Zitat von Broken007:Nun ja, wir haben jahrelang zusammengewohnt. Es war alles wundervoll, bis auf den Tag als er vom Urlaub wiederkam und sagte, dass er jetzt ins Ausland wandert. Für eine kurze Zeit. es wäre immer schon sein Traum gewesen und er hätte n Job gefunden. D.h. es war kein Urlaub, sondern er hatte offensichtlich ein Vorstellungsgespräch dort. Weshalb er mich nicht dabei haben wollte. Ich war geschockt und habe ihn aus der Wohnung rausgeworfen. Es war ein Vertrauensbruch, dass er diese Entscheidung ohne meine Kenntnisnahme getrofen hatte.
Ich kann nachvollziehen, daß das ein Schock war und Du Deine Gefühle für ihn nicht von jetzt auf gleich runterfahren konntest. Daher verstehe ich auch, daß Du mit ihm in Kontakt geblieben bist, obwohl das meines Erachtens alles nur noch schlimmer macht, als es eh schon gelaufen ist.
Entscheidend ist, daß dieser Mann einfach hinter Deinem Rücken eine wesentliche Entscheidung angebahnt und getroffen hat, die in einer vertrauensvollen Partnerschaft rechtzeitig mit Dir zu bereden und zu klären gewesen wäre. Das heißt nicht, daß er nie hätte weggehen dürfen - meines Erachtens hat jeder Mensch das Recht, sich beruflich voll zu entfalten, jedenfalls sofern er Dich dafür nicht mit fünf Kindern und n'em Bauernhof voller Tiere allein in der Pampa zurückläßt und die dafür erforderliche Trennung zeitlich absehbar und / oder durch Besuche rechtzeitig (!) geregelt ist. Aber Dein Ex hielt es ja nicht mal für nötig, sich mit Dir (seiner Lebensgefährtin!) über diese Zäsur auch nur zu unterhalten, geschweige denn, daß die Aussicht auf ein endgültiges Beziehungsende (viele hätten ihn sofort auf no contact gesetzt nach so einer Aktion) ihn von deren Umsetzung abgehalten hätte.
Du schreibst, daß Du diesen Mann zurückwillst.
Ich glaube Dir, daß Ihr eine wunderschöne Zeit miteinander hattet, aber leider wirst Du einsehen müssen, daß diese eine, aber nachhaltig beziehungshinderliche Seite Deines Ex - wesentliche Entscheidungen in Sachen Lebensführung heimlich vorzubereiten und ohne jede weitere Diskussion mit Dir durchzuziehen - Dir über all die Jahre hinweg verborgen blieb. Mit anderen Worten: In all diesen Jahren hast Du die Raupe geliebt, mit der Du zusammen gewohnt hast - nicht den Schmetterling, der nun aus dem Kokon geschlüpft und ins Ausland abgeflattert ist.
Die Raupe gibt es so nicht mehr und den Schmetterling gilt es zu akzeptieren, wie er nun mal
ist: Unbeständig und flatterhaft -
im Falle Deines Einlenkens zudem bestärkt darin durch die Erfahrung, daß er Dich ja doch wieder um den Finger wickeln kann, wenn er nur hartnäckig genug am Ball bleibt.
Du denkst vermutlich, daß Du diesen Mann noch liebst.
Frag Dich bitte, ob es wirklich dieser Schmetterling (der er nun mal IST, wie sich jetzt herausgestellt hat) ist, den Du liebst, oder die Raupe - welche aber nicht mehr existiert (denn der Vertrauensbruch läßt sich nicht mehr rückgängig machen).
Frag Dich bitte, ob es wirklich dieser Schmetterling ist, den Du liebst, oder die Erinnerung an die wundervolle Zeit, die Dir mit der Raupe beschieden war.
Frag Dich bitte, ob es nicht für alle Beteiligten besser wäre, jetzt einen Schnitt zu machen und den Schmetterling auf No Contact zu setzen - damit Du zumindest diese Erinnerung an die Raupe noch in Deinem Herzen bewahren und so einigermaßen positiv mit diesem Lebenskapitel abschließen kannst, statt Dich nun in weiterer Folge mehr und mehr über den Schmetterling zu ärgern, bis am Ende überall nur noch Scherben herumliegen und selbst davon nichts mehr übrig bleibt.
Frag Dich bitte, ob es auf Dauer nicht sinnstiftender ist, im Gedanken weiterleben zu können, daß Du immerhin erleben durftest, wie es sich anfühlt, zu lieben - und somit auch zu erkennen, wenn ein anderer Mann eines vielleicht noch fernen Tages dasselbe Gefühl in Dir entfacht; statt nun der Liebe eines Schmetterlings hinterherzuhecheln, der niemals wieder in den Kokon zurückkehren kann und wird, in dem er sein Raupendasein zurückgelassen hat.
Frag Dich bitte, ob ein Ende mit Schrecken nicht anständiger ist, als jetzt seinem Drängen nachzugeben, bis ein Ende mit Schrecken daraus wird. Noch kannst Du mit angeschlagenen Flügeln, aber hoch erhobenem Kopf aus dieser Nummer rauskommen:
Schreib ihm, daß Du lange über alles nachgedacht hast und zu dem Schluß gekommen bist, daß seine Heimlichkrämerei bei der damaligen Entscheidungsfindung Dein Vertrauen in ihn als potentiellen Lebensgefährten nachhaltig zerstört hat und daß es Dich einfach nur noch anwidert, wie selbstverständlich er jetzt davon ausgeht, wieder bei Dir einziehen zu dürfen, als sei nichts weiter passiert.
Schreib ihm, Du hättest den Mann, mit dem Du so lange zusammenlebtest, mal sehr geliebt - aber den Fremden, der jetzt ständig bei Dir angetextet komme, mit dem möchtest Du keinen Kontakt mehr haben.
Schreib ihm, Du werdest Eure gemeinsame Zeit in bester Erinnerung behalten, aber eben drum würdest Du Dir nun jeden weiteren Kontaktversuch verbitten.
Wünsche ihm alles Gute für seinen weiteren Lebensweg und daß er irgendwann eine Frau finde, die weniger Probleme damit habe als Du, daß er es nicht für nötig halte, derart wesentliche Entscheidungen mutterseelenallein anzubahnen, ohne sich auch nur einen Moment lang zu fragen, was das mit der Partnerin macht. Für Dich sei das nun mal nichts, also nochmal: Schönen Tag, schönen Weg - adieu.
Danach blockier ihn auf sämtlichen Kanälen und laß Dich auf keinerlei Kontaktversuche von ihm mehr ein.
So mein Rat. ob Du ihm folgen magst, muß Du natürlich selbst wissen.
Alles Gute Dir.