Zitat von simwenn: Vielen Dank. Deine Worte tun gerade echt gut. Bin nämlich gerade wieder in so einem Tief. Ich muss ständig im Gedankenkarussell darüber nachdenken, wie unvorstellbar das Ganze ist. Ich hätte mir nie gedacht, dass dieser Mensch zu so etwas fähig ist. In meiner Welt gab es so etwas auch nicht.
Am Anfang die unschuldige einsame mit Kind gespielt und dann über sechs Jahre voll auf Familie und Liebe gemacht. Mit wirklich allem was dazu gehört. Dann war sie plötzlich ein anderer Mensch, oder der der sie wirklich ist, und zündete die Atombombe. Ob sie das alles selbst geglaubt oder sich selbst oder uns etwas vorgemacht hat, spielt jetzt eigentlich eine untergeordnete Rolle. Die Zerstörung und das Trauma sind da.
Wie konnte ich so einen Menschen so nah an mich lassen? Mit der Frage muss ich mich definitiv noch weiter auseinandersetzen. Mein Grundvertrauen ist beschädigt.
Aber, wie bereits gesagt, ich bin optimistisch, dass es jetzt sehr langsam besser wird.
Danke nochmal.
Ich dachte, ich lass Dir noch ein paar Worte da.
Liebeskummer ist ein Hund und es wird noch ein bißchen dauern, bis du nicht mehr aller paar Meter hinfällst oder dich eben die Fragen und Trauer gefangen nehmen. Aber langsam so wie im März, wenn die Sonne noch auf sich warten lässt, aber unter der Erde die Wurzeln schon kräftig treiben, werden die guten, stabilen Tage mehr und irgendwann scheint auch wieder die Sonne.
Zum Gedankenkarussell gibt es zwei Ansätze. Manchen hilft sich bewusst ein "Stopp" zu setzen. Also aktiv einzugreifen und dann sehr bewusst an etwas anderes denken. Was man mit den Kids vorhat, was man kochen möchte, oder eine Dankbarkeitsübung zu machen.
Der andere Ansatz lässt passieren ohne sich hineinziehen zu lassen. Die meisten Meditationen oder Achtsamkeitsprogramme bestehen aus ein paar grundsätzlichen Techniken, die es zu erlernen gilt. Eine der wichtigsten ist zu lernen Gefühle/Gedanken zu beobachten, also wahrnehmen aber nicht bewerten. Klingt ein bissl abstrakt, aber Du kannst Dir das so vorstellen: Du sitzt, wie die alten Leutchen mit Deinem Kissen am offenen Fenster und unter Dir ist eine Straßenbahnhaltestelle. Aller paar Minuten kommt eine neue Bim, Menschen steigen aus, andere steigen ein, die Bahn fährt ab. Du beobachtest das Treiben ohne selbst einzugreifen.
Statt also aktiv in den Widerstand zu gehen (Stopp), lässt du hier das Gedankenkarussell passieren, aber bleibst in einer beobachtenden Haltung. Beim ersten verlagerst Du aktiv Deine Energie (so ein Karussell) ist ja ein Kraftaufwand, beim zweiten versuchst Du passiv alle Energie bei Dir zu behalten, das Karussell nicht weiter zu "füttern", und Distanz zu gewinnen.
In Deiner Welt gibt so etwas einfach nicht

? Willkommen im Leben. Ich hab geschmunzelt als ich das las. Wie heißt es so schön, wir alle können uns nur vor den Kopf gucken. Es gibt ja nicht meine Welt, in der hin und wieder auch jemand psychisch erkrankt oder einen vollen Rappel bekommt und Deine, in der alles wie in einem lustigen Heimatfilm ausschaut, sondern es gibt diese Welt. Und in dieser Welt stiefeln Du und ich herum und machen neue, manchmal eben auch sehr unangenehme Erfahrungen.
Zitat von simwenn: Am Anfang die unschuldige einsame mit Kind gespielt und dann über sechs Jahre voll auf Familie und Liebe gemacht. Mit wirklich allem was dazu gehört. Dann war sie plötzlich ein anderer Mensch, oder der der sie wirklich ist, und zündete die Atombombe.
Erfahrungsgemäß, Ausnahmen sind möglich, spielt keiner 6 Jahre lang etwas. Das ist vom Kraftaufwand her eigentlich eher nicht möglich.
Daher finde ich diese Frage,
Zitat von simwenn: Wie konnte ich so einen Menschen so nah an mich lassen?
auch nicht nützlich. Verständlich ja, aber nicht nützlich.
Schau, ich habe gestern Deinen Thread in einem Ritt gelesen und dachte bei jedem neuen Beitrag von Dir, OMG diese Frau braucht ganz unbedingt Hilfe. Ich bin nicht vom Fach, mir stehen Diagnosen nicht zu, aber das von dir beschriebene Verhalten ist ja ganz weit weg von gesund. Impulskontrollstörung, sozial inadäquates Verhalten (Parkhaus), Suchtverhalten (Texterei und nicht aufhören können), eine aus der Kontrolle geratenen Libido (no shaming, sondern nur die Feststellung, daß sexuelle Wünsche sich entwickeln und sich nicht von jetzt auf gleich völlig und zwar völlig verändern), das depressive Verhalten, usw usf. Das spricht schon alles sehr für einen massiven Schub einer bereits existierenden Erkrankung bzw eben einen Ausbruch. So wie Du aber keinerlei Möglichkeit hast, jemanden der physisch erkrankt ist, zur Behandlung oder Anpassung der eigenen Lebensweise zu zwingen, so geht das eben auch nicht bei nicht physischen bzw physischen Erkrankungen die auch schwere psychische Veränderungen mit sich bringen können, wie zB MS. Grundsatz ist: Problemeinsicht und Veränderungswille.
Ist dies nicht gegeben, dann bleibt einem nur, wie Du es eben völlig richtig getan hast, Abgrenzung und dann auch Distanz. Du musst Dich schützen und du musst dann eben auch die Kids schützen, so weit es Dir möglich ist.
Wie konntest Du also nur "so jemanden" in Dein Leben lassen? Gegenfrage: Würdest Du Dich selbiges fragen, wenn Deine Partnerin an Krebs erkrankt wäre? Oder einen schweren Unfall hätte?
Das meine ich jetzt natürlich nicht als eine all umfassende Absolution. aber es ist ein bissl wie beim Autofahren, wenn Du jahrelang recht sicher fährst, hier mal ein Blechschaden, da mal ein neues Auto und dann einen schweren Unfall baust, dann verwirklicht sich da, was man das allgemeine Lebensrisiko nennt. Wenn du allerdings in einem großen Crash nach dem anderen verwickelt bist, dann liegt das tatsächlich an den eigenen Fahrkünsten.
Es ist sicher total sinnvoll, daß Du auch Deine Muster und Motive hinterfragst, das spricht sehr für Dich und ja sicher, Deine Identität als Beschützer, als Macher, als Problemlöser ist vielleicht ein wenig beschädigt und vielleicht auch Dein Weltbild, daß sich alles irgendwie schon lösen lässt, aber mit der Zeit wird es Dir ganz sicher gelingen, das zu integrieren und der Preis der dafür winkt, ist Reife und Empathie.
Was nun das Grundvertrauen angeht, wie wäre denn ein Re-Branding? Anstatt zu glauben, daß Du crazy von nicht crazy unterscheiden kannst, einfach darauf zu vertrauen, daß falls (und so oft kommt das ja nicht vor) crazy über die hereinbricht, Du gute, gesunde Strategien entwickelst, um so unbeschadet wie eben möglich aus der Sache hervorzugehen.
Darauf zu vertrauen, es möge bitte nie ein Unglück eintreten, ist Kindervertrauen. Das Vertrauen darauf, daß, wenn ein Unglück hereinbricht, man es überleben und verkraften wird (auch wenn es dauert) ist gesundes, reifes, erwachsenes Grundvertrauen.
Alles Liebe.