kritik und emotionaler Missbrauch
strömt durch die Oberfläche unseres Bewusstseins.
Doch selbst dann ist es schwierig solch schmerzhafte Informationen auf einmal aufnehmen.
Unser Herz sehnt sich noch nach das, wozu wir überedet wurden - während der Köderphase - nach unserer
wahren Liebe. Unsere Gedanken sind immer noch mit Erinnerungen, von den sogenannten guten Zeiten
mit dem Narzissten, gefüllt. Doch die Wahrheit über die Untreue, die ständige Täuschung,
die Manipulation und den Verrat kann nicht mehr geleugnet werden. Wir können nicht rückgängig
machen, was wir über den Narzissten gelernt haben; wir können nicht bis zum Punkt der ursprünglichen
Unschuld, der völligen Verblendung, zurückkehren. Das Ergebnis ist eine widersprüchliche Erfahrung:
eine Art innerer Kampf zwischen dem festhalten an der Leugnung und dem akzeptieren der Wahrheit.
Die Frage, mit wem ich da zusammen war, stellte ich ihm in dem Moment, als ich ihn demaskierte, ich sagte drei Sätze, die sich mir in die Seele eingebrannt haben: "Ich weiß nicht, wer du bist!", "Ich dachte, du bist ein guter Mensch, aber ich stelle fest, du bist ein schlechter Mensch" und "Du hast ein Doppelleben geführt".
Zitat:Hat hier jemand Erfahrung mit EMDR?
EMDR wird häufig bei Trauma Opfer angewandt. Ich habe Menschen kennengelernt, denen dies geholfen hat, anderen wiederum hat es nichts gebracht. Ich denke, das ist schlichtweg individuell verschieden, eben weil der Mensch ein individuelles Wesen ist. Du musst es ganz einfach ausprobieren.
Ja, die Versorgungslage für Opfer von Narzissten sieht therapeutisch sehr schlecht aus. Ich habe nur eine Selbsthilfegruppe in ganz Deutschland gefunden, und auch nicht jeder Therapeut ist ein Experte auf dem Gebiet der narzisstischen Missbrauchsbeziehungen.
Es gibt allerdings eine Homöopathin aus dem Bergischen Land, die therapeutisch mit Opfern einer narzisstischen Beziehung arbeitet. Dies wird allerdings nicht von den Krankenkassen getragen.
LG
Kimberly