Liebe Warumnochmal, ich drück Dich ganz doll. Ich kann Dich sooo gut verstehen! Bei mir sind es jetzt 2 Monate und manchmal denke ich, er hat evtl. auch schon wieder eine Neue.
All das, was Du beschreibst, kann ich nachfühlen. Nein, ich möchte ihn auch nicht wieder, aber so früh mitzuerleben, wie er mit einer anderen Vertraulichkeiten tauscht und eine schöne Zeit hat, wäre auch für mich sehr bitter. Zur Zeit zumindest noch.
Und so komme ich direkt zu Elims tollem Post, der mich sehr geflasht hat.
Es ist ja mitten in der Nacht und ich kann nicht schlafen. Ich hab insofern nochmal hier gelesen und es ist genau die Antwort, die ich für mich bzgl. des Loslass-Themas brauchte.
Was unsere liebe Herbstfee ins Felde warf mit der doch etwas Druck machenden Therapeutin, hat mich schon seit Tagen nachdenken lassen, warum ich alles weiß, aber noch immer nicht loslassen kann.
Und es ist wirklich so: ich KANN es noch nicht.
Ich muß noch trauern.
Leider kommen mir selten Tränen. Es ist eher ein unterschwellig gefühlter Schmerz. Manchmal wünschte ich, er käme öfter hoch mit aller Kraft.
Ich habe soviele Vertrautheiten aus meinen Kindertagen im ExNarz vereint gefunden, daß es mir nicht komisch vorkommt, in ihm einen mutmaßlichen Seelenverwandten getroffen haben zu wollen!
Würde er heute vor mir stehen, wäre ich mir nicht sicher, ob ich schon komplett resistent wäre. Aber ich BIN mir sicher, daß auch ich nicht lange bliebe.
Ich entwickele gerade ein neues Gefühl.
Heute hab ich mich ertappt beim inneren Zwiegespräch, als ich mir sagte: "Das darfst du dir nie wieder antun."
Ich beginne also, Fürsorge für mich selbst zu empfinden. Das ist nicht so selbstverständlich. Nicht auf allen Gebieten. In einigen Lebensbereichen kann ich das sehr gut, aber in Beziehungen bin ich mit meinen Bedürfnissen noch immer unsicherer als sonstwo.
Es hat mir also gefallen, auch eine Moral mir selbst gegenüber aufkeimen zu fühlen. Denn die Überforderung, die ich in dieser Exbeziehung immer wieder für mich selbst angenommen hab, wäre nun nicht nur keine selbstverständliche Alltäglichkeit mehr, sondern gar nicht mehr möglich.
Das ist ein Forschritt, finde ich und liebe Herbstfee, wenn Du am Freitag zur Therapeutin gehst, frag sie doch mal, was schon ein halbes Jahr sei in Bezug auf innere Überzeugungen, die man - unfreiwillig - schon ein ganzes Leben mit sich herumschleppt!
Diese gestörten Kreaturen hätten uns niemals erreichen können, hätten wir mehr Eigenfürsorge-Selbstverständnis mit uns. Da ist deren Eingangstür! Genau dort schließen sie uns auf oder wir öffnen eben die Tür von selbst. Wir sind alle sehr fürsorglich, nur uns selbst gegenüber hapert es.
Aber es nur zu verstehen, reicht halt nicht. Man muß das Alte, das gehen soll, eben auch betrauern und das braucht nicht nur Zeit, sondern es braucht auch Mut, sich auf neues Terrain zu begeben.
Und weil wir reflektieren können und wollen .. - im Gegensatz zu den Psychos -, schaffen wir das auch.
Und jetzt probier ich es nochmal mit dem Schlafen.
Gute Nacht oder guten Morgen, liebe Grüße, Kira