Zitat von laralala:Weil ich immer noch denke, es wird wieder wie davor. Ist als Aussenstehender total bescheuert oder?
Nein – es ist nicht bescheuert. Die Hoffnung stirbt bekanntlich oft zuletzt, und natürlich hält man sich in einer solchen Ausnahmesituation an dem letzten Strohhalm fest. Das hat nichts mit Naivität oder Schwäche zu tun, sondern zeigt, wie sehr du liebst und wie verzweifelt du versuchst, etwas zu retten, das dir einmal Halt und Zukunft gegeben hat.
Ich kann so gut verstehen, dass du innerlich hin- und hergerissen bist. Du liebst ihn. Du bist mit ihm in ein Leben gestartet, das ihr euch beide einmal voller Zuversicht und gemeinsamer Pläne ausgemalt habt. Und dann kommt eine Krankheit – etwas, das niemand von euch gewählt hat – und wirft alles durcheinander. Plötzlich zerbricht dieser Traum in tausend Stücke, und du (und auch mit Sicherheit Jonas) stehst fassungslos davor.
Auch Jonas lebt gerade ganz sicher nicht das Leben, das er sich je für sich ( und auch für dich) gewünscht hat. Er steckt in einem Körper und in Umständen fest, die ihn überfordern, ihn begrenzen, ihn manchmal vielleicht sogar selbst entfremden. Er leidet auf seine Weise, genau wie du. Es ist so tragisch, weil ja Liebe noch vorhanden ist und ihr aneinander festhaltet – aber die Realität euch zwingt, Rollen und Situationen auszuhalten, die niemand tragen kann, ohne Schaden zu nehmen.
Und trotzdem: Du bist innerlich bereits mit einem Bein aus der Beziehung heraus. Dieses Doppelleben, der Druck, das Verschweigen, das Zerrissensein – das bleibt nicht folgenlos und hinterlässt Spuren. Das kostet Kraft, Selbstwert, Gesundheit. Was wenn die Affäre auffliegt?
Die Frage ist deshalb nicht, ob du noch Hoffnung haben darfst – natürlich darfst du das.
Sondern eher:
Wie lange kannst du diesen Zustand noch tragen? Emotional, körperlich, finanziell?
Was, wenn sich nichts ändert?
Was, wenn Jonas nicht wieder der Alte werden kann – einfach weil die Umstände stärker sind als ihr beide?
Manchmal – so herzzerreißend es ist – reicht Liebe allein nicht mehr aus, wenn das Leben selbst zu schwer geworden ist. Und genau das macht eure Situation so unendlich traurig. Ihr zwei tut mir wirklich von Herzen leid, weil ihr trotz Liebe, Bindung und guten Absichten an eure Grenzen gekommen seid.
Ich wünsche euch beiden einen Weg, der euch nicht weiter zerreißt – egal, ob er gemeinsam oder getrennt verläuft.
