Zitat von E-Claire:Wieso eigentlich Du?
Was wer, wenn er einfach nicht stark genug, nicht selbstbewusst genug, nicht klug genug, nicht toll genug, eben einfach nicht genug wäre, um mit einer Frau wie Dir ne Beziehung auf Augenhöhe führen zu können?
Er ist stark, sowohl mental als auch körperlich, extrem gutaussehend, erfolgreich in einem Beruf mit extrem viel Verantwortung (leitende Position bei der Feuerwehr). Technisch extrem versiert, hat Häuser gebaut, Boote umgebaut, zwei wundervolle Töchter grossgezogen, kann einfach alles. (Ausser Beziehungen, da ist er durchaus selbstkritisch.)
Ja, ich bin auch stark, und klug und interessant genug, mein Leben ist facettenreich. Aber neben ihm bin ich schwach, und er hat mir von Anfang an (sicherlich unabsichtlich!) das Gefühl vermittelt, dass das, was ich im Leben erreicht habe, neben seinen Leistungen verblasst. Und damit hat er auch recht. Davon abgesehen finde ich mich selbst äusserlich nicht attraktiv. Bescheuerterweise habe ich es tatsächlich noch als Kompliment genommen (was er nicht weiss), als er mir neulich sagte, ich solle es bitte nicht als Zurückweisung sehen, dass er nicht mehr Körperkontakt gesucht/zugelassen habe, das sei, ganz im Gegenteil, ein Zeichen von Respekt. Völlig beknackt, denn ich habe wirklich monatelang gedacht, und denke es eigentlich immer noch, dass er mich einfach hässlich / nicht anziehend findet. Ich hätte es wirklich noch als Kompliment genommen, immer noch, wenn wir wenigstens Sechs gehabt hätten.
Er hat in den letzten 17 Jahren glaube ich nur mit drei Frauen eine Beziehung "angefangen", und das ist jedesmal sehr schnell in die Brüche gegangen. Zwei dieser Frauen hatte er sehr gern, das weiss ich, und als es ernster wurde, haben sie ihn verlassen. Dadurch hat er den Glauben an die Liebe verloren.
Ich bin es von neuen Bekanntschaften gewöhnt, bewundert zu werden, und finde das meist übertrieben/abstossend. Aber von ihm hätte ich mir wirklich gewünscht, und wünsche mir immer noch, dass er sein eigenes Leben mal für fünf Minuten in den Hintergrund stellt. Ich weiss, dass er viel Mist durchgestanden hat, mit Scheidung/Betrug, Zurückweisung, OPs, bei der Feuerwehr, und über längere Zeit alleinerziehend mit zwei Kindern. Er weiss, dass ich auch viel Mist durchgestanden habe - aber ich habe immer das Gefühl gehabt, dass er seine eigenen Probleme in der Vergangenheit als "ernsthafter" ansieht. An Ostern hat er glaube ich gesehen, dass ich nicht alles so locker-flockig wegstecke, sondern ernsthafte Probleme habe, mit der jetzigen Situation umzugehen. Aber nicht, wie ernsthaft. Ich habe keine Ahnung, ob ich ihm auch nur *irgendwas* bedeute. Ja, er hat auch geweint, und ja, ich glaube ihm, dass er sich theoretisch gewünscht hätte, dass es mit uns klappt. Aber gleichzeitig kreist er nur um sich. Und mit uns hat er, glaube ich, schon vor vielen Monaten abgeschlossen.
Er ist sehr bestimmend, und ich hatte ab und zu das Gefühl, er behandelt mich wie eine Tochter. Klar geht das ganz enorm ans Ego. Er ist gleichzeitig auf eine sehr liebe und fürsorgliche Art und Weise bestimmend, so dass man ihm das nicht böse nehmen kann. Aber oft hat es sich so angefühlt, als würde er mich nur pro forma nach meiner Meinung fragen, und dann doch das machen, was er sich im Vorhinein gedacht hat. Das fühlt sich oft sehr abwertend und abweisend an... Im Chat bzw. am Telefon entstehen diese Situationen nicht, aber oft in der Zeit, die wir gemeinsam verbracht haben. Wobei ich im Chat auch oft das Gefühl hatte, es interessiert ihn eigentlich nicht wirklich, was ich mache/denke. Als wäre ich nur ein Zeitvertreib. Gleichzeitig hat er so viel, auch sehr privates, mit mir geteilt, er gibt so viel von sich selbst, das hat mich immer wieder gerührt. Zuletzt einen Brief seiner Tochter an ihn.
Zitat von KBR:Gedanken machen Gefühle.
Also denke besser: Ich kann ohne ihn leben. Ich konnte es vor unserer Bekanntschaft und ich kann es auch danach.
Als ich ihn kennengelernt habe, hatte ich mir über die letzten drei Jahre mühsam ein Leben aufgebaut, das mich erfüllt, das meinem Alltag einen Sinn gibt (viel ehrenamtliche Arbeit etc.). Aber selbst wenn ich diesen Sinn *gesehen* habe - ich habe ihn nicht *gespürt*. Als ich IHN traf, habe ich den Sinn des Lebens gespürt, fühlte mich endlich angekommen. Als würden endlich alle Puzzleteile zusammen passen.
Klar kann ich ohne ihn leben - aber das ist die Mühe und den Schmerz nicht wirklich wert, finde ich.
Zitat von KBR:Natürlich kann es sein, dass ich mich nicht mehr verliebe. Ganz so fühlt es sich jedenfalls seitdem an. Na und, dann wäre es eben so. Ich habe geliebt und bin geliebt worden. Ich habe viel erlebt. Ich habe ein anderes Leben geführt als ich wollte, aber vermutlich kein Schlechteres.
Ja, die meisten führen ein anderes Leben als sie wollen. Aber ich spüre nicht, dass ich überhaupt ein lebenswertes Leben geführt habe. Und wenn ja, dann bin ich damit eigentlich auch fertig - es gibt nichts mehr, was ich unbedingt machen oder erreichen möchte - ich habe viel erlebt.