Resonare
Gast
Zitat:Ich habe eine Frage, und wenn es geht, möchte ich Euch bitten, sie so rational und ohne Eigenverletzung zu beantworten wie möglich:
Mein Narz sagt, dass jede Verletzung die er mir zugefügt hat, jedes abwertende Verhalten etc. nicht bewußt passiert ist. Es wäre ihm nicht klar gewesen und keinesfalls beabsichtigt. Er sieht angeblich ein, dass er mich damit verletzt hat, aber behauptet, das seien unbewußte Vorgänge. Mein Exmann sagt das auch so. Beide sind Subtile. Beide halten sich für gute Menschen. Keine offene Gewalt, keine offene verbale Kritik.
Also. Ist das Unsinn, oder kann das stimmen?
Ich denke auch, dass es unterschiedliche Antworten darauf gibt- je nach Ausprägung der Krankheit und ich kann nur von meinen persönlichen Erfahrungen sprechen und diese sagen mir, Verletzungen geschahen eher nicht bewusst. Nachher kommt aber noch das große "Aber".
Nehmen wir ein Beispiel, das ich selbst erlebte. In der Anfangsphase, als ich einfach nur verliebt war, ihn also anstrahlte und einfach glücklich war, wenn wir Zeit miteinander verbrachten, dann kam genau das als Echo zurück. Das kennt ihr alle- er spiegelte sich in meiner Verliebtheit.
Man lernt sich besser kennen und es gibt auch mal Diskrepanzen, man kritisiert eine Kleinigkeit, man lobt nicht alles in den Himmel...eigentlich Kleinigkeiten aber für die fragile Seele des Narz ist das ein Frontalangriff auf seine Person. Mein Narz hat die kleinste Kritik als Vernichtung wahrgenommen und um sich zu schützen, musste er mich klein machen, oder mir seine Liebe entziehen, um vor mir wieder groß zu werden.
Wenn Du so willst, ist es also Notwehr und geschieht im blitzschnellem Refelx und weniger in der Absicht, Dich zu verletzen.
Einem Narz geht es immer um Macht. Nur das gibt ihm Sicherheit. Man könnte also- wohlwollend betrachtet- sagen, er erniedrigte und irgnorierte mich in diesen Situationen nicht, um mich zu verletzen, sondern, um sich zu retten. Eine Art Reflex bei ihm. So z.B. auch wenn wir ausgingen und er bemerkte, dass ein anderer Mann mir Aufmerksamkeit schenkte. Sofort flirtete er mit anderen Frauen, um sein Ego zu pushen.
Wieder: er verletzte mich weil er sich verletzt FÜHLTE. Notwehr.
Bei meinem Narz war Liebesentzug die beliebteste Masche- eisige Ignoranz. Was bezweckte er damit? Er genoss meine Aufmerksamkeit, mein Geheul denn es gab ihm die Sicherheit, dass er mich in der Hand hat.
Wieder Notwehr.
So jetzt das "Aber". Selbst wenn es also "unbewusst" geschieht, die Folgen, nämlich das Leiden der Partnerin, die sind auch für einen Narz sichtbar. Er sieht das wir weinen, er sieht dass wir nicht mehr essen können, er liest die zahllosen Briefe an ihn...Er nimmt es hin. Das ist für mich der entscheidende Punkt! Wir alle sind manchmal ungerecht, behandeln jemand schlecht, fahren eine Freundin im Stress an aber wenn wir die Reaktion im Gesicht der Freundin sehen- Verletzung, Trauer...Dann können wir es kaum ertragen und wollen sie gleich herzen oder nicht?
Ein empathischer Mensch könnte das Leid des Partners garnicht ertragen.
Und es ist wohl genau so wie Momo schrieb: es sind Säugnlinge mit Bedürfnissen und Babies schreien auch die ganze Nacht hindurch, auch wenn Mama bereits vor Verzweiflung weint.
Das kann ich alles nachvollziehen, kann es verstehen aber ertragen kann ich es nicht. Und ich wüsste heute nicht mehr, warum ich mir das antun sollte.
Ein anderes Beispiel- Fremdgehen. Ein Narz geht fremd und wenn die Partnerin es herausfindet, dann kann er keine Verantwortung dafür übernehmen weil das ja eine Kritik an ihm, eine Infragestellung seines Handelns bedeuten würde.
Eine Schwäche zuzugeben ist aber wie gesagt für ihn eine Art Selbstauflösung.
Sein gradioses, fehlerloses möchtegern-Ich bricht sofort in sich zusammen.
Er ist perfekt oder er ist nichts. Somit wird das einen Fehler einzugestehen eine derartig große Bedrohung für ihn, dass er meint sich gegen den Angreifer zur Wehr setzen zu müssen. Alles in ihm ist auf Abwehr und die Partnerin wird in seinen Augen zum Aggressor. Und so kramt und sammelt er sich für sich selbst unzählige "Rechtfertigungen" für seinen Fehltritt zusammen: ich habs ja nur getan weil Du....nur noch herumgezetert hast, weil Du mir S vorenthalten hast, weil ich mich so...gefühlt habe. Die Partnerin ist also Schuld.
Und es bleibt im Narz nicht der kleinste Raum für etwas Mitgefühl für seine Freundin, die gerade sehr verletzt ist. Denn der Arme muss sich schützen.
Viele Ablenkungsmanöver, Irritationen, Schuldzuweisungen während meiner Versuche, ein vernüftiges Beziehungsgespräch mit ihm zu führen, rührten nicht vorrangig daher, dass er es genoss, mich zu verwirren, sondern daher, dass er mich oft nicht verstand. Da er überhaupt keinen Zugang zu sich hat, konnte er garnicht begreifen, was ich von ihm will. Er sollte sich mit sich selbst auseinander setzen- aber er hats noch nie getan. Er weiß nicht, was das ist. Also wieder "unbewusst" nichtsdestotrotz tief schädigend für meine Seele.
Das sind meine Erfahrungen und ich glaube, dass mein Narz wirklich unbewusst handelte. Aber das macht es für mich keinen Deut weniger schlimm- für MICH.
Denn was habe ich denn von einem Mann, der so schwach ist, dass er mich noch angreift, wenn er mich betrügt?
Der nicht das leiseste Mitgefühl für mich entwickeln kann (aus welchen Gründen auch immer) und mich verlässlich mit all meinen Gefühlen allein lässt?
Mit dem ich nie ein Beziehungsgespräch führen kann weil Mister Perfect dann droht, in sich zusammen zu klappen?
Der meine Entfaltung als Bedrohung wahrnimmt und mich deswegen erniedrigt?
Der selbst meine durch ihn ausgelöste Trauer als Zumutung empfindet und sich eine kleine Bewunderungsstreicheleinheit bei einer anderen Frau sucht?
Liebe Jordis, selbst wenn er nicht anders kann- kannst denn Du damit leben nur weil Du weißt, dass er es vielleicht nicht bewusst tut?
Ich schreibe all das auch, um mir selbst noch mal wirklich klar über diese Frage zu werden denn ich muss mich vor meinem Mitgefühl hüten. Also bitte fasse diesen Post bitte nicht all "Zudröhnen" von mir auf
Eine Einsicht hat mich einmal sehr schockiert. Ich glaube nicht, dass man Empathie erlernen kann, wenn man sie nicht in sich trägt. Das bedeutete für mich die absolute Aussichtslosigkeit. Bankrotterklärung. An diesem Punkt war mir so klar, dass wir keine Chance haben. Es ist tatsächlich nichts anderes, einem Blinden das Sehen beibringen zu wollen. Selbst wenn er wollte, ich glaube nicht, dass er es lernen kann.
Übrigens Jordis, auch mein Narz hat Tränen vergossen und er hat mir Leid getan! Er war ein Häufchen Elend. Ich sagte mir, na da ist ja doch Gefühl. Nein, es war stets nur Selbstmitleid. Und wenn er mir entgegen kam, wenn er sich mal entschuldigte, dann wusste er NIE, warum er es tat
Ich unterstelle das alles nicht Deinem Freund, ich schreibe Dir nur, was ich erfahren habe.
Ein guter Orientierungspunkt ist immer: fragt er (jetzt in seiner verzweifelten Phase) auch nach Dir? Fragt er "Jordis, ich habe noch einmal über unseren Konflikt vor zwei Monaten nachgedacht und ich denke, ich habe einen Fehler begangen...es war sicherlich sehr schmerzhaft für Dich...Wie hast Du Dich gefühlt?...Es tut mir so Leid, dass ich Dich damit allein gelassen habe..." und ähnliches. Wenn so etwas (also wirkliches Interesse an Deinen Gefühlen) nicht kommt, statt dessen nur Rechtfertigungen alias Erklärungen für sein Fehlverhalten, mit der einzigen Absicht, Dich wieder für ihn zu gewinnen, dann hat sich bei ihm nichts getan. Solange es nur darum geht, dass er sich so mies verhalten hat weil....sein Leidensweg..., solange er kein Interesse an Deinen Gefühlen hat, bleibt alles beim Alten.
Ich habe mich mal im em-life Forum umgesehen und da wird mein Narz detailliert beschrieben. Auf ihn treffen fast alle Beschreibungen zu. Danke für diesen Link!
Gute Nacht @all
Ihr ward ja gestern witzig und produktiv hier unterwegs, während ich meinen Senf anrürte. Freut mich, wenn einige etwas damit anfangen konnten. Tolle Beiträge auch von Euch, danke
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