Hallo @all,
habt vielen Dank für eure Glückwünsche zu meinem Geburtstag! Er war in der Tat ein Geburts - Tag - ein Tag, an dem etwas in mir, in Bezug auf das N-Thema in mir "neu geboren" wurde.
@ Medium
Nachdem ich den von dir geposteten anthroposophischen Text gelesen hatte, habe ich etwas für mich erkannt - und nicht nur das - ich habe in mir etwas erlebt, das mir wichtige Bausteine für meine Verarbeitung gegeben hat. Du fragtest nach diesen Bausteinen.
Nun ja, ehrlich gesagt spricht mir der Beitrag von @EndlichFrei aus dem Herzen. Ich habe für mich durch den Artikel erkannt, dass ich selbst in der Verarbeitung nicht ehrlich zu mir selbst war. Auf dem Weg, mit der Verletzung irgendwie zurecht zu kommen, war es ein Leichtes für mich, meinen N als "den Schuldigen" und das Objekt (ja, Objekt, nicht Subjekt) auszumachen, auf dem ich all meine Wut abladen kann, ihn abwerten kann, wie mir beliebt und mich in seiner Abwertung aufwerten kann, um mich besser zu fühlen. Aber selbst das half mir nur periodisch weiter - die Verletzung brach immer wieder aufs Neue auf. Bis ich für mich erkannt habe, dass ich mich erstmal fragen sollte, worin die eigentliche Verletzung, unter der ich gelitten habe, eigentlich bestand. Sicher, es mag die schöne Vorstellung gewesen sein, von dem Menschen, der er hätte sein können - aber nun mal nicht war. Die fehlende Genugtuung, dass ich leide, während er in seinem Leben einfach so - ohne mich - weiterlebt, als hätte es mich nie gegeben.
Und dabei fiel mir auf, dass ich in Strukturen denke, die mir eigentlich fremd sind und die ich ablehne, weil sie meiner Philosophie vom Leben und der Art, wie ich das Leben bislang erlebte, nicht entsprechen:
In meiner Wut spiegelt sich der Neid, Besitzdenken, verletzter Stolz und Eitelkeit, Missgunst und Aggression, weil ich mit meiner eigenen Ohn-Macht konfrontiert wurde, schlechte Wünsche an einen Menschen, den ich nicht ändern kann und ihm vielleicht gerade deswegen die Pest an den Hals gewünscht habe - und das alles nur, weil ich einem Menschen begegnet bin, der in einer Erfahrungswelt lebt, die ich nicht betreten, nicht beeinflussen und nicht "gerade rücken" kann.
Statt mich auf mich und meine "Welt" zu konzentrieren, war es bequemer für mich, Erklärungen für SEIN Verhalten zu finden, mich in seinen Kopf einzudenken - statt mich darum zu kümmern, was mit mir ist.
Der Artikel und auch der Beitrag von @EndlichFrei bringen es für mich auf den Punkt:
Er IST SO. Punkt.
Und der Ort, an dem ich das akzeptieren kann und auch akzeptieren kann, dass ich so bin wie ich bin - völlig wertfrei, ohne Wut, ohne die Täter-Opfer-Schublade, ist der Ort, wo ich mich und ihn und diese Begegnung in Frieden sein lassen kann. Der Ort, an dem ich frei bin von Verletzung, frei bin von Abhängigkeit und Anhaftung - wie die Buddhisten zu sagen pflegen.
Letztlich lebt jeder Mensch sein Leben in der Weise, in dem es ihm möglich ist, zu leben. Wer bin ich also, bewerten zu können, ob ein Mensch gut oder schlecht ist? Ob ich besser bin als er oder nicht? Besser, schlechter... - gibt's das überhaupt? Nein, in meiner Welt nicht. Menschen, Situationen und Erlebnisse sind wie sie sind - und das ist alles, was sie zu sein brauchen. Jeder Mensch hat die Wahl (nicht die Pflicht), sich weiterzuentwickeln oder nicht, die eigenen Bedürfnisse über die eines anderen zu stellen, oder nicht. Und jeder Mensch hat das Recht darauf selbst zu entscheiden, Dinge, die andere ihm als Fehler vorwerfen, zu ändern oder nicht zu ändern. Jeder Mensch ist frei in seiner Entscheidung. Auch ich bin frei in meiner Entscheidung - so wie jeder hier in diesem Forum auch - zu entscheiden, welchen Stellenwert er seiner Erfahrung mit seinem N geben möchte.
Ich habe für mich erkannt, dass ich das Beste aus dieser Beziehung mitnehmen möchte. Einer dieser Bausteine ist die Erkenntnis, dass mein N mich etwas sehr wichtiges gelehrt hat - vielleicht das Wichtigste, das man durch andere Menschen lernen kann: Akzeptanz, Grenzen, Selbstfürsorge, Toleranz.
Solange ich nicht in der Lage bin, von meiner Wut, meinem Stolz und meiner Furcht, eine Andere könne besser sein, als ich, oder gar der Furcht, er könne sich als Sieger fühlen, während ich am Boden liege - solange ich von diesen engen Denkschubladen nicht loslassen kann, solange werde ich abhängig bleiben, unfrei und nicht bei mir sein.
Seit meinem Geburtstag bin ich frei von alledem, habe Frieden in mir, der andauert. Da ist kein Schmerz, keine Wut, kein "wie konnte er nur?".... da ist nur ein: Es ist so. Er ist so. Ich bin so. Und zum ersten Mal habe ich in mir auch ihm gegenüber nur ein bestimmtes, starkes Gefühl, das sich gut anfühlt:
Ich wünsche ihm von Herzen alles Gute. Ich wünsche ihm keinen Schmerz, keine Reue, keine Verletzungen, die ihm durch andere beigebracht werden - sondern ich wünsche ihm alles Gute. Und das gleiche wünsche ich mir. Und als ich dieses Gefühl zum ersten Mal hatte, wurde das, was passierte, erstmals zur Erinnerung. Der Film endete. Keine Verstrickungen, keine Fäden zu ihm, keine Anhaftungen - nur Ruhe. Ich ruhe in mir.
Etwas in mir formiert sich ganz neu und ich schaue staunend in mich selbst. Ich hab Frieden in mir. Er ist wie er ist, ich bin wie ich bin und das, was ich erlebte, ist, was es ist. Eine Erfahrung, aus der ich etwas Gutes machen kann.