Liebe Jordis,
Du hast allen Grund wütend und verletzt zu sein!
Noch etwas anderes. Ich glaube, es war Endlichfrei, die schrieb, dass sie gesehen hat, was ihr Ex hätte sein können...Auch ich glaube, dass wir wenn wir auf die Welt kommen, göttliche Wesen sind...und bin davon überzeugt, dass Traumatisierungen einen Menschen zu einem schlechten Menschen machen...ABER Rhabarber...ich habe den Verdacht, dass dieses tiefe Mitgefühl für jeden Mörder, jeden der andere emotional, physisch quält, ein gut Teil Verblendung sein kann (der ich selbst zuweilen anheimfalle

). Es ist der Glaube, dass JEDER noch so verkommene Mensch durch Liebe rehabilitiert werden kann, dass jeder Mensch in der Tiefe seines Wesens eigentlich das Bedürfnis hat, ein guter Mensch zu sein, ein fühlender, wohlwollender...Und ich gestehe, dass ich das Mittlerweile für eine Illusion halte. Es gibt leider einige Menschen, die sich nicht einen Funken Menschlichkeit erhalten haben (ja, sicherlich bedingt durch frühe Traumatisierungen), ich glaube, dass der Machthunger, die Destruktivität die Liebe völlig verdrängt hat. Zurück zu "der er hätte sein können" Vielleicht will er das gar nicht sein? Vielleicht ist da nicht der Hauch eines Bedürfnisses danach, das zu werden, was Du (wir) in ihm gesehen haben? Das ist vielleicht unsere Projektion, unsere Verblendung. Weil wir Liebe in uns tragen, denken wir, dass sie auch in jedem anderen stecken müsse...sei sie noch so verborgen...Es gibt aber Menschen, bei welchen diese Liebe sowas von gründlich und früh abgetötet wurde, das sie in ihnen fehlt und sie nicht im geringsten den Wunsch haben, sie wieder zu finden (und dies vielleicht wirklich unmöglich ist). Vielleicht ist er genau der, der er sein will?
Ich las vor Jahren ein Buch eines Psychoanalytikers, der mit Männern arbeitete, die andere Menschen auf jegliche Art missbrauchten. Dieser Analytiker sagte, es sei der größte Fehler vieler Psychologen, vieler Liebender, vieler Betrater, dass sie diesen Menschen mit Verständnis und Liebe begegnen. Das würde in jedem Fall ausgenutzt werden- und dies nicht um heil zu werden, um liebesfähig zu werden, sondern um wie gehabt Menschen zu manipulieren (sei es dadurch, dass man sich Vorteile verschafft, indem man heulend zusammenbricht und sein eigenes Los beklagt). Er schrieb- und das schockierte mich- die Täter hätten ihm hohnlächelnd von den naiven und aus ihrer Sicht dummen, wohlwollenden Therapeuten erzählt, die Verständnis zeigten und mit dem Täter an seiner Liebesfähigkeit arbeiteten. Er schrieb, solche Menschen reagieren nur auf eines: Autorität, Macht. Sie sind nicht im Inneren zu etwas liebevollem zu bewegen, sie sind nur durch eine Art Gegenmacht, oder eben durch Autorität dazu zu bewegen, ihrer eigenen Machtlust Einhalt zu gebieten. Leider. Es gibt einfach Menschen, die so früh innerlich verkümmert sind, dass mit Liebe nicht mehr viel auszurichten ist. Leider. Ausnahmen bestätigen die Regel.