Zitat von Dummda2:
Ich hatte von Anfang an zu meinem Mann gesagt, er habe die AF benutzt. Er meinte, sie habe ihm das auch vorgeworfen. Und doch ist es auch legitim, dass er sagt, er habe sie nicht benutzt sondern immer gesagt woran sie ist. Ich könnte dann noch sagen, dass sie selber Schuld daran sei. Wer hat nun recht? was ist "wahr"? Alles, nichts?
.
Das ist allerdings ein Punkt, der mir bei vielen Männern unangenehm aufstößt. Hätte Dein Mann seiner Affäre nicht irgendwie signalisiert, dass er sie mindestens scharf, S.y oder sonst wie toll findet, wäre die Affäre ja nie zustande gekommen. Männer sagen dann: es soll nur eine Affäre sein, ich will mich nicht trennen - und fühlen sich damit "aus dem Schneider", also aus der Verantwortung. Schließlich haben sie ja "ehrlich" gesagt, was Sache ist, das genügt ihnen dann.
Dass ihre Taten aber dann oft eine andere Sprache sprechen als ihre Worte, ignorieren sie dabei gern. Das trifft auf Deinen Mann nicht zu, er hat sich völlig "korrekt" verhalten (Du weißt schon, wie ich das meine

in dieser Sache. Andere aber
sagen so etwas der Frau, um sich nicht schuldig fühlen zu müssen,
verhalten sich jedoch anders, und das eben oft über sehr lange Zeiträume hinweg. Indem sie permanent um diese Frau werben, von einer gemeinsamen Zukunft träumen, sich der Affäre gegenüber verhalten wie in einer Beziehung - eifersüchtig und besitzergreifend sind z.B., die Affäre emotional kontrollieren wollen ... das alles führt ja gerade dazu, dass man sich als Affäre fühlt wie in einer Beziehung, man fühlt sich gebunden. Da hilft es leider auch nicht, immer wieder zu sagen: ich will aber nur eine Affäre mit Dir. Das hört der Verstand, die Gefühle aber sprechen eine andere Sprache, wenn der AM seiner Affäre auch gefühlsmäßig sehr zugewandt agiert. Und das tun meiner Erfahrung nach die meisten, zumindest in den Langzeitaffären.
Als Frau spürt/fühlt man doch, ob es einem Mann "nur" um S. geht oder ob da mehr ist auf seiner Seite. Gefühle eben. Wenn ein Mann sich jahrelang täglich bei mir meldet, sich für mich interessiert, von mir hören möchte, Verlustängste hat, wenn ich mich mal nicht melde oder allein unterwegs bin, mir Komplimente macht, mir sagt, dass er jede Nacht von mir träumt, wenn er mir morgens nach dem Aufwachen die erste und abends vorm Schlafengehen die letzte Nachrichte zukommen lässt. Wenn er bei Treffen verliebt wirkt, wenn der S. eben nicht rein mechanisch ist, sondern empathisch, zugewandt, liebevoll. Wenn er Träume spinnt, wie eine gemeinsame Beziehung aussehen könnte. Wenn er sich so für mich interessiert, dass er sich jeden Kleinkram merkt, den ich ihm je gesagt habe. Ja, dann fühle ich, dass er Gefühle für mich hat. Da kann er sagen, was er will - mein Gefühl sagt mir halt was anderes. Würde sich ein Mann verhalten wie ein Mann, der nur S. will, wären die meisten Affären relativ schnell beendet, weil die wenigsten Frauen so was lange mitmachen. Wir alle wissen, wie sich so ein Mann verhält

üblicherweise tun Männer das in Affären aber nicht, im Gegenteil. Und das führt dann eben zu diesen Ambivalenzen, auch bei der Affäre, die das eine hört und das andere spürt.
Dein Mann ist daher meiner Meinung nach gar nicht zu vergleichen mit den "üblichen" Affärenführern, die das Spielchen jahrelang durchziehen. Dein Mann wusste, was er wollte, hat das kommuniziert, und als seine Affäre die Spielregeln ändern wollte, hat er es beendet. Also viel "besser" kann man eine Affäre nicht führen. Das war konsequent, gradlinig, charakterstark und sogar ehrlich. Ich kann gut verstehen, warum Du Deinen Mann trotz des kleinen Fehltritts behalten möchtest, denn der Umgang mit der Affäre auch im Anschluss mit Dir (er hat es gestanden, obwohl es keine Notwendigkeit dazu gab) ist in meinen Augen absolut vorbildlich. Dass einem so was in einer langjährigen Beziehung passieren kann, finde ich absolut menschlich. Und wenn sich dann eine Gelegenheit bietet - wie viel Stärke erwartet man denn, dass man dann dankend ablehnt? Wir sind alle Menschen, nicht fehlerfrei, und Versuchungen gibt es nun mal eben. Aber wie man dann damit umgeht, der Affäre und der Frau gegenüber, das macht für mich den Unterschied aus.
Und nun stell Dir vor, Dein Mann hätte sich nicht so verhalten, sondern so wie der Großteil aller AM. Er hätte der Affäre nach ihrem Geständnis, dass sie verliebt ist und mehr will, gesagt, dass er auch in sie verliebt ist, aber er könnte seine Frau gerade nicht verlassen, weil diese krank/emotional instabil ... ist. Weil die Kinder noch klein, das Auto noch nicht abbezahlt ist und so weiter. Aber er hätte sie vertröstet und sie weiterhin, jahrelang, regelmäßig gesehen und täglich mit ihr kommuniziert. Ohne Dein Wissen. Hätte sie somit warmgehalten, sich selbst an dem Zustand, zwei Frauen zu haben, gelabt. Dich in Sicherheit gewogen, wenn Dein Bauchgefühl mal Gefahr gemeldet hätte (nein, Schatz, da ist nichts, was denkst Du denn von mir? Sei doch nicht so eifersüchtig), und gleichzeitig der Affäre immer wieder Hoffnungen gemacht, dass er sie eines Tages doch zur Erstfrau küren wird, sobald er einen Weg gefunden hat, Dich loszuwerden. Und dann stell Dir vor, er hätte Dir das alles nicht selbst gestanden, sondern Du hättest es nach 2 oder 3 Jahren von der verzweifelten AF erfahren, die sich nicht mehr anders zu helfen gewusst hätte als Dich endlich aufzuklären. Ich glaube nicht, dass Du in dem Fall Deine Ehe weiterhin aufrecht erhalten gewollt hättest. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass so etwas ungefähr das Gegenteil über den Charakter Deines Mannes verraten hätte, als seine tatsächliche Handlungsweise das getan hat. Und wer, bitte, möchte mit so einem Mann wirklich zusammen sein?