Vegetari, viele Menschen gehen ja auch eine Affäre ein, weil sie fürchten, der Partner/die Partnerin würde sie verlassen. Sie fühlen sich unterlegen in der Beziehung, haben Verlustangst und Angst vor dem Alleinsein, und sichern sich mit einer Affäre schon mal für den "Notfall" ab. Fliegt das Ding dann auf und der Partner/die Partnerin hält an der Beziehung fest, fühlt der Fremdgänger sich wieder geliebt, die Beziehung ist temporär wieder auf Augenhöhe, weil die Verlustangst jetzt auf die Seite des Betrogenen gekippt ist, und "erstmal" ist vordergründig alles wieder im Lot.
In vielen Fällen hatten die Betrüger recht mit ihrer Angst, und der Partner/die Partnerin hatte sich schon längst emotional verabschiedet aus der Beziehung, kam aber wieder zurück nach dem Betrug (weil selbst wegen einer anderen verlassen werden möchte man ja auch nicht

- aber in ganz vielen Fällen geht das dann noch maximal 2-3 Jahre, und dann geht der Betrogene tatsächlich. Spätestens, wenn ein Next/ein Sprungbrett gefunden wurde oder aber der Betrüger mit der nächsten Affäre auffliegt
Es hat auch oft gar nicht so viel mit den Personen an sich zu tun, dass jemand Persönlichkeitsdefizite oder so was hat und deshalb eine Affäre eingeht. Es sind ganz profane Bedürfnisse, die naturgemäß in Langzeitbeziehungen irgendwann zu kurz kommen - das Bedürfnis nach s. Begehren und Begehrtwerden, nach Aufmerksamkeit, nach den Gefühlen einer Verliebtheit/einer frischen Liebe - geschürt durch Hollywood, Disney und Liebesromane, die heutzutage Hochkonjunktur haben - und wenn dann jemand auftaucht, der einem all diese Gefühle wieder gibt, dann hängt man ganz fix drin. Und ja, diese Bedürfnisse werden geschürt durch die Medien und auch das Internet. S. ist allgegenwärtig, und überall wird einem suggeriert, alle Welt hat den großartigsten, leidenschaftlichsten S. ever, nur man selber sitzt auf dem Trockenen.
Das funktioniert wie mit der Werbung - kein Mensch hätte je gesagt, dass er ein Smartphone "braucht", wenn uns nicht die Werbung weisgemacht hätte, dass wir ohne so was nicht mehr leben können. Ähnlich verhält es sich mit den Liebesbedürfnissen heutzutage. Madame Bovary galt bei Erscheinen des Romans als absoluter Skandal, weil man fürchtete, die Frauen würden dadurch verdorben und würden ähnliche wahnsinnige Sehnsüchte entwickeln wie die Protagonistin. Man wusste also schon damals, wozu das führt - nur heute ist es nicht mehr EIN Roman, der diese Sehnsüchte schüren könnte - heute werden wir von allen Seiten und aus allen Rohren damit befeuert. Seitensprungprotale machen Werbung im TV und in Zeitschriften
Gönnen Sie sich eine Affäre! Sie haben es sich verdient.
Das sind die Zeichen unserer Zeit, die Digitalisierung trägt einiges dazu bei (ich weiß gar nicht, wie Menschen früher ohne Smartphones Affären hatten, wo heute jede Affäre durch zahlreiche WA-Nachrichten befeuert zu werden scheint) und wir werden lernen müssen, damit umzugehen. Lebenslängliche Ehe inklusive lebenslänglicher Monogamie ist aber heutzutage sicherlich eine Utopie. Zumindest unter Romantikern - wer so was anstrebt, sollte sich einen sehr pflichtbewussten und pragmatischen Partner suchen, der mindestens auf einer Ebene abhängig ist. Das ist die Garantie für eine lebenslange Beziehung. Von einer glücklichen Beziehung will ich da aber mal nicht reden.