juli285
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,ich war mit meinem Freund 2 Jahre zusammen. Er ist bereits seit Jahren erkrankt (ich habe natürlich die ganze Zeit versucht ihn diesbezüglich zu unterstützen); hat eine diagnostizierte Angststörung, mit der er kaum das Haus verlassen kann.
Als er krank wurde, haben ihn alle seine Freunde im Stich gelassen, so dass er keinerlei Freunde und Kontakte mehr hatte.
Er ist deshalb schon lange auf einer Singlebörse angemeldet - lange bevor wir uns überhaupt kannten - weil dies für ihn, wie er erklärte, die einzige Möglichkeit darstellte überhaupt Kontakt zur Außenwelt zu haben.
Als wir zusammenkamen, war er genau aus diesem Grund weiterhin in der Singlebörse aktiv: ein bisschen hin und her schreiben, smalltalk, Tor zur Außenwelt auf Grund der Tatsache, dass er sonst keine Freunde oder Sozialkontakte hat. Er beteuerte immer wieder, dass es harmloser Zeitvertreib sei und er dort nicht nach einer neuen Partnerin suchte.
Ich habe immer versucht seine Erklärung nachzuvollziehen, Verständnis zu haben, aber es fiel mir trotzdem unheimlich schwer und hat mich verletzt, weil... es ist nunmal eine Singlebörse.
Natürlich, die "Gefahr", dass man eine andere Frau kennenlernt, besteht überall: in der Freizeit, im Beruf usw., aber eine Singlebörse dient halt (im eigentlichen Sinn) der Partnersuche - es geht nicht um gemeinsame Hobbies, über die man sich austauscht, sondern man präsentiert sich aktiv auf dem Singlemarkt, kommuniziert ausschließlich mit Singles des anderen Geschlechts, sucht dort also gezielt und ausschließlich Kontakt zu Frauen, flirtet vielleicht auch miteinander und wenn man dann dort doch mal auf einen ganz tollen Kontakt trifft, wer weiß...
Deshalb kamen bei mir trotz seiner Erklärungen immer komische Gefühle, Bauchschmerzen auf. Es hatte mich einfach in einen dauerhaften Stressmodus versetzt, ich war permanent unruhig, unsicher. Leider habe ich es nicht geschafft in diesem Punkt zu vertrauen, obwohl ich ihm sonst zu 100% vertraut habe.
Einerseits hatte ich versucht damit zurechtzukommen, andererseits aber auch ein regelrechtes Kontrollverhalten entwickelt - habe geschaut, wie lange er dort online ist (so nach dem Motto: wenn es nur ein paar Minuten sind, bahnt sich gerade kein intensiver Kontakt an).
Die Singlebörsenaktivität hatte mich zu einer unsicheren, hysterischen, misstrauischen Furie gemacht und unsere ansonsten schöne Beziehung leider in eine regelrechte Abwärtsspirale geführt - rief er mal später an oder meldete er sich mal gar nicht (etwas, über das ich mir unter anderen Umständen keine Gedanken gemacht hätte), hatte ich sofort den Gedanken, dass er dort vielleicht eine neue Frau kennengelernt hat, sich eventuell etwas anbahnt usw.
Wir hatten oft Auseinandersetzungen deswegen - dieses Thema war immer und immer wieder ein Dauerbrenner in unserer Beziehung und das einzige Problem, das wir miteinander hatten.
Er war der Meinung, ich müsste das Ganze auf Grund seiner Situation lockerer sehen (was ich ja auch monatelang versucht habe) - ich wiederum konnte gefühlsmäßig einfach nicht dagegen ankämpfen, dass es mich verunsicherte und verletzte.
Irgendwann war ich so fix und fertig, dass er für mich dann seine Aktivität dort einstellte.
Es lief dann auch gut, aber bei mir hatte die Aktivität, bei ihm wiederum unsere daraus folgenden Auseinandersetzungen trotzdem Spuren hinterlassen.
Ich habe es nicht geschafft, dort dann überhaupt nicht mehr nachzuschauen, musste mich immer wieder vergewissern und . nach Monaten war er dann tatsächlich vor kurzem wieder mal aktiv (einmal, ganz kurz).
Deshalb kam es zwischen uns zu einem Streit (für mich brach in dem Moment gefühlt eine Welt zusammen und ich habe ihm leider Vorwürfe gemacht, es nicht geschafft ruhig und sachlich zu bleiben) und er hat sich daraufhin getrennt und den Kontakt abgebrochen.
Seine Meinung: ich hätte erst gar nicht nachschauen oder einfach den Mund halten sollen - er ist schon krank und ich hätte nicht Besseres zu tun als ihn fertig zu machen so als wäre er fremdgegangen, ich hätte ihn wegen Nichtigkeiten angegriffen, wäre nicht ganz dicht ihn dort zu kontrollieren, würde ihn krank machen mit meinen Vorwürfen usw usf.
Ich fühle mich jetzt, als sei ich der schlechteste Mensch der Welt. Ich frage mich, ob ich überreagiert habe, ob ich in seiner speziellen Lage das Ganze nicht einfach hätte lockerer sehen sollen, mehr Verständnis haben sollen für diese "Aktivität", mache mir fürchterliche Vorwürfe, bereue mein Verhalten und würde am liebsten alles ungeschehen machen, weil ich ihn weder verletzen noch verlieren wollte. Ich habe ihn so sehr geliebt...
Vermutlich wird der Großteil Singlebörsenaktivität in einer Beziehung grundsätzlich inakzeptabel finden - aber wie hättet ihr das Ganze in dieser speziellen Situation gesehen?
Hätte ich darüber stehen müssen?
Hättet ihr darüber stehen können?