Ehrlich gesagt, verstehe ich immer noch nicht diese Schuldzuweisungen an die AF.
Ich war betrogene EF, noch schlilmmer, die AF war meine Freundin.
Die "Schuld" sah ich trotzdem immer nur bei meinem damaligen Mann.
'Was nutzen diese Schuldzuweisungen einem selbst?
Nicht mal nichts...man macht sich zum Opfer. Bzw. bleibt in der Opferrolle.
Natürlich habe ich auch die Freundschaft zu der AF/meiner Freundin beendet. Aber so richtig wirklich böse war ich ihr nicht. Ich kannte sie gut genug, um zu wissen, dass sie das nicht bösartig berechnend oder eiskalt getan hat. Sie hat sich verliebt, hat ihren Gefühlen und nicht ihrem Verstand nachgegeben. Sie hat einen hohen Preis bezahlt. Bestimmt auch emotional. Sie musste hier im Dorf Spiessrutenlaufen, jeder wusste es. Ich hab ihr nicht mal die Pest an den Hals gewünscht, ich hab sie aus meinem Leben gekickt, wie ihn auch. Das wars. Zwangsläufig läuft man sich bei 5000 Einwohnern heute noch gelegentlich übern Weg, ich grüsse freundlich, sie mich auch. Es gab Events, wo wir der Kinder wegen aufeinandergetroffen sind. Wir sind höflich distanziert miteinander umgegangen. Ich hab sogar ihre Kinder chauffiert, bei Schulveranstaltungen. Sie war erstaunt, für mich wars selbstverständlich, die konnten doch nichts dafür. Die sollten das auch nicht wissen. Meine Kinder wussten auch nichts, dass sie und ihr Vater eine Affäre hatten. Ich hätte doch nur Unschuldige belastet. Meine Kinder kennen die ganze Wahrheit über unsere Trennung erst seit wenigen Jahren, auf Nachbohren, jetzt wo sie gross sind.
Aber vielleicht muss man die AF verantworlich machen, wenn man den Partner behalten will, die Wut "auslagern".
Sonst kann man ihn vielleicht nicht behalten, wenn man wütend auf ihn ist?
Das ist keine provokante Frage, sondern für mich ein echtes Verständnisproblem...ich kann so nicht denken und habe so nie geacht und zwischen dem Ereignis als EF betrogen worden zu sein und eine AF gewesen zu sein, lagen 12 Jahre.
Ich selbst habe nie einen Partner wirklich betrogen. Als Teenie hab ich mal fremdgeknutscht und danach mit dem aktuellen Freund Schluss gemacht. Ich kann mich also auch nicht in Menschen versetzen die fremd gehen, schon gar nicht, das über lange Zeit zu tun, das wäre für mich undenkbar. Ich hab keine Sekunde überlegt, als ich herausfand, dass mein Mann mich betrog, dass ich den nicht mehr will.
Ich bin relativ klar...ich hab überhaupt kein Problem Entscheidungen zu treffen. Auch wenn sie mit einschneidenenden finanziellen Konsequenzen verbunden sind (meine Kinder waren bei Aufdeckung der Affäre gerade 3 und 5 Jahre alt, wir hatten gerade ein Haus gekauft und teilten Job und Kinderbetreuung hälftig).
Trotzdem bin ich gegen meine Natur und meine Wertvorstellungen 3 Jahre in einer Affäre kleben geblieben.
Ich denke, dass es nicht an meiner Moral lag, sondern daran, dass ich mir nicht mehr wert war.
Dieses sich nicht mehr wert sein, sehe ich bzw. lese ich hier bei den AF wie EF gleichermassen.
Ich kann auch sehr schwer nachvollziehen, warum man einen betrügenden Partner behalten will, so wie die EF´s nicht verstehen, warum man sich als Affäre hergibt.
Ich finde, die Frage ist in beide Richtungen berechtigt und es geht nicht um Schuldfragen.
Es geht eigentlich immer um uns selbst.
Ich fände, diese Fragen zu klären, wäre dem Threadtitel eher würdig als das ewige aufeinander Rumgehacke...wer denn nun ein Recht auf Leid hat, wer welche Schuld trägt, wer wem was sagen darf und wer hier eigentlich das Miststück ist
