Guten Morgen zusammen

Hallo Endlichfrei,
ich habe heute Nacht euren Disput mitverfolgt und habe überlegt, was ich für einen Standpunkt habe...Und mir ist etwas aufgefallen: ich finde mich in Jordis, aber auch in Endlichfrei`s Beiträgen wieder (die Art der Kommunikation erst mal außen vor lassend).
Ich habe festgestellt, dass beide Ansichten in mir vertreten waren und sind. Als ich noch ganz frisch getrennt war, zutiefst verletzt war und mir irgendwann kaum noch zu helfen wusste, da entdeckte ich Gedanken für mich, die Endlichfrei`s Anischten ähneln. Ich habe meinen N als eine Art Hinweisschild auf meine alten Wunden gesehen...habe eingesehen, dass ich es war, die mit sich machen ließ etc. Und ich fühlte mich schlagartig befreit von meinen Qualen. Ich wähnte mich auf dem richtigem Weg weil ich mich gut fühlte, und- um es salopp zu sagen- sogar ein Gefühl von allumfassender Liebe hatte
Heute sehe ich das als einen Versuch von mir an, meine Schmerzen, Verletzungen mal wieder und möglichst schnell loszuwerden. Ich ging im Verständnis, in der Akzeptanz, im Verzeihen auf...DAS aber tat ich bereits in der Beziehung unentwegt. Er der rücksichtslose Mann, ich die verständnisvolle "Gefühlsfrau" (Endlichfrei). Ich trieb also nach Ende der Beziehung das weiter, was ich schon in der Beziehung bis zum Selbstverlust trieb: ich hatte Verständnis, ich liebte, ich verzieh, ich rationalissierte, statt zu fühlen: er hatte keine Chance, Zugang zu seinen Gefühlen zu bekommen. usw.
Ich finde es sehr wichtig, sich nicht in der Opferrolle zu verlieren, ja, es ist wichtig, zu erkennen: ich habe mit mir machen lassen (tun bereits alle hier). Aber ich finde es genau so wichtig, endlich auch mal meine Wut, meine Abneignung gegen das, was er tat, mein NEIN! zu fühlen. Wirklich zu fühlen, wie sehr ich ausgenutzt wurde. Und das tut weh. Sehr weh. Und- ich habe den psychologischem Mechanismus, der sich dahinter verbirgt, noch nicht recht begriffen- ich selbst weiß um diesen Trick meiner Psyche, mich mit meinem Akzeptanzgefühl, mit meiner allumfassenden Liebe (auch für den Narz) wieder schnell wohlig einzurichten. Ich habe den Verdacht, dass es einmal wieder eine Rationalisierung (unter dem Deckmantel der Güte?) ist, um meinen Gefühlen auszuweichen.
Endlichfrei, ich habe Deine Beiträge mitverfolgt. Und mir fiel ins Auge, wie schlagartig sich Deine Stimmung wandelte. Von tiefer Verzweiflung hin zur Güte (also so, wie ich es bei mir selbst erlebte). Ich glaube aber, dass eine wirkliche Verarbeitung länger dauert, dass Schmerzen dazu gehören, dass Wut dazu gehört usw. Ich für meinen Teil bin jedenfalls sehr misstrauisch gegenüber meinem schlagartigem Gefühlsswitch gewesen. Ist es nicht vielleicht auch eine Ignoranz gegenüber eigenen, unliebsamen und schmerzlichen Gefühlen? Ich kenne das ebenfalls seit meiner Kindheit. Auch damals schon verdrängte ich alles Schreckliche und ging im Verständnis, in der Liebe auf. Führen wir mit dieser Haltung nicht unsere alte Rolle weiter? Hier der Missbrauchende, der niemals solch Güte zeigen würde, dort die Missbrauchten, die für alles Verständnis und Nachsicht zeigen?
Noch etwas, was an Dich gerichtet ist Endlichfrei. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir Menschen, wenn wir wirklich Frieden mit uns und unserer Geschichte gefunden haben, dass wir dann liebevoll mit anderen umgehen. Deinen Umgang mit den Usern hier empfinde ich aber eher etwas von oben herab belehrend: ich bin diejenige, die es gecheckt hat und gebe euch einige Hinweise...Ich habe den Eindruck, dass Du gegen genau das hier bei Usern anschreibst, was Du in Dir selbst zum Schweigen gebracht hast: tiefe Verletztheit, Aufschreie, Wut. Ich glaube, wer frei ist, frei von dem Erlebten, der gesteht jedem anderen ALL seine Gefühle ein. Der gesteht den anderen ihren Weg zu ihrer Wahrheit ein. Der bleibt fragend. Ich bin auch über Beiträge von Dir in anderen Threads gestolpert. Sie sind oftmals nicht schlecht aber weißt Du, was ihnen fehlt? Wärme. Gefühl. Deine Beiträge, so klug sie zuweilen auch sind, lesen sich für mich wie Rationalisierungen. Ich glaube nicht daran, dass eine Erkenntnis allein eine innere Entwicklung bedeutet. Ich vermute, dass Erkenntnis sich über eine Entwicklung, begleitet von mannigfaltigen Gefühlen ergibt. Du hast in Deinem anderen Thread von Deinen Eltern geschrieben. Deinem harten Vater, Deiner zu weichen Mutter. Und- um ehrlich zu sein- erscheinst Du mir gerade so, als würdest Du innerlich zwischen ihnen hin und her switchen. Mal die weiche Frau, die nur Gefühl ist und leidet, dann wieder übernimmt der intelligente, durchsetzungsstarke aber auch unerbittliche Vater die Regie. Ich habe Deine Beiträge sehr intensiv wahrgenommen. Mal die zutiefst unsichere Frau, mal die rationale Frau, die in dem Moment, wo sie über ihr Verzeihen, ihre Akzeptanz des Ns schreibst, auf für mich geheimnisvolle Weise aus dem Kontakt zu anderen Usern hier herauszutreten scheint.
Weiter schreibst Du, Du hast in der Beziehung ganze Badewannen voll geheult. Wo sind die Tränen jetzt? Wo ist Deine Weichheit? Ich würde Dir Deine Erkenntnisse eher abnehmen wenn Du in dem Moment wo Du sie hast, immer noch voller Gefühl (auch für andere) wärst. Bist Du es?
So. Das war mein Senf dazu, oder auch mein "Spiegel"
liebe Grüße!