Zitat von Dummda2:Die Bereitschaft Dinge hinzunehmen ist deutlich niedriger. Das ist wiederum gut für Partnerschaften, denn so werden sie eher thematisiert. Aber auch wenn man viel redet, so können dich tief verschüttete Themen z.B. Aus der Kindheit irgendwann hoch kommen und zur Affäre führen.
Ja, bei uns ist es die 2. Ehe. Aber 1. haben wir gemeinsame Kinder und 2. ( das ist wohl noch wichtiger) bin ich seine 1. große Liebe und war immer für ihn präsent. Außerdem haben wir relativ früh geheiratet.
Deshalb meinte ich, es bedarf besonderer Merkmale, damit die 2. Ehe einen entsprechenden Stellenwert haben kann. Ansonsten ist es nur ein Ad on . Und je älter die Leute sind, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es nur eine Ergänzung wird, aber nicht mehr so zentral wie die 1.Ehe.
Sollte man bedenken.
Also die zweite Ehe ist für mich klassisch die Altersehe. Die erste Ehe ist für mich die Familienehe

und die können, müssen aber nicht mit derselben Person sein. Natürlich hat man für die Altersehe andere Wünsche und Bedürfnisse als für die Familienehe, ist ja klar. Im Idealfall wächst man da miteinander, also aus der Familienehe irgendwann raus in die Altersehe, wenn beide da gleiche Vorstellungen haben. Blöd wird es spätestens dann für die mit großem Altersunterschied (15 Jahre oder mehr), denn da landet der eine deutlich früher in der Altersehe als der andere, da wird's mindestens schwierig.
Ich habe in mehreren Situationen mit meinem Ex (und das war für uns beide die erste Ehe) erlebt, wie sehr anders er das Thema Loyalität sieht als ich. Für mich war Loyalität immer DIE Basis für meine Ehe. Ich war immer für meinen Mann da, egal, was passiert ist, habe ihn immer unterstützt, ihm immer beigestanden, ihn immer verteidigt. Als ich das Gleiche von ihm gebraucht hätte, war er nicht da oder jedenfalls nicht so "bedingungslos", wie ich das für ihn war. Da war für mich klar, dass ich mit diesem Mann nicht alt werden möchte, denn mein Vertrauen, dass er im Notfall auch für mich da wäre, war nicht mehr gegeben. Da bleibe ich sogar lieber allein als mich jahrelang auf eine Stütze zu verlassen, von der ich annehmen muss, dass sie im Bedarfsfall knirschend zusammenbricht. Der Fall, der mich in so einer Situation erwischen würde, wäre mir zu tief, und ich habe beschlossen, dann lieber in einer Zeit der Stärke zu gehen als in einem Moment der Schwäche von ihm fallen gelassen zu werden.
Für mich ist die Familienehe die "zentrale" im Leben, egal ob es die 1.,2. oder 3. Ehe ist (soll's ja auch geben so was). Denn da passiert das meiste, da ist die Bindung am stärksten, da ist die Abhängigkeit voneinander am größten (immer noch, auch wenn die meisten Mütter ebenfalls berufstätig sind). Und klar, was danach kommt ist nicht mehr so stabil als Konstrukt. Das gilt aber auch für die Familienehe, die in die folgende Ehe umgewandelt wird. Schließlich brechen da auch die meisten Ehekonstrukte auseinander - wenn die Kinder flügge geworden sind. Da zeigt sich dann nämlich oft, was einen außer den Kindern überhaupt noch zusammenhält, und in einigen Fällen ist das leider nicht (mehr) viel.
In der späten Altersehe wird diese wieder bedeutsamer, weil viele Menschen im Alter häufiger krank werden oder gar pflegebedürftig. Da kann man dann von "Add on" auch nicht mehr reden, da ist dann nämlich wieder eine große Bedürftigkeit da. Und danach, also wie leistungsfähig und -willig der Partner in so einem Fall ist, suchen sich viele Menschen nämlich den Partner für diese Zeit aus.