Zitat von Kranich71:Es ist manchmal schwer für mich zu verstehen warum man da nichts ändern kann, bzw. sie selbst da nicht raus kann.
Es ist auch sehr schwer weil alles, was sie (wir) schon früh erfahren haben im Körper, im Zellgedächnis abgespeichert ist, deshalb kommen wir auch nicht so leicht da heran weil der Sitz im Stammhirn liegt, da ging es ums Überleben : Flucht, Erstarrung, Angriff - all das lebt sie auch an dir und anderen aus weil sie sehr wahrscheinlich schon früh in ihrem Leben traumatische Erfahrungen gemacht hat, die ihre psychischen Verarbeitungsfähigkeiten überschritten haben. Sie tritt die Flucht an in dem sie sich zurückzieht, abgrenzt, zu macht, greift dich an, manipuliert dich oder erstarrt, wirkt kalt, gefühllos, spaltet ab.
Zitat von Kranich71:Wir schauten uns "Full Metal Jacket" an. Ich weiß das der Film teilweise heftig ist, jedoch war er für mich ein Klassiker. Ich wusste bis dahin nichts von Ihren Problemen was das betraf. Nach dem Film sagte sie mir das ihr das emotional zu nahe geht und sie so etwas nicht kann. Ich unterließ es seitdem mit solchen "Kriegsfilmen" und was mit dem Thema zu tun hat.
Dann ist die Bombe geplatzt. Im Film war ihr das mit der Todesstrafe zu heftig.
Da kann ich mir gut vorstellen, daß es sie getriggert hat und Stresshormone sie befeuert haben, es geht in den Filmen um Tod und Todesangst, das sind wahrscheinlich ihre Panik-Themen, eigentlich unser aller Thema - die Angst zu sterben, Angst die immer mitläuft und die auch aus dem Stammhirn kommt und deshalb unbewusst bleibt. Ihre Krankheit ist ja nicht vom Himmel gefallen und hat ihre Ursache/n. Ich interessiere mich für Neurobiologie, Epigenetik und die haben herausgefunden, das unser Geist stärker ist als unsere Gene - er kann auch dafür sorgen, das sich unsere DNA verändert.
Besonders frühkindlicher Stress kann tiefe Spuren in unserem System hinterlassen und sofern er unverarbeitet bleibt zu den verschiedensten Erkrankungen führen, auch zu Depressionen.
Zitat von Kranich71:Gestern war das dann nach Tagen des schwiegens mit dem das Sie sich am liebsten umbringenmöchte und ich dann daran Schuld sein soll.
Das ganze trifft mich hart.
Ich habe ein Helfersyndrom, mache mir Schuldgefühle und hänge nun seitdem in den Gedanken fest. Das ich sicher nicht Schuld daran bin, wenn es so kommen würde, weiß ich. Es ist dennoch belastend.
Sicher bin ich Co-Abhängig geworden.
Das war ich in früheren Beziehungen nicht. Warum das so gekommen ist, weiß ich leider bis jetzt auch noch nicht. Das ist wie ein Karusell, es dreht sich ununterbrochen.
Du warst wahrscheinlich schon vor ihr so, nur hat sie es geschafft, deine Geschichten aus dem tiefen Keller rauszuholen - einerseits ein Geschenk weil du dir bewusster geworden bist, andererseits ein Fluch weil du dich damit konfrontiert siehst, du darunter leidest und noch nicht weißt wie du da herauskommen kannst,
Ihr befindet euch in einem Teufelskreis und habt beide Anteile in euch, die euch in dieser Position festhalten lassen.
Zitat von Kranich71:Tagesoma oder was auch immer klappt nicht, da wehrt er sich dagegen. Er ist sehr stark auf mich fixirt. Jedoch seit 4 Wochen macht er jetzt 2-mal die Woche noch Inlinehockey und einmal Parcour. Das tut ihm gut und er hat freude dabei.
Da hat er ja etwas gefunden, was ihm Spass macht, sein Selbstvertrauen stärkt und womit er Stress abbauen kann. Vielleicht könnt ihr euch Zeit für gemeinsame Freizeitaktivitäten nehmen ? Fahrradfahren, Schwimmen, o.a. gönnen, etwas woran ihr beide Spass haben könnt und euch für euch Zeit nimmt ?
Zitat von Kranich71:Ich selbst bin auch auf der Suche nach weiterer Hilfe für mich, jedoch nicht so leicht zu finden.
Verzettel dich nicht, viel hilft nicht viel. Bleibe bei ein-zwei Sachen und versuche da das zu ändern was dir wichtig ist, schaffe dir neue Erfahrungen, überschreibe damit deine alte Geschichte, verschaffe dir Ruheoasen, einen sicheren Platz wo du abschalten und alles loslassen kannst, was dein Kopfkino gerade hergibt. Und bewege deinen Körper, damit er Spannungen abbauen und Muskeln aufbauen kann, das gibt Kraft und neue Energie, ernähre dich vollwertig und nachhaltig, bei Stress verbrauch der Körper besonders viele Vitamine, Mineralien, Spurenelemente.
Ein Möglichkeit wäre auch eine kirchliche Lebensberatungsstelle aufzusuchen, die haben oft taffe Sozialarbeiter, die dich ein bischen aufbauen und unterstützen können.
Zitat von Kranich71:Die permanenten Schuldzuweisungen und Kritik-Attacken gegen mich machen einen mürbe. Ich wehre mich dagegen und das kostet dann beiden soviel Kraft das alles eskaliert.
ja, gegen Gespenster, die gar nicht vorhanden sind zu kämpfen macht auch keinen Sinn. Sinn könnte machen, daß du es schaffst dich abzugrenzen und zu akzeptieren, daß es so ist wie es ist und nichts mit dir zu tun haben.
Warum kann es dich verletzten wenn du weißt, daß es ihre Hirngespinnste sind ?
Zitat von Kranich71:Meine Freundin wird sich sicherlich nicht so schnell aufrappeln das wieder alles gut ist.
Jeder von uns beiden hat derzeit also soviel belastendes um die Ohren das es definitiv zuviel ist um überhaupt mal klar zu denken. Sie möchte immer die harte sein und macht sich keine Zugeständnisse das man Hilfe annehmen kann oder soll. Ich dagegen bin immer bereit was anzunehmen, mache ich auch was in meinem Rahmen möglich ist.
Sofern sie sich wieder bei dir meldet könnt ihr euch auf neutralem Boden treffen, etwas gemeinsam unternehmen und euch danach wieder trennen.
Bei ihrer Erkrankung musst du damit rechnen, dass es im Durchschnitt so bleiben wird wie bisher, sie weigert sich Hilfe anzunehmen und bleibt lieber in ihrer Kompfortzone, gibt anderen die Schuld an ihrem Dilema und bleibt so auf ihrem frühkindlichen Entwicklungsstand stehen, während du dich verbiegst und am Limit deiner Kräfte bist. Du hast auch Verantwortung für deinen Sohn und musst dafür sorgen, das du gesund und fit bleiben kannst, er braucht dich zu seinem Schutz und sieht wie sein Vater immer energieloser wird, hat vielleicht sogar Angst um dich ?