Zitat von Herbstfee2014:
Bei der Trennung gab er mir 100% Schuld. Aber im letzten Telefonat gab er sich eine ganz kleine Teilschuld, machte aber dennoch klar, dass ich überwiegend Schuld hätte. .
So sind sie leider. Es ist ihr Muster. Wenn sie nicht spalten würden, gingen sie daran zugrunde. Ich wette, meiner gibt mir auch die Schuld an der Trennung, obwohl er mich entsorgt hat. Ich bin davon überzeugt, dass er tief in sich drin denkt, ich hätte ja nicht gehen müssen. Er guckte auch ganz ungläubig, als ich ihm zwei Tage nach der Trennung eröffnete, ich hätte eine neue Wohnung gefunden und würde in der Woche darauf ausziehen. In seinem Blick las ich echt die Verwunderung, so nach dem Motto „Wie, die geht jetzt wirklich?“
Zitat von Herbstfee2014:
Nein, ich werfe mein Leben nicht weg, aber sehr lebenswert ist es schon lange nicht mehr. Immer wenn ich denke, es geht aufwärts kommen solche Tage wie heute.
Es wird aber wieder lebenswert, für dich, für mich, für uns alle. Diese Momente werden seltener und dauern kürzer an. Wie gesagt, ich bin auch noch sehr sehr oft traurig und weine um meinen Verlust. Aber wenn ich daran denke, wie es mir in den ersten drei Monaten ging… Ich war wie ein Zombie. Hab nicht geschlafen, nicht gegessen, nur geheult. Die Haut unter meinen Augen hat sich schon angefühlt wie Papier, so durchweicht war die. Heute kann ich demgegenüber schon eine deutliche Verbesserung spüren. Und wer weiß, wie es aussieht, wenn noch mal drei Monate vergangen sind. Es wird besser. In kleinen Schritten und mit Rückfällen, aber es wird langsam besser.
Nicht besser wird es aber für diese Bordis und Narze. Die sind in ihrer Dunkelheit gefangen. Wir nicht. Das ist ihre Dunkelheit die wir spüren, ihre Dunkelheit, die sie auf uns übertragen habe. Aber wir kommen wieder da heraus. Wir haben nämlich auch vor dieser Beziehung im Licht gelebt. Sonst wären wir gar nicht interessant für die gewesen.
Zitat von Herbstfee2014:
Mein Ex begriff ebenfalls nicht, wie verletzend er zu mir war. Für ihn war das alles normal und legitim. Was er im Elternhaus erlebt, übte er an mir aus. Schließlich war das für ihn ja alles normal.
Meiner hatte einen Suizidversuch unternommen, als er achtzehn Jahre alt war weil er sein Leben (seine Eltern) einfach nicht mehr aushielt. Ich sagte dann mal zu ihm, dass er sich mir gegenüber genauso verhalten würde, wie es seine Eltern es ihm gegenüber getan hätten. Und er wisse doch, wo ihn das hingeführt hat. Nämlich, dass er mit aufgeschnittenen Pulsadern in der Badewanne lag. Glaubst du, irgendetwas kam davon bei ihm an? Nein, nichts, aber auch gar nichts.
Zitat von Herbstfee2014:
(…)ich weiß, ich sollte ihm nicht schreiben. Aber wenn ich diesen Gedanken die nächsten Tage noch habe, dann MUSS ich es tun.
Bitte seid nicht böse auf mich...
Wir sind nicht böse. Weil wir dich eben so gut verstehen können. Weißt du was? Ich würde wahrscheinlich sogar wieder zurückgehen, wenn meiner ankäme und die richtigen Knöpfe drücken würde. Obwohl ich mittlerweile so viel weiß. Obwohl ich weiß, dass er sich nie ändern und mich immer weiter wie ein Stück Dreck behandeln wird. Kurz nach der Trennung drückte ich das noch drastischer aus: Ich würde ihm noch die Füße küssen, dafür dass der mich zurücknimmt und mich weiter wie Sche.ße behandelt. Es sind schon unheimliche Kräfte, die da wirken.
Was mich auch noch davon abhält, mich zu melden, ist dass es mir nach jedem Kontakt immer noch schlechter geht als vorher. In der „sehnsüchtigen“ Situation kann ich mir das natürlich nicht vorstellen. Aber es kommt doch eh keine befriedigende Reaktion. Das wirft mich dann jedes Mal noch mehr zurück, als einer dieser schlechten Tage. Die Verzweiflung ist dann tausend Mal schlimmer als die Sehnsucht, die ich vorher spürte. Es ist wie Tina schreibt. Es ist eine Sucht und jeder Kontakt ist wie ein Rückfall. Man beginnt gefühlt wieder bei Tag 1 der Verarbeitung.
Versuch es doch mal mit Tinas Vorschlag und schreibe es in ein Tagebuch. Oder schreib eine Mail, so das du das Gefühl hast, du adressierst ihn wirklich direkt. Dann speicher die als Entwurf und nimm dir vor, noch eine bestimmte Zeit mit dem Absenden zu warten. Und wenn dann dieser Zeitpunkt gekommen ist, ist das Bedürfnis vielleicht schon weniger geworden.
@Tina: „Verhaltensoriginell“ fand ich übrigens super…
