Hi, Saxana!
Ja, Fragen werden immer übrig bleiben, denn die Antworten bleiben uns unsere Ex-Partner schuldig.
Einige Antworten und Hinweise, die ich aber nicht verstanden hatte, bekam ich aber schon in der Beziehung.
Ich bekam am Anfang der Beziehung von ihr ein Gedicht/Spruch geschenkt: Selbstliebe (von Charlie Chaplin, ironischer Weise ja bekannt dafür, dass er extrem narzisstische Züge hatte).
Ich meine, natürlich habe ich mich damals über das handgeschriebene Gedicht von ihr gefreut, war aber gleichzeitig aber über den Inhalt etwas - naja - verwirrt. Denn gerade am Anfang der Beziehung habe ich da irgendwie aus der Situation heraus mit was anderem gerechnet - (eher mit mit einem Text, der ihre Gefühle für mich ausdrücken oder was gemeinsames beschreiben - jetzt nicht aus einer Erwartungshaltung heraus, sondern vom Emotionalen her), aber nicht mit etwas, dass mich darauf hinweist, dass ich mich erst mal selbst lieben können muss. Natürlich habe ich diese Verworrenheit dann ganz schnell Beiseite geschoben und es eben als liebevolles Geschenk gesehen. Jetzt im Nachhinein kam mir das wie das erste Zeichen dafür vor, dass sie da bereits etwas von sich auf mich projiziert hatte.
Im Laufe der Beziehung war dann auch das Wort "Schuld" immer mehr bei ihr in den Mittelpunkt gerückt, wenn es um irgendwelche Beziehungsprobleme ging. Wenn ich normal mit ihr reden wollte, kamen auf Fragen meinerseits immer weniger Antworten, sondern statt eine Antwort, die Aussage, dass ich ihr mit dieser Fragestellung "Schuld" zuweisen wollte, und schwupps, ging die Argumentation in diesem Thema auf, anstatt um den eigentlichen Punkt weitergeführt werden zu können.
Als die Beziehung am Ende war, kam sie dann weinend zu mir und meinte, sie hätte es gerade dem jüngeren der Kinder erzählt. Dieses hatte sie dann gefragt, ob das jetzt wieder das gleiche wie bei Papa und ihr damals wäre, was meine Ex wohl bejaht hatte (was da "gleich war" habe ich nie erfahren). Und dann meinte meine Ex, dass das Kind zu ihr gesagt hätte, dass man ihr viel weniger ansehen würde, dass sie traurig wäre, als mir.
Weil meine Ex dabei in Tränen aufgelöst vor mir stand, wollte ich sie in diesem Moment natürlich wieder in den Arm nehmen, da kam der Satz: "Wegen DIR bin ich jetzt wieder die böse Mama!" Schwups, emotionaler Magenschwinger, und da war wieder das Thema Schuld.
Ich weiß nicht wie es Euch da so gegangen ist oder noch so geht:
Ich habe dieses "Abschlußgespräch" oder die "Aussprache", die wir letztlich nie in vernünftiger Form bekommen werden - mit meiner Ex sooo oft im Kopf durchgespielt. All die Fragen, die ich hätte.
Und mit der Zeit, als die Dinge für mich langsam begreifbar wurden und trotzdem eine gewisse Fassungslosigkeit zurückblieb, hatte sich aber durch das langsame Begreifen, wie meine Ex letztlich agiert hat, dieses "Gespräch" mit immer mehr Fragen gefüllt.
Aber ich hatte zugleich alle Antworten im Kopf, die sie mir geben könnte, wie sie eben auch in allen Situationen IN der Beziehung auf Fragen geantwortet hatte. Und egal, wie ich mir den Gesprächsverlauf vorgestellt hatte, wusste ich, dass ich von ihr nur Unverständnis, Vorwürfe oder weitere Abwertung als Antwort bekommen wurde - kein klärendes Gespräch - und ich kam irgendwann an den Punkt, als ich nochmal sehr traurig wurde, weil ich Begriff, dass ich mir nicht einen einzigen Satz von ihr vorstellen konnte, der nicht wieder bewusst oder unbewusst darauf abzielte, nochmal nach zu treten.
Jeder einzelne Beitrag von Euch hilft mir und vielen anderen und vielleicht auch manchmal dem Ersteller selbst. Es tut so gut, zu wissen, dass hier Menschen sind, die ähnliche Schicksale erfahren haben und das ganze Ausmaß eines solchen Beziehungsdesasters nachvollziehen können. Es erleichtert letztlich jedem von uns den "Heilungsprozess" und hält vielleicht so einige davon ab, wieder in eine solche ver- und zerstörende Beziehung zurück zu fallen. Und dafür müsste ich bei jedem einzelnen Beitrag jetzt auf den "Danke-Button" drücken
Grüße,
puzzle