Zitat von Zugaste:
Bei kurzen Affären ist es, glaube ich eine Entscheidung zwischen Liebe und Gewohnheit vs. Verliebtheit und Leidenschaft.
Oder Oberwasser gegen Unterwasser (Augenhöhe), je nachdem in welcher Beziehung das vorherrscht.
Hinzu kommt dann noch, was passiert, wenn der Betrogene Bescheid weiß, denn dann ändern sich oft die Machtverhältnisse schlagartig, in die unterschiedlichen Richtungen.
Und es liegt dann auch am Betrüger. Wie ängstlich sie sind, wie hoch das Sicherheitdbedürfnis ist und auch wie sehr sie sich selbst unter die Lupe nehmen!
Jemand der keine Verantwortung übernimmt, die Schuld bei den anderen sucht, kann oft keine Entscheidung treffen und wartet auf die Entscheidung der anderen. Bleibt passiv... (Opfer)
Jemand der aktiv sich und sein Handeln reflektiert, guckt, was da läuft und was das mit ihm/ihr macht, handelt oft bevor die Sache auffliegt, oder offenbart sich dem Erstpartner oder übernimmt eine feste Position beim Auffliegen. (Täter/ Retter)
So lese ich es hier oft.
Ich finde es erschreckend auf welcher trivialen Ebene die Motivation für Fremdgeher mitunter betrachtet wird. "Leidenschaft, Gewohnheit, Sicherheit, Marktwert, Spiel, Macht...". Es ist doch oft viel komplexer und eine präzisere Betrachtung würde allen Betroffenen mehr Achtung entgegen bringen. Es geht doch eher um mitunter erhebliche innere Konflikte, o.ä. die meist weniger mit dem Partner oder der Affäre zu tun haben, als zunächst sichtbar. Es ist doch nicht so trivial, dass sich der Mann oder Frau langweilt, mal wieder guten S. haben möchte, seinen/ ihren Marktwert testen will, sauer auf den Partner ist oder einfach in Amors Falle gelaufen ist. Da die meisten, bis auf ein paar abgewich.. Ars... eine Affäre nicht einfach zu haben, bzw. das schon zu einem inneren Konflikt führt, müssen die Gründe dafür signifikant sein.
Und sie laufen meist sehr unterschwellig ab. Daher ist der durchaus berechtigte Wunsch, man möge doch vorher reden, Wunschdenken, das an der Realität vorbei geht. Mein Mann hat immer versucht viel an sich zu arbeiten und wir haben immer viel miteinander geredet. Aber an diese tiefsitzenden Dinge kamen wir weder auf der Gesprächsebene hin, noch mit irgendwelchen anderen Ansätzen. Statt hieraus einen Vorwurf zu machen, könnte man daran erkennen, wie tief das Thema saß.
Ich nehme an, die meisten erkennen ihre eigenen Gründe nicht. Das ist jedoch eher tragisch, denn sie kommen dann nicht aus ihrem Verhalten raus und die anderen haben keine Chance überhaupt zu erkennen, was da abläuft. Vielleicht gehen sie aus Unsicherheit zurück. Macht auch Sinn. Aber nicht weil sie ängstlich sind, sondern durch die Affäre eher mehr verunsichert, als zuvor. Liebe? Jemand der solche Probleme hat, kann nicht wirklich lieben. Daher wäre das weder ein Argument für die eine oder andere Seite. Die wohl beste Prognose haben jene die zurück gehen, die Ursachen ihres Verhaltens erkennen können und mit dem alten Partner das regeln. das kann dann in einer Trennung enden, aber dann ist das ursächliche Thema geklärt und neue Partnerschaften haben eine bessere Basis.
So verletzend das Verhalten der Betrüger auch ist (meinetwegen für beide Frauen), am Ende sollte man versuchen es zu verstehen. Vielleicht sind die Erkenntnisse nicht schön und die Vergangenheit mag wie eine große Lüge erscheinen, aber lieber spät als nie die "Wahrheit" erfahren. In diesem "Film" , der Aufarbeitung eines Themas, sind beide Frauen nur Statisten, jede mit irgendwelchen schier beliebigen Funktionen. Schöner, netter, leidenschaftlicher,...? Ich nehme meinen Mann viel zu ernst, um mich auf dem Niveau mit irgendjemandem zu kloppen, denn darum ging es nie.
Ich wurde gefragt, ob es denn überhaupt von mir erwartet werden kann, dass ich akzeptiere, dass mein Mann seine "Kindheitsprobleme" in Form einer Affäre bereinigt (vereinfacht ausgedrückt). Nun, Rosinen picken ist keine gute Haltung in einer Ehe. Wir bringen alle so unsere Geschichten aus dem Leben mit. Natürlich kann man es von mir erwarten, wenn er auch entsprechend damit umgeht. Und natürlich wird dann auch gleich noch viel mehr aufgeräumt, nämlich bei beiden.