Liebe Jordis,
schön, dass Du wieder da bist und die schwärzesten Stunden überstanden hast. Du hast Dich für Dich entschieden! Diese Entscheidung konntest nur Du treffen, aus Deinem Innersten heraus, ohne Druck
Immer wieder während der Beziehung und massiv in der schlimmsten Zeit, drängten sich mir Todeswünsche abwechselnd mit Todesängsten auf. Letztlich war es für mich ein innerer Hilferuf nach Ruhe und Angst, dass er mich innerlich tötet - nichts Anderes, denn ich lebe verdammich gerne! Ich habe mich immer wieder für mein Leben endschieden, mich Stück für Stück frei gekämpft und nun, mich eigenverantwortlich um meine Ruhe gekümmert. Das meinte ich u. a., als ich neulich schrieb "es geht um mein Überleben". Jeder Schritt befreite mich gefühlt aus meinem Opferdasein. Da war sehr wichtig für mich, jede noch so kleine Abgrenzung.
In diesem Sinne möchte ich Dir und alle, die es interessiert, meine Gedanken zu Deiner Frage zur Verfügung stellen.
Zitat von Jordis:Ich habe eine Frage, und wenn es geht, möchte ich Euch bitten, sie so rational und ohne Eigenverletzung zu beantworten wie möglich:
Mein Narz sagt, dass jede Verletzung die er mir zugefügt hat, jedes abwertende Verhalten etc. nicht bewußt passiert ist. Es wäre ihm nicht klar gewesen und keinesfalls beabsichtigt. Er sieht angeblich ein, dass er mich damit verletzt hat, aber behauptet, das seien unbewußte Vorgänge. Mein Exmann sagt das auch so. Beide sind Subtile. Beide halten sich für gute Menschen. Keine offene Gewalt, keine offene verbale Kritik.
Also. Ist das Unsinn, oder kann das stimmen?
Ich denke, es ist sehr unterschiedlich, ob/wie ein N. die von ihm zugefügten Verletzungen wahrnimmt und steuern kann, bzw. auch, wie er sich selbst wahrnimmt. M. M. n. hängt das von der Schwere der Störung und der ggf. Kombi mit anderen Störungen ab.
Die Störung ist ja frühkindlich entstanden, meist aus sehr gravierenden existentiellen Gründen. Menschen mit dieser Störung leben also fast ihr ganzes Leben lang in einer komplett anderen Realität. Zudem konnten sie keine oder nur eine verkrüppelte Empathiefähigkeit entwickeln. Sie haben meist sehr schräge Verhaltensweisen gelernt, wie sie Mami/Papi dazu bringen, ihre frühkindlichen Bedürfnisse zu erfüllen. Da es jedoch eine Störung ist, können sie ihre Welt mit der Normalo-Welt nicht angleichen, sowie ihre schrägen Verhaltensweisen Bedürfniserfüllung nicht korrigieren.
So suchen sie noch nach dieser Bedürfniserfüllung, oftmals die bedingungslose Mutterliebe würde ich meinen. Mangels Lernfähigkeit reinszenieren sie ihr frühkindliches Trauma auf Kosten von Partner/in stetig neu. Mangels Empathiefähigkeit werden die Verletzungen dieser
nicht wirklich wahrgenommen, d. h. nicht nachempfunden. Aufgrund des Steckengebliebenseins in einer sehr frühkindlichen Phase, wo z. B. die bedingungslose Mutterliebe das Grundrecht ist, sehen sie Partner/in in der Verantwortung, diese zu geben. Es fehlt jedoch der Grundstein, so dass jede Liebe ins Fass ohne Boden fällt: Partner/in hat versagt und ist Schuld, an allem!
Ich glaube, dass ein N. (je nach Ausprägung und Kombi...) vieles nicht merkt und nicht bewußt tut, sondern wg. anderer Realität, existentieller eigener Verletzung etc. zwangshaft. Ab und zu gibt es helle Momente und ihm tut das Ergebnis (meist um seiner selbst willen) leid. Manches Mal nimmt er jedoch die bewußte Verletzung des Anderen in Kauf, um seine frühkindlichen Bedürfnisse erfüllt zu bekommen.
So möchte sich jedoch keiner sehen, ist doch klar! Da wird am Selbstbild viel gehübscht, Ursache-Wirkung verdreht, eigenes Verhalten ausgeblendet, nur das Positive gesehen etc. Ich denke, die glauben sich dies zum Überleben selbst.
Doch: ein erwachsener Mensch kann sich entscheiden und ist verantwortlich für sich und sein tun. Bewusst hin oder her! Ich kann manchmal auch nicht nachfühlen, was andere verletzt, dennoch entschuldige ich mich und achte künftig darauf. Denn ich weiss durch Kommunikation dann einfach, dass dem so ist und ich respektiere dies.
Fazit: ich weiss nochmal mehr, dass ich in Sicherheit bleiben muss! Wer sich seines verletzenden Verhaltens nicht bewusst ist, es billigend in Kauf nimmt um sein vermeindliches Recht zu bekommen und zwanghaft, sowie im Überlebensmodus geschaltet ist, wird sich stets wie ein Ertrinkender verhalten, der mich in Panik mit unter Wasser zieht, wenn ich ihn retten will oder nur in seine Nähe komme.
Ergebnis: beide tot
@Cilli: ich finde auch Deinen Beitrag dazu sehr interessant, auch wenn ich wenig konform bin. Hast Du dazu noch mehr "Futter"?
Herzliche Grüße an alle

Momo