Tiefschwarz
Gast
meine Verzweiflung ist ziemlich groß, so wie sicher bei vielen, die hier schreiben. Dennoch erhoffe ich mir den ein oder anderen Rat...
Zur Situation: mein Mann und ich sind seit 10 Jahren zusammen, seit 7 Jahren verheiratet, haben vor 5 Jahren gebaut - bis dahin war unser Eheleben im Grunde perfekt.
Nach dem "Nestbau" sollte dann irgendwann eine Familie gegründet werden, aber es tat sich nichts. Hatte ich Anfangs noch meinen Körper in Verdacht, stellte sich nach 2 Jahren heraus, dass mein Mann zeugungsunfähig ist. Eine Ärzte-Odyssee folgte. Ich machte Hormontherapien mit, es kam zur künstlichen Befruchtung.
Nach dem ersten Versuch zweifelten die Ärzte daran, dass sich der Embryo einnisten würde - 14 Tage bangen und hoffen - ich wurde schwanger. Die Freude hielt nur einen Moment an - ich verlor den Embryo in der 9. Woche. Danach folgten diverse Bluttests - mein HCG-Wert (Schwangerschaftshormon) wollte nicht sinken... er stieg weiter... ich war noch immer schwanger - aber es war kein Embryo in der Fruchthöhle zu sehen.
Es begann eine Achterbahn der Gefühle... schwanger ... nicht schwanger... schwanger... dann plötzlich die Entdeckung: eine Eileiterschwangerschaft.
In einer Not-OP wurde der Embryo in der 11. Woche aus meinem Eileiter entfernt.
1 Jahr später ein weiterer Versuch - diesmal ganz ohne Erfolg, nur eine Eizelle ließ sich befruchten und diese wollte sich nicht einnisten.
Ich hatte keine Kraft mehr - ein Großteil des Ersparten war auch weg... also versuchte ich mich damit abzufinden, dass wir keine eigene Familie haben würden.
Ein Haustier wurde angeschafft - quasi als Kindersatz. Ich selbst rutschte aber mehr und mehr in eine Depression ab - gemerkt hab ich es selbst leider nicht... sicher ich hab viel geweint und hab mich selten zu irgendwas aufraffen können... aber gleich Depressionen? ICH doch nicht.
Mein Mann hat in der Zeit viel ertragen müssen - ich hab immer wieder seine Kraft und Stärke gebraucht, um mich am Leben zu erhalten. Das tägliche Leben wurde zunehmend anstrengender. Ohne seine Hilfe lief nichts mehr. Er hat seinen Frust geschluckt, nie einen Ton gesagt und entfernte sich innerlich immer stärker.
Durch die Not-OP hatten mir die Ärzte den Kiefer beim Intubieren ausgerenkt. eine monatelange sehr zeitintensive Therapie folgte... Fehlzeiten bei der Arbeit musste ich durch Gleitzeit wieder aufholen. Lange Arbeitszeiten waren die Folge.
Anfang diesen Jahres dann der nächste Schicksalsschlag: meine Eltern trennten sich nach 35 Jahren Ehe... mein (sonst so hochgeschätzter) Vater betrog meine Mutter über Jahre. Ich hab nur noch geweint, der Kontakt zum Vater brach ab. Ich sank tiefer in meine Depression.
Da lernte mein Mann eine neue Kollegin kennen. Was anfänglich nur kollegiale Sympathie war, loderte schnell zur Verliebtheit auf. Bei ihr war er mal wieder (nach eigenen Worten) "unbeschwert, frei und glücklich". Sie trafen sich - so beichtete er mir im September - in der Zeit zwischen April und Juni - dann so an die 10 Mal nach der Arbeit. Angeblich waren es Anfangs nur Spaziergänge... auch sie war in einer unglücklichen Beziehung... irgendwann kam es dann zu einem Kuss. Es kam immer wieder zu einem Kuss - aber "nie zum Sex"... wenn ich dem glauben darf, was er sagt. Er meinte, seine Scham wäre dann so riesig, er hätte sich dann nicht mehr nach Hause getraut.
Irgendwann sagte er ihr, er habe das Gefühl, sich in sie verliebt zu haben. Damit hatte sie wohl nicht gerechnet - sie wollte wohl nur ein wenig Spaß - und beendete den ganzen Spuk.
Von Juli - Sep. sprach er kein Wort mit mir darüber. Er wurde nur immer distanzierter, kritisierte mich häufiger, wir stritten plötzlich über Kleinigkeiten, die vorher nie eine Rolle gespielt hatten.
Dann irgendwann von mir die Frage: gibt es was, worüber wir reden sollten?
und dann platze die Bombe ... er gestand mir seinen Fehltritt.
Ich schmiss ihn vorübergehend raus, habe seine Nähe nicht ertragen, er ging in ein Hotel, um sich klare Gedanken zu verschaffen. Den Namen seiner Affaire wollte er mir "zu ihrem Schutz" nicht sagen, was mich zusätzlich sehr verletzte.
Wir redeten viel mit einander. Ich suchte mir einen Psychotherapeuten, der mit mir die Schicksalsschläge aufarbeitete. Ich lernte zu verstehen, dass es natürlich ist, dass man für die Flirtsignale anderer leicht empfänglich ist, wenn in der eigenen Beziehung etwas nicht stimmt.
Über einen Zeitraum von 3 Monaten näherten wir uns schrittweise wieder an. Wir redeten viel, meldeten uns gemeinsam zum Sport an, auch er besuchte einen Paartherapeuten. Ich hatte das Gefühl, wir machen Fortschritte. Ich versuchte zu vergessen und zu verzeihen. Es gab viele Tränen, aber wir haben auch wieder viel gelacht.
Und nun:
ich musste für ein paar Tagen ins Krankenhaus. Als ich wieder draußen war, verhielt er sich wieder so distanziert... ausweichender Blick, kaum Gesprächsthemen... er griff einen Rat auf, den sein Therapeut ihm gegeben hatte "machen sie zu zweit mal was, was sie schon immer mal machen wollten"... also buchten wir für die Zeit nach Weihnachten eine Fahrt nach Berlin mit allem drum und dran.
Wie ich so im Internet am Hotelsuchen war, wollte ich den Verlauf nutzen, um ein anderes Angebot noch einmal aufzurufen: da sehe ich... eine Facebook-Nachricht an eine Frau, die nicht in seiner Freundesliste ist. Ich erinnerte mich daran, dass er mir mal sagte, er hätte privat keinerlei Daten von ihr im Rechner und ich hätte nie was finden können... wieso dann plötzlich Nachrichten an eine "Unbekannte"...
Nachts konnte ich nicht schlafen - sprach ihn drauf an... und siehe da... SIE ist es. ER hat wieder Kontakt aufgenommen, hat ihr ein Foto zum Nikolaus geschickt, sie um ein erneutes Gespräch gebeten (was sie aber abgelehnt haben soll)... und das alles, als ich nicht zu Hause war
Ich brach unter Tränen zusammen - warum dieser erneute Kontakt?
Auf der einen Seite sagt er, er wolle mich nicht verlieren, er will das, was wir uns gemeinsam aufgebaut haben, nicht verlieren. WARUM dann eine erneute Kontaktaufnahme?
Ich kann nicht mehr... habe keine Kraft mehr zu kämpfen.
Ich habe Wohnungen und möblierte Zimmer rausgesucht, aber durch die finanzielle Belastung mit dem Haus, können wir uns das gar nicht leisten - also räume ich wohl gleich erst mal das Gästezimmer um, um ihn erst einmal dorthin aus zu quartieren.
Ich hab keine Ahnung, wie es weiter gehen soll....
(DANKE FÜRS LANGE LESEN
. Aber... die wahren Umstände, die zu meinem Verhalten führten, kennt sie nicht. Sie denkt wahrscheinlich, ich bin eine fette, faule und unfähige Ehefrau, die keinen Bock zu gar nichts hat.